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	<title>Impulsgeschichten - Krankenhausberater Ruhl Consulting</title>
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	<description>Unter unseren Impulsen rund um Führung im Krankenhaus finden Sie unsere gesammelten Web-Beiträge auf einen Blick.</description>
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	<title>Impulsgeschichten - Krankenhausberater Ruhl Consulting</title>
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		<title>Die Frau in Gold: Was durch uns sichtbar wird</title>
		<link>https://krankenhausberater.de/impuls/news/die-frau-in-gold-was-durch-uns-sichtbar-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elke &#38; Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Aug 2026 12:25:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Impulsgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Silber absorbiert, Gold reflektiert. Die Frau in Gold hat Millionenwert. Doch welches innere Gold will durch unser Leben sichtbar werden?</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p style="font-weight: 400;"><strong>Goldschmiede sagen, Silber absorbiere, während Gold reflektiere. Silber gilt als das elegante Metall der Unsichtbarkeit. Es drängt sich nicht auf, lässt Raum und kann gerade darin etwas Beruhigendes entfalten. Gold dagegen ist ein Glanzlicht. Es zieht den Blick an. Als Schmuck kann es geradezu für die innere Erlaubnis stehen, sichtbar zu sein, sich zu zeigen und Raum einzunehmen.</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Diese Bedeutung ist älter als jede moderne Schmuckästhetik. Seit Jahrtausenden verweist Gold auf etwas, das über das Alltägliche hinausgeht: auf Macht, Unvergänglichkeit, Heiligkeit und die Gegenwart des Göttlichen. In ikonographischen Goldgrundbildern etwa löst sich der dargestellte Mensch aus der gewöhnlichen Welt. Der goldene Hintergrund zeigt keinen realen Raum mehr, sondern verweist auf eine andere Wirklichkeit.</p>
<h4 style="font-weight: 400;">Georg Baselitzs letztes Werk</h4>
<p style="font-weight: 400;">Auf diese Tradition greift auch die letzte Werkgruppe von Georg Baselitz (1938-2026) zurück. Baselitz, als Hans-Georg Kern im sächsischen Deutschbaselitz geboren, gehört zu den international erfolgreichsten Künstlern seiner Generation. Eine seiner besonderen Fähigkeiten bestand darin, seine Kunst stark mit Narrativen aufzuladen. Seinen letzten großformatigen Bildern gab er den Titel „Eroi d’Oro“ – Goldene Helden.[1] Sie zeigen für Baselitz typische (auf den Kopf stehende) Figurenbilder, mit dunklen Linien auf golden grundierten Leinwänden. Von sich selbst und seiner Frau Elke. Doch von klassischen Helden ist da wenig zu sehen. Äußerlich erscheinen die Figuren eher wie Antihelden: alt, verletzlich, nackt, auf sich selbst zurückgeworfen. Schrille Farbakzente in Pink, Gelb und Türkis durchbrechen die Trostlosigkeit nur wenig. Doch selbst das Schwinden der eigenen körperlichen Kräfte verbirgt Baselitz nicht: Spuren seines Rollstuhls wurden Teil der Komposition.</p>
<p style="font-weight: 400;">Doch hinter der sichtbaren Gebrechlichkeit liegt das Gold. Es öffnet eine zweite Ebene. Hinter Alter und körperlichem Verfall erscheint etwas, das bleibt: die jahrzehntelange Beziehung zu seiner Frau, die gemeinsame Lebensgeschichte und vielleicht auch die Ahnung einer Wirklichkeit, die über das sichtbare Leben hinausweist. Baselitz überließ dieses Finale nicht dem Zufall. Er hatte sich intensiv mit den letzten Werken großer Künstler beschäftigt – mit den unterschiedlichen Möglichkeiten, ein Lebenswerk zusammenzuführen und zu beenden. Bis zuletzt behielt er die Deutungshoheit über sein eigenes Werk. Er bestimmte sein Narrativ selbst. Dabei verlinkt er seine letzten Bilder zu den von ihm geschätzten Fayum-Porträts &#8211; jene eindringlichen Bildnisse aus dem alten Ägypten, die Verstorbenen als Grabbeigaben mitgegeben wurden. Auch sie zeigen Menschen an einer Grenze – zwischen körperlicher Anwesenheit und Erinnerung, Leben und Tod.</p>
<h4 style="font-weight: 400;">Gustav Klimts berühmtestes Werk</h4>
<p style="font-weight: 400;">Gold ist also kostbar. Doch sein Wert in der Kunst entsteht nicht durch das Material. Er entsteht durch das, was sich mit ihm verbindet. Kaum ein Bild zeigt dies eindrucksvoller als Gustav Klimts berühmtes „Bildnis Adele Bloch-Bauer I“, heute weltweit bekannt als „Die Frau in Gold“.</p>
<p style="font-weight: 400;">Adele Bloch-Bauer und Gustav Klimt lernten sich um 1900 im Wien der Jahrhundertwende kennen und schätzen. Adele und ihr Mann Ferdinand Bloch-Bauer gehörten zu den bedeutenden Förderern der Wiener Moderne. Ihr Salon war ein Treffpunkt von Künstlern, Intellektuellen und Persönlichkeiten des kulturellen und politischen Lebens. Zu den Gästen gehörten u.a. bedeutende Musiker und Komponisten wie Richard Strauss. Solche Salons waren weit mehr als gesellschaftliche Treffpunkte. In ihnen wurden Ideen ausgetauscht, Kunst und Literatur diskutiert und gesellschaftliche Vorstellungen entwickelt. Gerade für jüdische Frauen eröffneten diese Kreise Möglichkeiten, sich stärker am kulturellen, sozialen und politischen Leben zu beteiligen.</p>
<p style="font-weight: 400;">1907 vollendete Gustav Klimt das Porträt der damals 26-jährigen Adele Bloch-Bauer. Es wurde zu einem Höhepunkt seiner berühmten Goldenen Phase. Blattgold, ornamentale Flächen und byzantinisch inspirierte Mosaikstrukturen lassen den Körper Adeles fast mit dem Hintergrund verschmelzen. Nur Gesicht und Hände treten fast verletzlich aus der Ornamentik hervor. Gold macht Adele sichtbar – und entrückt sie zugleich der gewöhnlichen Welt. Nach ihrem Tod sollte das Gemälde durch seine Geschichte noch weit tiefere Bedeuteung erhalten.&nbsp;</p>
<h4 style="font-weight: 400;">Maria Altmann und ihre Tante Adele</h4>
<p style="font-weight: 400;">Adele starb 1925 an einer Meningitis. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 musste ihr Mann Ferdinand fliehen. Sein Besitz wurde enteignet, geraubt. Auch die Klimt-Gemälde seiner Sammlung. Aus dem „Bildnis Adele Bloch-Bauer I“ wurde die „Frau in Gold“. Der Name der jüdischen Frau auf dem Bild verschwand aus der Wahrnehmung. Das Werk gelangte in die Österreichische Galerie Belvedere und wurde zu einer österreichischen „Mona Lisa“ – zum nationalen Kulturgut.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Geschichte der Familie, der dieses Bild gehört hatte, verlor sich. Ferdinand Bloch-Bauer starb 1945, weitgehend mittellos und ohne eigene Kinder. In seinem Testament setzte er die drei Kinder seines Bruders Gustav als seine Erben ein.[2] Eine von ihnen war Maria Altmann (1916-2011). Nach dem Tod ihrer Schwester stieß Maria auf alte Briefe und Dokumente. Ihr wurde immer bewusster, dass das berühmte Klimt-Gemälde im Wiener Belvedere nicht rechtmäßig in den Besitz Österreichs gelangt war – und dass ihre Familie rechtmäßig Anspruch auf das Bild und weitere Werke Gustav Klimts haben könnte. Sie beschloss, die Werke zurückzufordern.</p>
<p style="font-weight: 400;">Maria war nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten mit ihrem Mann im letzten Moment aus Österreich in die USA geflohen. In Los Angeles führte sie später ein zurückgezogenes Leben. Doch die Erinnerungen blieben. Sie erinnerte sich an die zurückgelassene Familie, an die Wohnungen, an Gespräche und Musikabende – und an das goldene Bild ihrer Tante Adele. V.a. aber begleitete sie der Abschied von ihrem Vater ein Leben lang: Sein letzter Wunsch an sie lautete, sie möge ihn niemals vergessen. Daher war das Gemälde für Maria Altmann nie nur ein großes Kunstwerk. Wenn andere Menschen vor Klimts goldenem Porträt standen, sahen sie einen Schatz der Wiener Moderne. Sie sahen Gold, Schönheit und den ungeheuren materiellen Wert. Maria sah ihre Tante, ihre Familie, die heile Welt ihrer Kindheit wieder. Sie sah das Leben, das ihnen genommen worden war.</p>
<h4 style="font-weight: 400;">Die Frau in Gold wird das teuerste Gemälde der Welt</h4>
<p style="font-weight: 400;">Es schien zunächst wie aussichtslos. Auf der einen Seite stand eine alte Frau aus Los Angeles. Auf der anderen Seite stand die Republik Österreich – und ein Gemälde, das als österreichischer Nationalschatz galt. Doch Maria Altmann gab nicht auf. Mit ihrem Anwalt führte sie einen jahrelangen Rechtsstreit, der schließlich bis vor den Supreme Court der Vereinigten Staaten gelangte. Danach folgte ein Schiedsverfahren in Wien. Maria Altmann bekam am Ende Recht. 2006 wurden fünf Klimt-Gemälde an sie restituiert, darunter das berühmte Porträt Adele Bloch-Bauers.[3]</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Rückgabe konnte weder die Ermordeten zurückbringen noch die Flucht ungeschehen machen. Sie konnte verlorene Jahre, zerstörte Familien und die Erfahrung des Holocaust nicht heilen. Aber sie gab Maria etwas zurück, das für sie fast ebenso wichtig war wie das Bild selbst: die öffentliche Anerkennung, dass ihrer Familie Unrecht geschehen war. Das Gold hatte damit &nbsp;seine Bedeutung verändert. Aus einem Symbol des Wohlstands der Wiener Moderne war ein Symbol der Restitution geworden. Und aus dem Bild einer einzelnen Frau wurde eine Geschichte über Erinnerung, Verlust und Gerechtigkeit. Die Erben verkauften die restituierten Gemälde anschließend. Ronald Lauder erwarb das „Bildnis Adele Bloch-Bauer I“ für die Neue Galerie in New York für damals spektakuläre 135 Millionen US-Dollar. Für einige Zeit galt es damit 2006 als das teuerste Gemälde der Welt. Dort ist es bis heute zu sehen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Sein Wert war nicht nur Leinwand, Farbe und Blattgold. Mit dem Bild verbunden war inzwischen ein Narrativ, das weit über seine kunsthistorische Bedeutung hinausging: die Geschichte einer jüdischen Familie im Wien der Moderne, die Geschichte nationalsozialistischer Enteignung, die Geschichte von Flucht und Verlust – und schließlich die Geschichte einer alten Frau, die sich weigerte, das Unrecht hinzunehmen.</p>
<h4>Wo verweist Gold auf das, was durch unser Leben sichtbar wird?</h4>
<p style="font-weight: 400;">Maria Altmann starb 2011. Ein Teil ihres Vermögens floss anschließend in gemeinnützige Zwecke, darunter Projekte zur Förderung von Kunst und Kultur, zur Erinnerung der Schoah und zur Unterstützung von Holocaust-Überlebenden. Vielleicht schließt sich damit der Kreis. Gold reflektiert. Bei Baselitz reflektiert es am Ende eines Lebens die Liebe, das Altern und die Frage nach dem, was bleibt. Bei Gustav Klimt reflektiert es zunächst Schönheit, gesellschaftliche Stellung und den Glanz der Wiener Moderne. Und im Bild Adele Bloch-Bauers reflektiert es schließlich etwas viel Größeres: eine Familie, die ausgelöscht und vertrieben werden sollte, eine Erinnerung, die dennoch überlebte, und eine Frau, die sich die Deutung ihrer eigenen Geschichte zurückholte.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wo ist unser heiliges Gold, das durch uns, unser Leben, unsere Geschichte hindurch scheint? Nicht das Gold, das wir materiell besitzen, sondern das, was in uns und durch uns sichtbar werden darf. Welche Menschen, Beziehungen, Erinnerungen und Überzeugungen reflektieren uns letztlich den Wert in unserem Leben? Und wo erlauben wir uns selbst, sichtbar zu werden und unseren Platz in der Welt einzunehmen? Gold reflektiert. Vielleicht sollten wir deshalb weniger danach fragen, wie viel etwas wert ist, und häufiger danach, was durch uns zum Leuchten kommt. Am Ende bleibt doch nicht, wie viel Raum wir besessen haben – sondern wem wir Raum gegeben haben, was wir sichtbar gemacht haben und welche Geschichte durch unser Leben weitergetragen wird. Das Gold des eigenen Lebens.</p>
<p>&nbsp;</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h4 style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[1] „Georg Baselitz: Eroi d’Oro“, Fondazione Giorgio Cini, Venedig, 2026, während der Biennale gezeigt. Danke an Andreas und Susanne Pitz für die Inspiration.</h4>
<h4 style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[2] Die beiden Ehepaare Bloch-Bauer waren in der Wiener Zeit außergewöhnlich eng miteinander verbunden: Zwei der Söhne des jüdischen Zuckerindustriellen David Bloch (um 1819-1892) – Gustav (1862-1938) und Ferdinand Bloch (1864-1945) –&nbsp; heirateten die beiden Töchter des deutschstämmigen jüdischen Direktors des Wiener Bankvereins Moritz Bauer (1840-1905) – Therese (1874-1961) und Adele Bauer (1881-1925). Beide Brüder änderten 1917 ihre Familiennamen in Bloch-Bauer. Die Paare wohnten in zwei aneinander grenzenden herrschaftlichen Gebäuden in der Elisabethenstraße 18 und 20.</h4>
<h4 style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[3] Der Restitutionsstreit wurde 2015 im Spielfilm „Die Frau in Gold“ von Regisseur Simon Curtis mit Helen Mirren als Maria Altmann aufgegriffen.</h4></div>
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		<title>Gesund führen: Verbundenheit und Autonomie</title>
		<link>https://krankenhausberater.de/impuls/news/gesund-fuehren-verbundenheit-und-autonomie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elke &#38; Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 08:15:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Impulsgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Ort, der aus heutiger Sicht nicht von den besten äußeren Bedingungen geprägt war, fühlte sich in der Kindheit doch wie Freiheit an. Denn er verkörperte Verbundenheit und Autonomie...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/gesund-fuehren-verbundenheit-und-autonomie/">Gesund führen: Verbundenheit und Autonomie</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Catherin erinnert sich noch an den Geruch von staubigem Stroh, an warme Sommerluft und an das Schnauben der Ponys im Halbdunkel der Ställe. Jahr für Jahr verbrachte sie ihre Ferien auf diesem Ponyhof – einem Ort, der aus heutiger Sicht von Rauheit und Enge geprägt war und sich für sie als Kind doch wie Freiheit anfühlte.</strong></p>
<p style="font-weight: 400;" data-start="314" data-end="660"><em>Fünfundzwanzig Ponys standen dort, in Ständern in Ställen angebunden, die ihnen kaum Raum ließen, sich zu drehen, geschweige denn sich entspannt hinzulegen. Sie bekamen Stroh zu fressen, kein duftendes Heu, keine Mineralstoffe, nichts, was man heute als artgerecht bezeichnen würde. Und doch – in Catherins Erinnerung – waren sie freundlich, offen und geduldig. In jeden Ferien kamen Kinder, suchten sich „ihr“ Pony aus, strichen über weiche Nasen, flochten Mähnen, flüsterten Geheimnisse. Für eine Woche oder zwei entstand eine zarte Verbindung. Zweimal täglich ritten sie kurz aus – auch ohne Reitschuhe, ohne Sattel, ohne Druck. Es ging nicht um Leistung, nicht um Technik. Es ging um das Gefühl von Bewegung, um das leise Einverständnis zwischen Kind und Tier. Die Ponys trugen sie – ruhig, verlässlich, als wäre das völlig natürlich. Die Kinder erlebten Freiheit und das Glück der Erde auf den Rücken der Pferde.</em></p>
<p style="font-weight: 400;" data-start="1141" data-end="1447"><em>Nach Monaten ohne frisches Gras durften die Ponys am Ende der Sommerferien dann wochenlang auf die Weide. Man hätte erwarten können, dass ihre Körper rebellieren. Dass sie krank werden, lahmen, Koliken bekommen. Doch nein. Sie blieben gesund. Unerschütterlich.</em></p>
<h4 style="font-weight: 400;" data-start="1141" data-end="1447">Wie ist das zu erklären?</h4>
<p data-start="1449" data-end="1515"><em>Als Kind hinterfragte Catherin das nicht. Es war ihre Welt. Erst als Erwachsene, viele Jahre später, begann sich ein Unbehagen in die Erinnerungen zu mischen. In modernen Reitställen erlebte sie ein Kontrastprogramm: Trotz akkuratem Futtermanagement und hellen, geräumigen Boxen, mit geschniegelt gepflegten und medizinisch gut versorgten Sportpferden, sah sie Nervosität, angespannte Muskeln, Krankheiten, die sie auf dem Ponyhof nie wahrgenommen hatte. Und plötzlich stand diese rätselhafte Frage im Raum: Wie konnten die Ponys damals – unter so schlechten Haltungsbedingungen – so gesund gewesen sein? Die Antwort fand sie nicht plötzlich, sondern sie schälte sich nach und nach heraus: Die Ponys hatten etwas gehabt, das vielen Pferden heute fehlt. Sie lebten in einer konstanten, stabilen Herde. Keine täglichen Wechsel, kein Herausreißen, kein ständiges Neuordnen sozialer Beziehungen. Sie mussten sich nicht beweisen, nicht funktionieren. Sie wurden nicht trainiert, nicht korrigiert, nicht überfordert. Die Kinder, die sie ritten, wollten von ihnen nichts außer Nähe und schöne gemeinsame Zeit.</em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Und da war der Bauer. Es war eine andere Zeit. Er war ein einfacher gradliniger Mann, der 24/7 arbeitete, der vielleicht nie gelernt hatte, was gute Tierhaltung bedeutet – und der doch seine Tiere liebte. Ungekünstelt. Wahrhaftig. Seine Wertschätzung lag in der Luft, still und selbstverständlich. So entstand etwas ganz Paradoxes: Inmitten äußerlich mangelhafter Umstände war innere Zufriedenheit. Die Ponys waren psychisch stabil. Sie lebten in Sicherheit, ohne dauerhaften Stress. Und vielleicht war genau das der unsichtbare Schutz, der sie so widerstandsfähig machte.</em></p>
<h4 style="font-weight: 400;">Was wir in all unserem Wissen über gute äußere Bedingungen scheinbar vergessen haben&#8230;.</h4>
<p style="font-weight: 400;" data-start="3112" data-end="3365">Heute kennt Catherin aus beruflichen Gründen viele Pferde – viele perfekt versorgt, optimal gefüttert und medizinisch betreut. Und doch sind sie oft angespannt, empfindlich, entwickeln Krankheiten, die nicht allein körperlich erklärbar sind. Sie leben in einer Welt voller Unruhe. Ungeduldige Menschen. Hektische Abläufe. Ständiger Druck, Erwartungen. Zu wenig echte Zugehörigkeit, zu wenig Sicherheit. Zu selten das Gefühl, fester Teil einer stabilen Gemeinschaft zu sein. Und manchmal denkt Catherin zurück an die genügsamen Ponys ihrer Kindheit – an ihre freundlichen Augen. Und weiß insgeheim, dass Gesundheit tief in der Seele beginnt: dort wo ein Wesen sich sicher, in seiner Herde zuhause und gesehen fühlt.</p>
<p style="font-weight: 400;" data-start="3112" data-end="3365">Wenn das Leben von Liebe getragen ist, braucht es offenbar nicht so viel, um sich gesund zu entwickeln. Hier kommt zusammen, was Gerald Hüter, das &#8222;Lebensgefühl der Liebe&#8220; nennt: sich zugleich <span style="font-size: 18px; background-color: #ffffff;">in der Sicherheit einer verlässlichen Herde verbunden sowie frei und autonom in seiner individuellen Einzigartigkeit gesehen zu fühlen. Und so können wir heute von dem einfachen gutherzigen Bauern viel über die Essenz gesunder Führung lernen.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"></p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[1] Frei ausgeschmückt nach einem Instagram-Blogbeitrag von Catherin Seib vom 11.9.2025 auf &#8222;Pferde verstehen&#8220;, vgl. <a href="https://www.instagram.com/p/DOc3_dwDUKa/">https://www.instagram.com/p/DOc3_dwDUKa/</a> [zuletzt abgerufen am 30.4.2026].&nbsp;</p></div>
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<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/gesund-fuehren-verbundenheit-und-autonomie/">Gesund führen: Verbundenheit und Autonomie</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Klapperschlangen: Die innere Haltung prägt die Beziehung</title>
		<link>https://krankenhausberater.de/impuls/news/klapperschlangen-die-innere-haltung-praegt-die-beziehung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elke &#38; Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 20:32:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Impulsgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Viele Menschen fürchten Klapperschlangen. Manche sagen, Klapperschlangen können sehr gut spüren, was ein Mensch denkt und fühlt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/klapperschlangen-die-innere-haltung-praegt-die-beziehung/">Klapperschlangen: Die innere Haltung prägt die Beziehung</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Klapperschlangen haben auffällige Augen und giftige Zähne. Viele Menschen finden sie unheimlich und gefährlich. Manche sagen, Klapperschlangen könnten sehr gut spüren, was ein Mensch denkt und fühlt. Entspannte emotionale Präsenz in einer positiven Haltung ist da ein Schlüssel zu einer guten unsichtbaren Verbindung.</strong></p>
<p>Ein Goldsucher erzählte dem Vorreiter der Tierkommunikation <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/regenwuermer-inbegriff-von-selbstlosigkeit-und-ausdauer/">J. Allen Boone&nbsp;</a>(1882-1965) einmal etwas Merkwürdiges.[1] Er sagte: Klapperschlangen beißen nur sehr selten Indigene. Weiße Menschen beißen sie hingegen oft. Warum das so ist, wusste er nicht. Boone interessierte sich dafür und befragte viele Schlangenexperten. Viele bestätigten, dass Indigene und Klapperschlangen in Wüsten, Prärien und Bergen in friedlich Koexistenz miteinander lebten. Doch niemand hatte eine gute Erklärung, warum dann weiße Menschen häufig von den Giftschlangen gebissen wurden.</p>
<h3>Durch innere Haltung Konkurrenz oder Harmonie säen</h3>
<p>Boone legte sich schließlich einen Schluss zurecht: Unsere innere Haltung geht uns immer voraus. Unsere Gedanken, Gefühle und Absichten senden wir unbewusst energetisch aus. Manche Tiere, besonders Schlangen, scheinen dafür sehr empfänglich zu sein. Sie spüren, ob ihnen ein Mensch freundlich oder feindlich gesinnt begegnet. Dann entscheiden sie, wie sie reagieren. Sehen sie den Menschen als Freund oder als Gefahr?</p>
<p>Viele weiße Menschen sind in Angst vor tödlichen Schlangenbissen erzogen worden. Alarmiert wollen sie darum Schlangen bekämpfen. Die Giftschlange nimmt die feindliche Gesinnung wahr. So entsteht, zuerst im Denken und Fühlen, noch bevor jemand handelt, ein Konflikt, der in einer Teufelsspirale der Angst tödlich eskaliert. Die Schlange fühlt sich bedroht und reagiert ebenso aggressiv. Am Ende stirbt entweder die Schlange durch eine Waffe oder der Mensch durch einen Biss.</p>
<p>Der Indigene lebt anders. Er fühlt sich verbunden mit dem, was er den „großen Geist“ nennt. Damit meint er die Kraft, aus der alles Leben entsteht und die alles miteinander verbindet. Er sieht sich selbst als Teil der großen Gemeinschaft allen Lebens. So betrachtet er die Schlange als Mitgeschöpf, das genauso ein Recht auf Leben, Freiheit und Respekt verdient wie er selbst. Durch diese Haltung stellt er eine harmonische Beziehung her: Zwischen Indigenem und Schlange gibt es keine Angst und keine Feindseligkeit. Wenn sie sich begegnen, bleiben beide stehen. Im Moment der Ruhe scheinen sie miteinander zu kommunizieren. Sie senden sich keine Drohung, sondern Freundlichkeit. Dann gehen sie weiter. So lehren uns Schlagen, dass eine Beziehung maßgeblich durch die innere Haltung geprägt wird, lange bevor sie sich in Verhalten sichtbar spiegelt.[2]</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Die Frau ohne Angst: Grace O. Wiley</h3>
<p>Was Naturvölkern selbstverständlich ist, konnte später bei Grace O. Wiley (1883–1948) bewundert werden. Die sanfte selbstbestimmte Frau arbeitete und lebte viele Jahre als Schlangenforscherin mit hunderten von Giftschlangen. Grace liebte die Schlangen, auch die besonders giftigen: Klapperschlangen, bis 7,5 Meter lange Königskobras, andere Kobras, Vipern, Mambas, Tigerschlangen und viele weitere Arten. Sie trug keine Schutzkleidung, nutzte kaum Hilfsmittel und fasste die Schlangen oft mit bloßen Händen an. Deshalb wurde sie die <em>Frau ohne Angst</em> genannt. Kollegen fanden ihr Verhalten oft unvorsichtig. Trotzdem: Grace war sehr erfolgreich. Sie war die erste Person, der es gelang, Klapperschlangen in Gefangenschaft zu züchten. So konnte die Forschung wirksame Gegengifte gegen Schlangenbisse entwickeln.</p>
<p>Außerdem arbeitete Grace als Tiertrainerin und Beraterin für Filme wie <em>Tarzan</em> und <em>Das Dschungelbuch</em>. Menschen aus der ganzen Welt besuchten sie in ihrem <em>Zoo for Happiness</em> in Kalifornien. Dort konnten sie sehen, wie sie mit Schlangen umging. Unter ihrer Aufsicht durften Besucher die Tiere sogar anfassen. In ihren Vorträgen erklärte Grace, wie faszinierend Schlangen sind, wenn man ihnen mit Ruhe und Respekt begegnet. Sie sagte, dass Schlangen nur angreifen, wenn sie sich bedroht fühlen, erschreckt werden oder verletzt sind. Eindrucksvoll waren ihre Vorführungen im so g. Besänftigungsraum. Ein leerer Raum mit kahlen Wänden und einem massiven Tisch in der Mitte. Ausgewählte Zuschauer konnten sie dort bei ihren Besänftigungen durch eine Glasscheibe in der Tür beobachten.</p>
<h3>Graces Schlangen-Besänftigungen</h3>
<p>Der Ablauf mit Klapperschlangen war immer gleich: <em>Grace betrat ruhig den Raum und stellte sich still ans Ende des Tisches. In jeder Hand hielt sie einen langen Stock. Einer hatte ein kleines Netz, um den Kopf der Schlange auf Abstand zu halten. Der andere war mit weichem Stoff umwickelt, um den Körper der Schlange zu streicheln. Die Schlange befand sich in einer Kiste auf dem Tisch. Auf Graces Zeichen hin wurde der Deckel geöffnet. Die Schlange glitt heraus und rollte sich zusammen, bereit zur Verteidigung. Ihr Kopf bewegte sich hektisch umher, der Schwanz machte laut klappernde Warngeräusche. In dem kahlen Raum bewegte sich sonst nichts. Grace stand völlig still und schaute die Schlange ruhig an. Von außen sah es so aus, als würde nichts weiter passieren. Grace bewegte sich nicht. Die Schlange griff nicht an.</em></p>
<p><em>Doch Grace begann bereits Kontakt aufzunehmen. Sie sprach in Gedanken mit der Schlange. Sie zeigte ihr dabei respektvoll Bewunderung, Freundlichkeit und Ruhe. Denn Grace war überzeugt, dass alle Wesen auf ehrliche liebevolle Zuwendung reagieren. Sie lobte die Schlange für ihre tollen Eigenschaften und vermittelte ihr in ihrer telepathischen Weise ganz ohne Worte und Gesten, dass keine Gefahr bestand und dass sie in diesem neuen Zuhause von Herzen willkommen war.</em></p>
<p><em>Mit der Zeit veränderte sich das Verhalten der Schlange. Sie reagierte auf die ruhige, freundliche Haltung. Der Schwanz bewegte sich langsamer. Der Kopf hörte auf, sich zu drehen. Die Schlange schaute Grace an. Grace begann leise zu sprechen. Die Schlange streckte sich langsam in ihrer ganzen Länge aus und legte ihren Kopf vor Grace auf den Tisch. Erst jetzt bewegte sich Grace. Sie streichelte die Schlange zuerst mit dem Stock, später mit ihren Händen. Die Schlange krümmte dabei ihren Körper, ähnlich wie eine Katze beim Streicheln.</em></p>
<h3>Tragische Umstände<em></em></h3>
<p>Grace glaubte, dass man aus jedem giftigen Wesen Gutes hervorholen könne. Man müsse ihm dazu wahrhaftig mit ruhigem Verständnis, Freundlichkeit und Liebe begegnen.</p>
<p>Trotzdem starb sie schließlich unter tragischen Umständen. Die Herpetologin posierte für einen Fotografen mit einer indischen Kobra <span>(auch Brillenschlange oder Naja naja genannt) </span>aus ihrer Sammlung. Der Blitz der Kamera erschreckte die Schlange. Grace hielt geistesgegenwärtig einen Schlangenangriff vom Fotografen ab, wurde dabei aber selbst gebissen. Sie ließ sich sofort in die Klinik bringen. Dort gab es jedoch kein spezielles Antiserum mehr gegen Kobra-Gift, sondern nur gegen gängigere Schlangenbisse. Weniger als zwei Stunden nach dem Biss starb Grace O. Wiley.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[1] Vgl. J. Allen Boone (2013): Die große Gemeinschaft der Schöpfung, 4. Auflage, S. 92-102.</p>
<p style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[2] Dass Auswirkung der positiven menschlichen Haltung sich nicht auf Klapperschlangen begrenzt, sondern alles Lebendige umfasst, erforscht in heutiger Zeit auch die <strong><a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/glueckstagebuch-achtsam-den-tag-beenden/">Positive Psychologie</a></strong>.</p>
<p style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">Schon der Volksmund kennt die Lebensweisheiten „Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus.“ und „Man erntet, was man sät.“ Wie groß der Einfluss von unserem Verhalten und mehr noch von unserer Haltung gegenüber der ganzen beseelten Umwelt ist, dürfen wir uns im Kleinen und im Großen immer wieder bewusst machen. Und wenn Freundlichkeit, doch einmal nicht mit Freundlichkeit quittiert wird, so zeigt dies doch nur, dass offensichtlich andere Umfeldfaktoren bis hin zu alten Verletzungen gerade starke Einwirkung haben.</p></div>
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<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/klapperschlangen-die-innere-haltung-praegt-die-beziehung/">Klapperschlangen: Die innere Haltung prägt die Beziehung</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
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		<title>Der Wolf und die sieben Giräfflein: Grimms Märchen neu erzählt</title>
		<link>https://krankenhausberater.de/impuls/news/der-wolf-und-die-sieben-giraefflein-grimms-maerchen-neu-erzaehlt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elke &#38; Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 11:53:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Impulsgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Grimms Märchen zeugen von der autoritären Erziehung von Kindern, damit sie gehorsam vorgegebenen Regeln folgen. Doch es geht auch anders...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/der-wolf-und-die-sieben-giraefflein-grimms-maerchen-neu-erzaehlt/">Der Wolf und die sieben Giräfflein: Grimms Märchen neu erzählt</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
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				<div class="et_pb_text_inner"><p style="text-align: justify;"><strong><a href="https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/der_wolf_und_die_sieben_jungen_geisslein">Der Wolf und die sieben Geißlein</a> ist ein bekanntes Kindermärchen aus der Sammlung der Gebrüder Grimm. Gerade die Grimmschen Märchen sind ein deutsches Kulturgut, das von der traditionellen Abschreckungspädagogik zur moralischen Erziehung von Kindern zeugt. Durch ihre <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/rashomon-wie-motive-unsere-wahrnehmung-praegen/">Narrative</a> vermitteln diese Märchen, dass Kinder sich gehorsam an die Weisungen der Eltern halten müssen, wollen sie in einer gefährlichen Welt bestehen. Dabei geht es auch ganz anders: Der GFK-Trainer Johannes Henn hat das alte Märchen unter dem Titel &#8222;Der Wolf und die sieben Giräfflein&#8220;[1] neu erzählt:</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong></strong></p>
<h2 style="text-align: justify;"><a name="_Toc214404996"></a><a name="_Toc214404993"></a>Der Wolf und die sieben Giräfflein</h2>
<p style="text-align: justify;"><em>Es war einmal eine weise Muttergiraffe, die hatte sieben Girafflein, und die hatte sie lieb, wie eine Mutter ihre Kinder lieb hat. Einmal wollte sie Besorgungen im Wald machen und die Kinder das erste Mal allein zu Hause lassen. Sie rief alle sieben herbei und sprach: „Kinder, ich bin heute unterwegs. Seid ihr nur gut auf der Hut und lasst niemanden ins Haus. Wenn der Wolf ins Haus kommt, kann er euch mit Haut und Haar verschlingen. Er verstellt sich oft, aber an seiner Sprache mit Forderungen, Bedrohungen und Urteilen könnt ihr ihn erkennen.“ Die Giräfflein versicherten, achtsam zu sein: „Du kannst ohne Sorge gehen, wir sind schon groß.“ Da nickte die Muttergiraffe und machte sich auf den Weg.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Es dauerte nicht lange, bis jemand an die Tür klopfte und rief: „Macht auf, Kinder, eure Mutter ist schon wieder da.“ Aber die Giräfflein wussten, dass ihre Mutter so nicht redete und antworteten: „Nein. Wir machen nicht auf. Du bist nicht unsere Giraffenmama. Unsere Mutter redet gewaltfrei, du aber hast eine Forderung gestellt. Du redest wie ein Wolf.“ Da ging der Wolf und machte online einen Crashkurs in Giraffensprache. So lernte er schnell die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation (GFK), was seine Sprache sofort viel weicher machte.</em></p>
<h4 style="text-align: justify;">Forderungen, Drohungen, Urteile&nbsp;<em></em></h4>
<p style="text-align: justify;"><em>Dann kehrte er zurück zum Giraffenhaus, klopfte an die Tür und rief: „Liebe Kinder, eure Mutter ist vollbeladen wieder da, müde von der Reise. Macht bitte auf. Dann will ich jedem von euch eine kleine Freude machen.&#8220; Die Kinder sagten: „Nein, wir glauben dir nicht, dass du unsere Mutter bist. Du sprichst wie eine Giraffe, aber wir glauben im Inneren bist du gar keine. Unsere Mama gibt uns Einfühlung und ihre Bitten fühlen sich nicht bedrohlich an, sondern offen und von Herzen.“ Erneut zog der Wolf davon und setzte sich nochmal an seinen Online-Kurs, um Einfühlung zu lernen. Die Übungen erweichten sein Herz und er besorgte sich prompt noch sieben Kraftsteine in Herzform, die er den kleinen Girafflein schenken wollte.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Nun lief der Wolf zum dritten Mal zur Tür, klopfte und sprach: „Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem was Schönes mitgebracht. Ich bin voll in der Liebe, eine echte Giraffe. Macht ihr mir bitte auf?“ Die Kinder sagten: „Wir wollen erst ganz sicher sein, dass du kein Wolf bist. Sag uns bitte den Schlüsselunterschied zwischen Werturteil und moralischem Urteil.“ Das wusste der Wolf nicht, aber da er jetzt empathische Vermutungen formulieren konnte, sagte er: „Kinder, habt ihr Angst vor dem bösen Wolf, und braucht Vertrauen, dass ich wirklich eine Giraffe bin?“„Ja!“, riefen die Kinder und öffneten die Tür. Wie erschrocken waren sie, als sie merkten, wen sie da herein gelassen hatten.</em></p>
<h4 style="text-align: justify;">Giraffe und Wolf<em></em></h4>
<p style="text-align: justify;"><em>Als der Wolf sein Maul aufsperrte, sagte die kleinste Giraffe: „Oh, Wolf, was hast du für ein großes Maul! Willst du uns jetzt alle verschlingen? Hattest du nicht gesagt, dass du uns allen etwas mitgebracht hast?“ Da erinnerte sich der Wolf an seine Einfühlungsübungen und die Kraftsteine für die Girafflein und fühlte sich auf einmal anders. In dem Moment geschah der Wandel: Er wurde voller Mitgefühl. Statt die Kleinen zu fressen, verband er sich mit ihnen als Freund. Bald schon gaben sie sich gegenseitig Einfühlung, machten GFK-Tanzparkette und öffneten sich einem tiefen Prozess gegenseitiger Verbindung bis sie müde wurden und ein Girafflein nach dem anderen eindöste.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Wie erschauerte die Mutter, als sie nach Hause kam und die Tür noch offen war. Sie fürchtete schon, einen schnarchenden Wolf zu finden, der alle ihre Girafflein verschlungen hatte. Sie müsste sicherlich zum Äußersten greifen und ihm den Bauch aufschneiden, um ihre Kinder zu befreien. Doch nein. Die Girafflein lagen versöhnlich um den Wolf herum. Unendlich erleichtert nach dem Schrecken und stolz auf ihren Giraffennachwuchs nahm sie ein Kind nach dem Anderen in ihre Arme und gab jedem einem dicken Kuss. Dem Wolf aber dankte sie aufrichtig für seine Unterstützung und feierte mit ihm noch lange ihre neue Freundschaft und Lebendigkeit.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em></em></p>
<h2>Wie stehen Sie zu alten Märchen?</h2>
<p style="text-align: justify;">Das zugrunde liegende Märchen &#8222;<strong><a href="https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/der_wolf_und_die_sieben_jungen_geisslein">Der Wolf und die sieben Geißlein&#8220;</a> </strong>der Gebrüder Grimm ist gewaltvoller und mehr an Gehorsam als an Lernprozessen der Kinder orientiert. Die neu erzählte Version mit den Giräfflein ist empathischer und in ihrer Weltsicht differenzierter. Doch beide Varianten verbildlichen <span style="background-color: #ffffff; font-size: 16px;">Warnung vor Gefahren, </span><span style="font-size: 16px;">Ängste von Kindern, familiären Zusammenhalt. Als die Mutter unterwegs ist, sind die Kinder erstmals alleine zuhause. Sie halten wegen der ausdrücklichen Warnungen der Mutter den anklopfenden Täuschungen des Wolfes zweimal stand. Grimms Märchen hat klar die Funktion zu zeigen, dass Kinder sich in Gefahr bringen, wenn sie nicht die Regeln der Eltern befolgen. Denn in ihrer Autorität kennen diese äußere Gefahren. Die Geißleins sind abhängig vom Schutz der Mutter und der Sicherheit des Zuhauses. </span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 16px;">Im Märchen mit den </span><a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/biografiearbeit-in-zyklen-von-7-jahre-und-die-7-stufen-der-moral/" style="font-size: 16px;">sieben</a><span style="font-size: 16px;"> Geißlein steht der Wolf für die Angst vor Trennung und Bedrohung. </span>Die Geißlein beachten die Anweisungen, sind aber nicht erfahren genug, den Wolf auch im dritten Anlauf zu enttarnen und lassen ihn ein. So wird die Mutter zur Retterin. Sie befreit und sorgt für Gerechtigkeit. Märchen vermitteln hier eine <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/10-das-spannungsfeld-im-dualismus/">klare Wertorientierung von<span>&nbsp;</span>Gut und Böse</a>. Die Mutter ist gut und verdient Ehre. Der Wolf ist böse und verdient Strafe. Belohnung und Bestrafung stiften emotionale Stabilität. So vermittelt sich ein Gerechtigkeitsgefühl und Vertrauen in das Gute. Doch wirken Märchen wortwörtlich genommen heute v.a. in ihrer drastischen Brutalität nicht kindgerecht: Der Wolf verschlingt die Geißlein mit Haut und Haar. Die Mutter schneidet ihm den Bauch auf, holt die Kinder heraus, legt schwere Steine hinein. Damit stürzt der Wolf in den Brunnen und ertrinkt.</p>
<h2>Verborgene Erzählebene von Märchen</h2>
<p style="text-align: justify;">Märchen sind also Lehrgeschichten für Kinder. Und doch sind sie nicht einfach Kindergeschichten. Was Märchen für Erwachsene interessant macht, ist, dass ihnen neben der direkten Bedeutungsebene eine zweite psychologische Erzählebene innerseelischer Prozesse in Form von Bildern innewohnt.[2] Insofern sind sie auch Schlüssel zum Unbewussten. Die Symbole tragen Botschaften über Seelenanteile in sich und über Gefahren zur Reifung der Seele. Diese Innenorientierung wurde in außenorientierten Dominanzsystemen unterdrückt. Doch die Ebenen verschmelzen und erklären, warum Märchen seit Jahrhunderten wirken: Sie sprechen die Seele auf einer präverbalen, symbolischen, kollektiv geteilten Ebene an. Jede Figur, jedes Motiv und jede Handlung erzählen davon.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Wolf als Archetyp, als Urbild äußerer Gefahr, [3] will als Angst und Schattenaspekt ins Innere eindringen. Dazu täuscht und überfällt er mit falschen Worten und Erscheinungen. Angst raubt und verschlingt das Selbst, statt es zu nähren. Daher warnt die Mutter vor der Gefahr und lehrt die Kinder die Zeichen, woran sie den Wolf erkennen werden. Das Alleinsein im Elternhaus markiert einen Übergang ins Erwachsenenleben, wobei die Kinder noch nicht in den Wald gehen und die geschützte Welt der Kindheit verlassen. Dem Wolf gelingt durch die unschuldige Offenheit der Kinder das Eindringen. Die Geißlein erleben Tod und Wiedergeburt im Bauch des Wolfes. Die Seele wird verschlungen, aber sie kann nicht ausgelöscht werden. Verletzungen der Seele können wieder geheilt werden. Der Wolf wird mit Steinen gefüllt und verliert – versteinert – endgültig alle Macht.[4]</p>
<h2>Moderne Kinderbuchgeschichten</h2>
<p style="text-align: justify;">Geschichten, mit denen sich Kinder in jungen Jahren auseinandersetzen, prägen unbewusst. Wir kommen gar nicht auf die Idee, unsere Kindheitswahrheiten ohne Anlass zu hinterfragen. Insofern stärkten Märchen auch gewisse Indoktrinationen. Moralische Erziehung zum Gehorsam wird in Dominanzsystemen durch Regeln und Normen gemacht, statt dass Individuen ihre Gewissensentscheidungen mit ihren inneren Instanzen entwickeln. So findet Erziehung zum Funktionieren und zur Abhängigkeit statt. Menschen werden nicht in ihrer Menschlichkeit gesehen. Autoritäten setzen die Regeln, statt dass Regeln gemeinsam aufgestellt werden ohne Einzelne dabei zu übergehen und dadurch von allen auch mit Überzeugung umgesetzt werden. Und durch Definition von Pflicht, Strafe und Belohnung, Schuld und Scham halten sie ihre Macht über andere aufrecht.</p>
<p style="text-align: justify;">Regeln werden nicht hinterfragt. Bewusstsein zu ihrer Intention geht immer mehr verloren und Strafe und Lohn werden immer mehr zum Selbstzweck. So wird die Masse an Menschen entmündigt. Die Brutalität der abschreckenden Strafe offenbart die Gewalttätigkeit der Systeme. Moderne Kinderbücher setzen statt auf Brutalität zur Abschreckung auf Dialog und friedliche Konfliktbewältigung. Sie erklären Gefühle, nehmen Selbstwirksamkeit und Reflexion in den Blick statt weiterhin mit Angst, Bedrohung und Konsequenzen zu arbeiten. Das Neuerzählen alter Märchen ist darum nötig, um eine gewaltfreie Variante zu finden. Doch lässt auch das neue Narrativen den Märchen unbeschadet die zweite innerseelische Erzählebene.</p>
<p>.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h4 style="text-align: justify;">[1] Der Text wurde von uns nach der Vorlage von Johannes Henn (2021): Der Wolf und die sieben Giräfflein, in: Empathische Zeit 3/2021, S. 34-35, auf Basis des Märchens der Gebrüder Grimm formuliert.</h4>
<h4 style="text-align: justify;">[2] So etwa Clarissa Pinkola Estés: Die Wolfsfrau, Die Kraft der weiblichen Urinstinkte.&nbsp;</h4>
<h4 style="text-align: justify;">[3] Der Wolf hat sich in der A<span>ußenorientierung verloren und lebt &nbsp;in einem pessimistischen Weltbild der Gewalt. Doch im Kern hat er selbst nur seine Verletzungen, die er &nbsp;nicht versorgen kann und kompensiert und hat die Verbindung zu sich selbst verloren.</span></h4>
<div style="text-align: justify;"></div>
<h4 style="text-align: justify;">[4] Hier gibt es deutliche Parallelen zum griechischen Mythos von Kronos, der seine Kinder frisst und der Göttermutter Rheia, die Kronos einen großen Stein verschlingen lässt. Das vom Wolf gefressen werden, wird z.T. mit der Vaterfigur, insgesamt dem Patriarchat und totem Materialismus identifiziert und als Ödipuskomplex interpretiert.</h4></div>
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<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/der-wolf-und-die-sieben-giraefflein-grimms-maerchen-neu-erzaehlt/">Der Wolf und die sieben Giräfflein: Grimms Märchen neu erzählt</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Die drei magischen Tore: Reise zum Selbst</title>
		<link>https://krankenhausberater.de/impuls/news/die-drei-magischen-tore-reise-zum-selbst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elke &#38; Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Sep 2025 19:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Impulsgeschichten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://krankenhausberater.de/?p=18421</guid>

					<description><![CDATA[<p>Auf dem Weg zum Orakel Uyulála hat Atréju drei Tore zu durchschreiten:  das Große-Rätsel-, das Zauber-Spiegel- und das Ohne-Schlüssel-Tor. Doch wofür stehen sie?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/die-drei-magischen-tore-reise-zum-selbst/">Die drei magischen Tore: Reise zum Selbst</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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				<div class="et_pb_text_inner"><p style="font-weight: 400;"><strong>Drei Tore hat der 10-jährige Atréju in Michael Endes unendlicher Geschichte auf seiner inneren Reise zu durchschreiten auf dem Weg zum Orakel Uyulála: zur stillen Stimme im Inneren, die er befragen will. Erst wenn man durch das erste Felsentor, das Große Rätsel Tor, gelangt ist, ist das zweite Tor, das Zauber Spiegel Tor, da. Erst wenn man durch das zweite Tor gegangen ist, ist das dritte Tor, das Ohne Schlüssel Tor, da. Und die Tore können nicht einfach von außen umgangen werden. Ähnlich wie <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/aktiv-zuhoeren-von-momo-lernen/">Momo</a> ist hält die Geschichte für Erwachsene philosophischen Tiefgang bereit.</strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong></strong></p>
<h2 style="font-weight: 400;">Sich selbst erkennen – sich seiner selbst bewusst werden</h2>
<p style="font-weight: 400;"><em>Atréju hatte sich dem Felsentor bis auf wenige Schritte genähert. Es war viel riesiger, als es aus der Ferne wirkte. Hinter dem Tor lag eine öde Ebene. Vor dem Tore und zwischen den beiden Pfeilern sah Atréju unzählige Schädel und Gerippe. Aber nicht die Knochen ließen Atréju innehalten. Es war der zugleich schöne und zutiefst erschreckende Anblick zweier gewaltiger steinerner Sphinxe &#8211; Mischwesen, vorn menschlich, hinten löwenartig. Der Ausdruck, mit dem sie einander im Mondlicht anblickten, schien sich mit jedem seiner Schritte zu wandeln. Es zuckten Ströme durch sie hindurch, so, als würden sie jeden Augenblick verschwinden und zugleich aus sich selbst heraus neu erschaffen. Dadurch wirkten sie wirklicher als jeder Stein.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Aus der ägyptischen Mythologie heraus fand die Gestalt des Sphinx auch Eingang in die griechische Sage, wie in die Abenteuer des Ödipus, in der sie in der Regel nun geflügelt und weiblich wird. Eine Sphinx verkörpert das Rätselhafte und in ihrer steinernen Gestalt die zeitlose Unendlichkeit. Sie stellt Rätsel, bei denen es um Leben und Tod geht, und ist so auch Torwächterin zu einer höheren Wahrheit. Michael Ende gibt ihr die Funktion, zu prüfen, ob der Mensch wahrhaftig mit sich selbst verbunden ist oder mit seiner Angst. So lässt er die Augen der Sphinx die Rätsel des Lebens und der Existenz aussenden. Doch der Blick einer Sphinx kann nur von einer anderen erwidert werden. Wie sich ein Spiegel im Spiegel unendlich projiziert, projizieren sich im Blickwechsel der Sphinxe die unendlichen Rätsel der Welt. Verfängt sich ein Unglücklicher darin, muss er fortan über alle Rätsel der Welt grübeln.</p>
<h2 style="font-weight: 400;">1. Tor: Großes Rätsel Felsentor</h2>
<p style="font-weight: 400;"><em>Atréju empfand lähmende Angst. Er dachte kaum daran, dass er – falls der Blick der Sphinxe ihn treffen würde – für immer erstarrt bliebe. Nein, es war die unbewusste Angst vor dem Unbegreiflichen, vor der Wirklichkeit des Übermächtigen, die seine Schritte immer schwerer machte, bis er sich wie ganz aus Blei fühlte. Doch er ging weiter. Er blickte nicht mehr empor. Demütig hielt er den Kopf gesenkt. Die Last der Angst wurde immer gewaltiger. Fuß vor Fuß setzend, bewegte er sich weiter auf das Felsentor zu. Er wusste nicht, ob die Sphinxe ihre Augen geschlossen hatten oder nicht. Er musste es darauf ankommen lassen, ob er Zutritt erhalten würde oder ob dies das Ende seiner Suche war.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Ein fester innerer Stand in sich selbst verhindert in schwierigen Situationen letztlich, im Nichts der äußeren Wirklichkeit verloren zu gehen. Und er ermöglicht es, das Wesen des Menschen selbst zu entschlüsseln. </p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Gerade als er glaubte, sein Wille reiche nicht mehr aus, um ihn nur noch einen einzigen Schritt voran zu tragen, hörte er den Widerhall seines Schrittes im Inneren des Felsbogens. Sofort fiel alle Last von ihm ab. Er hatte dem Leben vertraut, seine Angst auf dem Weg durch das erste Tor überwunden und ist auf die tieferen Rätsel seines Seins zugegangen. Nun fühlte er sich, als würde er von nun an nie mehr Angst empfinden, was auch geschehen mochte. Er hob den Kopf und sah, dass das Große Rätsel Tor hinter ihm lag. Die erste Aufgabe hatte er gemeistert. Die Sphinxe hatten ihre Augen geschlossen und ihn passieren lassen.</em></p>
<h2 style="font-weight: 400;">2. Tor: Zauber Spiegel Tor</h2>
<p style="font-weight: 400;"><em>Vor ihm, nur zwanzig Schritte entfernt, stand nun, wo eben noch endlose Ebene gewesen war, das Zauber Spiegel Tor. Es war groß, rund und glänzte wie blankes Silber, war aber weder aus Glas noch aus Metall. Schwer zu glauben, dass man durch diese Fläche hindurchgehen sollte, doch Atréju zögerte nicht. Er rechnete damit, dass sich ihm irgendein Entsetzen erregendes Bild seiner selbst spiegeln würde. Viele sind schon schreiend vor dem Ungeheuer geflohen, das ihnen in dem Spiegel entgegen blickte und brauchten lange davon wieder zu erholen. Doch da er alle Furcht zurückgelassen hatte, schien ihm das kaum noch der Beachtung wert. Statt eines Schreckbildes sah er, worauf er nicht gefasst war: Er erkannte einen dicken blassen Jungen mit großen traurigen Augen – Bastian, sein Ich in der Alltagsrealität.</em><br /><em></em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Mit einem erstaunten Lächeln ging Atréju in sein Spiegelbild hinein. Er war verwundert, dass ihm so leicht gelingen sollte, was anderen unüberwindlich schwer schien. Doch während er hindurchging, fühlte er ein prickelndes Erschauern. Er ahnte nicht, was mit ihm geschehen war. Als er nämlich auf der anderen Seite des Zauber-Spiegel-Tors stand, hatte er jede Erinnerung an sich selbst, an sein Leben, seine Ziele und Absichten vergessen. Er wusste nichts mehr von der Suche, die ihn hierher geführt hatte, und kannte seinen eigenen Namen nicht mehr. Ganz wie ein neugeborenes Kind.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Mit furchtlosem Blick betrachtet er sein Ich im Spiegel, mit all seinem Schmerz, und geht in es hinein. In dem Moment löst sich alles auf, die bisherige <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/hoffmann-oliver-2025/">Erinnerungen</a>, aber auch die Wünsche. Was aber bleibt dann?</p>
<h2 style="font-weight: 400;">3. Tor: Ohne Schlüssel Tor</h2>
<p style="font-weight: 400;"><em>Nur wenige Schritte vor sich lag das Ohne Schlüssel Tor. Aber Atréju erinnerte sich weder an die Bezeichnung noch daran, dass er vorgehabt hatte durchzugehen, um zum Orakel zu kommen. Er wusste nicht, was er da wollte und warum er hier war. Er fühlte sich heiter, lachte ohne Grund, einfach aus Vergnügen. Das Tor war wie eine gewöhnliche Pforte ohne Mauern auf einer weiten Fläche. Der Türflügel war zu. Er war aus einem kupferfarben schimmernden Material und hatte weder Klinke, Türknauf noch Schlüsselloch. Atréju ging um die Pforte herum und betrachtete sie von der Rückseite. Der Anblick war wie von vorn. Offensichtlich war die Tür nicht zu öffnen. Wozu auch, da sie ja nirgendwohin führte und nur einfach so dastand. Atréju wollte sich abwenden. Doch Bastian fieberte mit „Oh, nein! Du musst durch das Tor!“.</em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Atréju wandte sich doch wieder dem Ohne-Schlüssel-Tor zu und betrachtete seinen Schimmer. So stand er bald völlig im Einklang mit sich selbst an der Pforte und strich über das warme Material. Da öffnete sich die Tür einen Spalt. Das Tor reagiert nämlich auf den Willen des Egos. Der macht es unnachgiebig. Je mehr einer hineinwill, desto fester schließt es. Da Atréju ohne Absicht war, öffnete sich ihm die Tür wie von selbst. So konnte er den Kopf durchstrecken und auf die andere Seite sehen. Er zog den Kopf zurück und blickte an der Pforte vorbei: Da war die leere Ebene. Er blickte wieder durch den Türspalt und sah einen langen Säulengang, dahinter Stufen, andere Säulen, Terrassen, Treppen und über allem den Nachthimmel. Atréju trat durch die Pforte und blickte voll Staunen umher. Hinter ihm fiel die Tür ins Schloss.</em><br /><em></em></p>
<p style="font-weight: 400;">Dem absichtslosen Selbst öffnen sich scheinbar verschlossene Türen. Doch ohne den Willen Bastians gibt es keinen Weg zurück.<em></em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em></em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em></em></p>
<h2 style="font-weight: 400;">Atréju und Bastian<em></em></h2>
<p style="font-weight: 400;">Atréju ist die Heldenfigur in Michael Endes unendlicher Geschichte. Er erklärt, dass sein Name sich aus der „Sohn aller“ ableite, da alle Männer und Frauen der Gemeinschaft ihn liebten und gemeinsam aufgezogen hätten. Zugleich leitet sich der Name aus altgriechisch „der Furchtlose“ ab. In fast jeder Hinsicht ist er das Gegenteil von Bastian. Bastian fühlt sich, nachdem seine Mutter gestorben ist und sein Vater sich in sich selbst zurückgezogen hat, als „Sohn niemands“. Er fühlt sich minderwertig, ist schlecht in der Schule, unsportlich, unbeliebt und wird gehänselt. Doch beide 10-jährigen Jungs sind eine Einheit. <strong>Atréjus</strong> manifestiert das <strong>reine Selbst von Bastian</strong>. Während <strong>Bastian</strong> das <strong>Ich/ Ego in der Welt</strong> verkörpert, das seinen Wert im Außen sucht. Um sich selbst zu erfahren, braucht es beides.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Entwicklung Atréjus dient Bastian. Es geht bei der <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/georg-und-cleolinda-der-kampf-mit-dem-drachen/">Heldenreise</a> durch die drei Tore um tiefe Schritte. Tor für Tor kommt Atréju und damit Bastian mehr in die Selbsterfahrung. Dazu gilt es, alle Zweifel und Angst sein zu lassen, die letztlich in die Angst vor dem Tod münden. Ohne Urvertrauen ins Leben kann der Mensch nicht leben und aus der Komfortzone kommen, um seinen Weg zu gehen. Das äußere und innere Spiegelbild sind zwei Gesichter desselben. Man erkennt sich selbst nur, wenn man sich ganz mit allen Seiten annimmt. Dem steht der autonome Wille des Egos manchmal entgegen. Selbsterfahrung ist an das geformte Ego gebunden. Doch nur wenn der Mensch von eigener Wichtigkeit und Bedeutung ablässt, überwindet er alle Hybris, sein Ego und erfährt sich selbst in der Tiefe. </p>
<h2><span>Labyrinth</span></h2>
<div></div>
<p style="font-weight: 400;"><span class="ng-scope">In der unendlichen Geschichte verweben sich Außen und Innen im Erkenntnisprozess, Erleben und Reflexion. Das, wofür wir keine Worte, keinen Ausdruck, haben, wird nicht bewusst in unserer Welt. Michael Ende betrachtet die Fähigkeit, Dinge und Wesen zu benennen als besondere menschliche Begabung. Durch die Benamung holen wir sie aus dem Unbewussten ins Bewusstsein, setzen uns in Beziehung zu ihnen und geben ihnen Bedeutung. Menschen gelingt der Zugang zur Innenschau und Reflexion mehr oder weniger, andere verhaften sich ganz in Rückzug und Weltflucht und verpassen das reale Leben. Aber nur wer zwischen äußerer und innerer Welt hin- und herreist, kann beide Welten verbinden und Selbst-Erkenntnis und einen festen Stand in sich selbst finden.</span></p>
<p style="font-weight: 400;">Die drei magischen Tore auf dem Weg zum Orakel sind mit einem Labyrinth zu vergleichen, das in die eigene Mitte führt. Die Pfade des Lebens sind nie gerade und doch keine Umwege. Das Labyrinth beschreibt die unsichtbare Dimension der Existenz, in die man ab und zu einkehren muss, um zu reflektieren und in der inneren Wirklichkeit sich selbst immer tiefer zu verstehen. Dann kann man mit tieferem Bewusstsein zurückkehren in die äußere Welt und dort die Realität verändern. Sie wenigstens neu sehen, bewerten und erleben. Innere und äußere Welt des Menschen, Bewusstwerdung und Erleben, sind zwei Seiten einer Medaille.</p>
<p style="font-weight: 400;">Für die Reise in die eigene Tiefe hat Michaels Ende unendliche Geschichte drei Schlüsselfragen für uns:</p>
<ul>
<li style="font-weight: 400;">Wie trägt mich mein fester Stand in mir selbst in schwierigen Situationen?</li>
<li style="font-weight: 400;">Mit welchem Blick betrachte ich mich mit all meinen Sonnen- und Schattenseiten?</li>
<li style="font-weight: 400;">Gehe ich meinen wahrhaftigen inneren Weg meiner Freude am Sein?</li>
</ul>
<p style="font-weight: 400;"></p>
<p style="font-weight: 400;"></p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_0">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1040" height="160" src="https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2025/05/Labyrinth.jpg" alt="Teddybär und seine Bedeutung - nicht nur für Kinder" title="Labyrinth" srcset="https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2025/05/Labyrinth.jpg 1040w, https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2025/05/Labyrinth-980x151.jpg 980w, https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2025/05/Labyrinth-480x74.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1040px, 100vw" class="wp-image-18438" /></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h4>[1] &#8222;Erkenne dich selbst&#8220; ist ein antiker griechischer Leitsatz, der zur tiefen Selbsterkenntnis und Selbstreflexion auffordert. Er stammt aus dem Apollotempel in Delphi , wo er spätestens Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. angebracht worden ist, und wird Chilon von Sparta zugeschrieben. Die Lösung des Rätsels der Sphinx erfordert die Fähigkeit, das Wesen des Menschen zu erkennen, was eng mit der Aufforderung, sich selbst zu erkennen, verbunden ist. Daher ist die Sphinx ein kraftvolles Symbol für die Suche nach Sinn und Bedeutung im Leben.</h4>
<h4>[2] Die drei magischen Tore sind eine Episode aus Michael Ende (2019): <a href="https://amzn.to/4iBthMF">Die unendliche Geschichte</a>, 10. Auflage, Thienemann.</h4></div>
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		<title>Bärenkraft: Dasein und Zuhören ohne bewerten</title>
		<link>https://krankenhausberater.de/impuls/news/baerenkraft-dasein-und-zuhoeren-ohne-bewerten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elke &#38; Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Jul 2025 21:15:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Impulsgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Teddybär hält die Umarmung, ist präsent. Das gibt Trost und seelischen Halt ohne Worte. Er hört zu, ohne zu bewerten und kommentieren.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/baerenkraft-dasein-und-zuhoeren-ohne-bewerten/">Bärenkraft: Dasein und Zuhören ohne bewerten</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Die folgende Lektion vom Teddybären mit seiner stillen Kraft des Zuhören geht auf die sanft berührende Originalgeschichte der GFK-Trainerin Anja Palitza zurück: [1]</strong></p>
<h2></h2>
<h2>Hmm, naja</h2>
<div>
<p><em>Tom lebte zurückgezogen in einer kleinen Stadt. Er war bekannt dafür jede noch so ernste Situation schlicht mit „Hmm, naja“ zu kommentieren. Egal was – ob er seinen Arbeitsplatz verloren hatte oder die Katze des Nachbarn verschwunden war – Tom wirkte irgendwie immer gleichgültig. So war es auch e<span style="font-size: 16px;">ines Abends wieder. Unerwartet kam ein Freund in tiefer Not vorbei und schüttete Tom sein Herz aus. Dessen Frau hatte sich von ihm getrennt. Tom schaute den Freund an und murmelte: „Hmm, naja. Sowas passiert.“ Das ließ den Freund verstummen und mit einer Bemerkung über Toms „unglaubliche Gefühllosigkeit“ ging er, ohne sich zu verabschieden.</span></em></p>
<p><em><span style="font-size: 16px;"></span></em></p>
</div>
<div>
<p><em>Nun beschloss Tom, dass es an der Zeit war herauszufinden, warum er kaum Emotionen spürte und nicht über Gefühle sprechen konnte. So machte er einen Termin bei einer Psychologin aus. Die begrüßte ihn und fragte: &#8222;Wie fühlen Sie sich heute?“ Tom überlegte und antwortete: „Hmm, naja. Ich bin hier.“ Überhaupt sagte er im ersten Termin nicht viel mehr. <span style="font-size: 16px;">In der zweiten Sitzung bat die Psychologin Tom aufzuschreiben, welche Gefühle er kenne. Tom starrte lange auf das leere Blatt Papier und schrieb am Ende:</span><span style="font-size: 16px;"> </span><span style="font-size: 16px;">„1. Hungrig. 2. Müde. 3. Hmm, naja.“ </span><span style="font-size: 16px;">Die Sitzungen gingen weiter. Wie auch immer die Psychologin mit Tom arbeitete, Tom lernte nicht, Gefühle genauer auszudrücken, geschweige denn weitere Emotionen zu entdecken. Am Ende schenkte sie Tom einen großen Teddybären und gab ihm die Aufgabe, den Bären abends zu umarmen und ihm etwas über seinen Tag zu erzählen.</span></em><span style="font-size: 16px;"></span></p>
<h2>Der Teddybär kann still zuhören<span style="font-size: 16px;"></span></h2>
<p><span style="font-size: 16px;"></span></p>
</div>
<div>
<p><em>Tom war skeptisch bezüglich der kindischen Idee, doch nahm er den Teddybär mit nach Hause. Abends schaute er den Bären an und murmelte: „Hmm, naja. Jetzt hab&#8216; ich Dich hier sitzen.“ Mehr geschah in den ersten Tagen nicht. Tom sah wenig Sinn in der Aufgabe. Doch er dachte bei sich: „Hmm, naja. Die Psychologin wird sich etwas gedacht haben, sie hat ja über Gefühle studiert.“ &nbsp;<br><span style="font-size: 16px;">In der zweiten Woche erzählte Tom also – nur um die Aufgabe zu erfüllen – abends ein wenig von seinem Tag. Der Bär bewertete und urteilte nicht, er schwieg. Tom beendete den Monolog meisten mit Worten wie: „Hmm, naja. Antworten kannst Du ja eh nicht.“</span></em></p>
</div>
<div>
<p><em></em></p>
<p><em>Eines Abends in der dritten Woche – Tom hatte sich bereits daran gewöhnt, täglich den Bären an sich zu drücken und ihm eine Zusammenfassung seines Tages zu liefern – sagte er zum Bären: „Hmm, naja. Wenigstens kann ich Dir etwas erzählen, ohne dass Du sagst, dass ich gefühllos bin. Darüber bin ich schon ein wenig erleichtert.“ Verwundert über seine Worte fragte sich Tom im Stillen: „Erleichtert&#8230;?“. <span style="font-size: 16px;">In der Folge erzählte Tom dem Bären abends immer mehr. Auch ein paar Erlebnisse, die er sonst niemand erzählen würde. Der Bär schwieg. Er blieb wie jeden Abend still bei ihm, was Tom jetzt nicht mehr „Hmm, naja.“ fand, sondern ganz beruhigend. Er begann von Dingen zu erzählen, die ihn beschäftigen. Und der </span><span>Bär schwieg. „Weißt Du was, Bär?“, sagte Tom. „Dass Du einfach so zuhören kannst, dass macht mich ganz froh.“ Und er staunte sogleich: „Froh&#8230;?“.</span></em></p>
<h2>Zuhören ohne zu bewerten<span style="font-size: 16px;"></span></h2>
<p><span style="font-size: 16px;"></span></p>
</div>
<div>
<p><em>Bald begann Tom auch von seinen Sorgen zu erzählen. Der Bär schwieg und Tom spürte zum ersten Mal in seinem Leben eine Art von Ruhe und Geborgenheit im Gespräch. Beflügelt mailte er der Psychologin, dass er viel lerne und mit den Fortschritten <span style="font-size: 16px;">„</span>sehr glücklich&#8220; sei. </em><em style="font-size: 16px;">Und er begann seinen Freunden und Verwandten, offener über sich zu erzählen. Das klappte gut, denn er bat sie vorher, ihm nur zuzuhören, ohne etwas zu sagen. </em><em style="font-size: 16px;">Toms Leben veränderte sich. Er erlebte, dass er über seine Gefühle sprechen konnte. Er musste nur frei von Angst sein, dass andere dies bewerten oder darüber urteilen könnten. Immer mehr interessierte es ihn, die Nuancen seiner Gefühlswelt zu erkunden. Und das alles Dank eines kuscheligen Teddybären, der nur zuhörte und nichts bewertete&#8230;</em></p>
<p><em style="font-size: 16px;"></em></p>
</div>
<div>
<p><em></em></p>
</div>
<div>
<p><em>&nbsp;</em></p>
</div>
<h2>Sind wir selbst ein bißchen wie Tom?<em></em></h2>
<p style="font-weight: 400;">Tom kann für viele Menschen unserer Gesellschaft stehen &#8211; von Kriegskindern über die Babyboomer bis hin zur Generation X in Deutschland. Vielen war es im Umfeld, in dem sie aufwuchsen, nicht in die Wiege gelegt, Gefühle zu erkennen und zu benennen. Sie mussten und müssen erst Schritt für Schritt lernen, Worte für Gefühle zu haben und über diese zu reden. Sie haben früh gelernt, dass es in einer emotional unbeständigen Umwelt sicherer war, wenig zu fühlen und Gefühle wegzupacken. Das ist keine bewusste Entscheidung, sondern Folge der unbewussten Dissoziation vom Körper und seinen Emotionsäußerungen. Ein Überlebensinstinkt. Durch Überrationalisierung als Kompensationsstrategie &#8222;fühlte&#8220; sich der kleine Mensch in seiner Ohnmacht sicherer, &#8222;empfand&#8220; Kontrolle in seiner emotionalen Überforderung und entwickelte sich so immer mehr zum &#8222;Kopfmenschen&#8220;.</p>
<p style="font-weight: 400;">Tom hat die bewusste Gefühlswahrnehmung nie gelernt und scheitert darin, einen kognitiven Zugang dazu zu finden. Um Gefühle aus sich heraus zu fühlen, bedarf es der Wahrnehmung des Körpers, der Verbindung zu sich selbst und seiner energetischen Lebendigkeit. &#8222;Hmm, naja&#8220; ist ein Ausdruck dieser Lücke. Die NS Erziehungsmethoden, die zumindest noch bis in die 1960er Jahre gängige Praxis waren, [2] &#8211; nämlich Kinder nur nicht durch Gefühle zu &#8222;verweichlichen&#8220; &#8211; trugen viel zur Kappung der Selbstverbindung bei und führte zu Bindungstraumata eigentlich sensibler Menschen. Das Ergebnis ist eine Leistungsgesellschaft, in der der Ausdruck von Gefühlen verachtet und als &#8222;Schwäche&#8220; abgewertet wurde. Mit Individuen, die die Verbindung zu sich selbst und damit echte Beziehungsfähigkeit mit anderen verloren haben.&nbsp;</p>
<h2 style="font-weight: 400;">Geborgenheit und Sicherheit durch Umarmungen</h2>
<p>Das stetige Verdrängen von Emotionen hat einen hohen Preis. Es hat lange gebraucht, bis es Tom bewusst geworden ist.</p>
<p>Tom wagt das <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/zuhoeren-wie-jeffrey-brown-mord-und-gewalt-auf-den-strassen-in-boston/">Verlassen seiner Komfortzone</a> Stück für Stück, um sich selbst zu begegnen. Und der Teddybär hilft ihm bei der Regulation erster Gefühlsregungen, indem er einfach ist und bleibt und im Zuhören einen sicheren Raum hält. Die körperliche Nähe durch das tägliche Umarmungsritual legt dazu eine wichtige Basis: Sie beruhigt, stärkt Verbundenheit, Sicherheit und Geborgenheit. Denn das Gehirn schüttet bei einer wohltuend gehaltenen Umarmung von mindestens 20 Sekunden das beruhigende „Kuschel-Hormon“ Oxytocin aus. Stresshormone wie Cortisol werden zugleich reduziert, was uns hilft, entspannter zu bleiben.[3] So wirkt eine Umarmung (co-)regulierend und hilft,<span style="font-size: 16px;"> emotionalen Belastungen zu verarbeiten. Auch wenn es nur ein Teddy ist, den wir umarmen. Wenn das aber schon ein Teddybär kann, wieviel Kraft kann dann erst das Dasein und die stille Umarmung eines Menschen geben?</span></p>
<div></div>
<p style="font-weight: 400;"></p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img decoding="async" width="892" height="174" src="https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2025/04/Teddybaer.jpg" alt="Teddybär und seine Bedeutung - nicht nur für Kinder" title="Teddybaer" srcset="https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2025/04/Teddybaer.jpg 892w, https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2025/04/Teddybaer-480x94.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 892px, 100vw" class="wp-image-18337" /></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h4 style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[1] Vgl. Palitza, A. (2025): Gewaltfrei leben, Newsletter Nr. 695, Wie Thomas über das „Hmm, naja…“ zu seinen Gefühlen fand.</h4>
<h4 style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[2] Der Erziehungsratgeber &#8222;Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind&#8220; von Johanna Haarer (1900-1988)&nbsp;wurde 1934 erstmals veröffentlicht und prägte die Erziehung im Nationalsozialismus. Er wurde in überarbeiteter Form als &#8222;Die Mutter und ihr erstes Kind&#8220; noch bis 1987 (!) weiter herausgegeben. Zahlreiche Wissenschaftler wie Sigrid Chamberlain haben sich damit befasst, wie die Kriegskinder und deren Kinder damit durch eine Erziehung zu kalter Bindungslosigkeit geprägt wurden, um für ein gewalttätiges Regime zu funktionieren.</h4>
<h4 style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[3] Regelmäßige Umarmungen können sogar das Herz-Kreislauf-System stabilisieren, den Blutdruck senken und das Immunsystem stärken. Vgl. dazu etwa die aktuelle Nature Studie von Packheiser, J. &nbsp;et. al. (2024):A systematic review and multivariate meta-analysis of the physical and mental health benefits of touch interventions“, in: <img decoding="async" src="blob:https://krankenhausberater.de/444c7b38-752e-41ef-949f-51ed115de080"> Nature Human Behaviour, Vol. 8, S. 1088-1107, <a href="https://doi.org/101038/s41562-024-01841-8">https://doi.org/101038/s41562-024-01841-8</a> (zuletzt abgerufen am 18.4.2025).</h4>
<p style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;"></p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Regenwürmer: Inbegriff von Selbstlosigkeit und Ausdauer</title>
		<link>https://krankenhausberater.de/impuls/news/regenwuermer-inbegriff-von-selbstlosigkeit-und-ausdauer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elke &#38; Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Mar 2025 19:45:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Impulsgeschichten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://krankenhausberater.de/?p=18122</guid>

					<description><![CDATA[<p>J. Allen Boone philosophierte mit Axel Steen, welches Tier das nützlichste sei. Ohne lange nachzudenken antwortete er: der Regenwurm. Warum gerade der?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/regenwuermer-inbegriff-von-selbstlosigkeit-und-ausdauer/">Regenwürmer: Inbegriff von Selbstlosigkeit und Ausdauer</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_6 et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Der Autor und Vorreiter der Tierkommunikation J. Allen Boone (1882-1965) chillte und philosophierte eines Tages zusammen mit Axel Steen, seinerseits Bakteriologe und eine Autorität auf dem Feld natürlicher Energiequellen. Boone fragte Steen als Forscher, welche Tiere er für die nützlichsten für den Menschen halte. Ohne lange nachzudenken antwortete Steen: Regenwürmer. Warum gerade soll der Regenwurm so nützlich sein? [1]</strong></p>
<h2>Steens Farm</h2>
<p><em>Wenn er eine Antwort haben wolle, solle Boone auf Steens Farm kommen und selbst sehen, welch ein gigantischer Wohltäter für die Allgemeinheit der Regenwurm sei. Steen führte seit langem Experimente durch. Auf seiner Farm ließen sich Hunderte von Regenwürmern bei der Arbeit beobachten. Doch viele Menschen haben für die glitschigen Würmern nur Ekel und Abscheu übrig.</em></p>
<p><em>Tatsächlich besuchte Boone Steen schon einige Tage später. Im Gewächshaus nahm Steen ein paar Würmer aus einer Kiste und legte die kleinen Geschöpfe auf einen Erdhaufen auf dem Tisch, sodass Boone sie aus nächster Nähe beobachten konnte. </em><em>Die Regenwürmer schienen nicht beunruhigt, sich plötzlich voneinander getrennt in einer neuen Umgebung wiederzufinden. Sie bewegten sich rhythmisch durch die Gegend. Wie auf ein geheimes Kommando hin, blieb jeder Wurm, wo er war und machte sich an die Arbeit. Jeder nahm vorne kleine Erdkrumen auf, zermahlte sie und schied sie am anderen Ende seines Körpers wieder aus. So lockerten die Regenwürmer die Erde, so dass sie Sauerstoff und Feuchtigkeit leichter aufnehmen kann, und verwandelten sie in fruchtbaren, ertragreichen Boden. Boone fiel es wie Schuppen von den Augen, warum in Steens Farm so große, gutgenährte Pflanzen standen&#8230;</em></p>
<p><em>Steen bewunderte seine Regenwürmern, liebte und schätzte sie in der Zusammenarbeit als gleichwertige zuverlässige Lebewesen. Er sprach ihnen die gleiche universelle Intelligenz und Energie zu, die jedes Lebewesen beseelt. Mit allem Fachwissen, aller Erfahrung und Empathie für die kleinen Würmchen sorgte er für sie. Sie pflügten und kultivierten seinen Boden und lieferten ihm Erde, die ihm ungewöhnlich gute Pflanzen, Früchte und Gemüse bescherte.</em></p>
<h2>Was wir von den Würmern für ein fruchtbares Klima lernen können</h2>
<p><em>Aufgrund des offenen Interesses nahm Steen Boone dann noch zu einem Müllbehälter mit und legte einen ganzen Trupp kleiner Regenwürmer auf den Müll. Sie waren nicht sonderlich verwirrt, sondern schienen zu wissen, dass eine Aufgabe auf sie wartete. Jeder Wurm machte sich nach einer kurzen Phase der Orientierung sofort an die Arbeit, ohne dazu aufgefordert oder gar beaufsichtigt werden zu müssen. Noch bevor der Tag zu Ende war hatten die fleißigen Arbeiter fast alle schlechten Gerüche aus dem Müll entfernt, die sich ansonsten zu giftigen Gasen hätten entwickeln können. Steen erzählte, dass das ganze Wunder ist, dass sie in wenigen Wochen, den ganzen organischen Müll in fruchtbaren Boden transformieren würden.</em></p>
<p><em>Jeder einzelne Wurm ist ein imponierendes Beispiel für Selbstlosigkeit, Ausdauer, hingebungsvollen Dienst. Die kleinen Würmer verkörpern das Gute und Nützliche ohne dafür Dank zu erwarten. Dafür verdient der Regenwurm unsere Verneigung. Erkennen zu dürfen, mit einem so bescheidenen und über alle Maßen selbstlosen Mitgeschöpf die Erde zu bevölkern, soll läutern und wandeln. Es macht demütig, selbst beitragen zu wollen, für ein fruchtbares Klima zu sorgen. Boone besuchte Steen daher immer wieder, um innezuhalten, sich mit den Regenwürmern noch vertrauter zu machen und sich von ihnen in <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/lerneinheit-lebenskunst-von-beziehung-und-geschenken/">Lebenskunst</a> unterrichten zu lassen. Es bereicherte ihn sehr. </em></p>
<h2>Das eigene Bewusstsein schulen<em></em></h2>
<p style="font-weight: 400;">Würmer werden im allgemeinen kaum für ihren Beitrag für die Fruchtbarkeit unserer Erde gewürdigt, so wie sie es verdienen.[2] Oft werden sie nur als eklig angesehen und vielleicht sogar gequält. Es liegt an uns, unser Bewusstsein zu verändern. Wir tragen für ein fruchtbares Klima bei, wenn wir uns immer wieder die Zeit nehmen und mit unseren Kindern Regenwürmer beobachten. Wenn wir den Kindern vorleben, mit den kleinen Würmchen liebevoll umzugehen und unser und ihr Bewusstsein schärfen&#8230; dann können echte Wunder passieren.</p>
<p style="font-weight: 400;"></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_2">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img decoding="async" width="908" height="146" src="https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2025/01/Regenwurm.jpg" alt="Vom Regenwurm lernen" title="Vorbild Regenwurm" srcset="https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2025/01/Regenwurm.jpg 908w, https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2025/01/Regenwurm-480x77.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 908px, 100vw" class="wp-image-18160" /></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[1] Vgl. J. Allen Boone (2013) Die große Gemeinschaft der Schöpfung, 4. Auflage, S. 123-128.<br />Der Regenwurm benötigt eine feuchte Umgebung gerade zur Fortbewegung und um nicht auszutrocknen. Er lebt im Boden, wo er Gänge gräbt und organisches Material zersetzt. Wenn es jedoch zu stark regnet, laufen die Gänge mit Wasser voll. Der Wurm muss  an die Oberfläche kommen, um nicht zu ersticken, da er durch seine Haut Sauerstoff atmet. Darum sind Regenwürmer besonders oft nach Regen zu sehen.</p>
<p style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[2] Dies ändert leider oft erst die alarmierende Entdeckung bei Landwirten, Gärtnern und Viehzüchter, dass das stetige Verschwinden der Regenwürmer aus den Böden zu schweren Rückgängen der Ernten führt und die Erde unfruchtbar wird – trotz allerhand menschlicher Bemühungen dagegen.</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/regenwuermer-inbegriff-von-selbstlosigkeit-und-ausdauer/">Regenwürmer: Inbegriff von Selbstlosigkeit und Ausdauer</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Zen Meister und der Dieb: Gewaltfreier Widerstand</title>
		<link>https://krankenhausberater.de/impuls/news/der-zen-meister-und-der-dieb-widerstand-erschafft-nur-leid/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elke &#38; Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Dec 2024 12:05:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Impulsgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Buch Shaseki shu aus dem 13. Jahrhundert ist die bemerkenswerte Geschichte vom Zen Meister Shichiri Kojun und dem Dieb zu finden...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/der-zen-meister-und-der-dieb-widerstand-erschafft-nur-leid/">Der Zen Meister und der Dieb: Gewaltfreier Widerstand</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_7 et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Das Buch Shaseki shu stammt aus dem 13. Jahrhundert vom japanischen Zen Meister Muju. Der hat darin in 101 kurzen Geschichten über Selbsterkenntnisse chinesischer und japanischer Zen Lehrer gesammelt. Im Zen geht es darum, sich selbst zu entdecken und sein Bewusstsein und Gewahrsein für die Quelle des Seins zu öffnen. Vom Zen Meister Shichiri Kojun enthält das Buch die Geschichte vom Dieb [1] &#8230;  </strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p><em>Eines Abends drang ein Dieb mit einem scharfen Schwert in die Hütte des Zen Meisters Shichiri Kojun ein, als der Sutras rezitierte. „Geld her oder ich töte dich!&#8220;, drohte der Eindringling.</em><br /><em>Shichiri Kojun erwiderte ruhig: „Störe mich nicht. Mein Geld ist dort drüben in der Schublade.“ Nach einer Weile bat er: „Nimm dir aber bitte nicht alles, ich brauche noch ein wenig, um morgen Rechnungen zu bezahlen&#8230;&#8220; Dann fuhr er mit dem Rezitieren fort. </em><em>Der Dieb war erstaunt, nahm dann den größten Teil des Geldes an sich und wandte sich zum Gehen. Als er schon an der Tür war, sagte Shichiri: &#8222;Wenn man etwas bekommen hat, soll man sich dafür bedanken.&#8220;</em> <em>So dankte der Dieb dem Zen Meister und machte sich davon.</em><br /><em></em></p>
<p><em>Tage später wurde der Mann bei einem anderen Einbruch verhaftet. Er gestand, auch den Zen Meister bestohlen zu haben, der daraufhin als Zeuge zur Polizeiwache gerufen wurde.</em><br /><em>„Er hat auch euer Geld gestohlen, nicht wahr?&#8220; fragte der Polizist.</em><br /><em>„Nein. Mir hat der Mann nichts gestohlen. Ich überließ ihm das Geld, und er bedankte sich dafür,&#8220; sagte Shichiri Kojun.</em><br /><em>Als der Mann die wegen seiner Vergehen verhängte Strafe verbüßt hatte, kam er wieder zum Zen Meister Shichiri Kojun und wurde sein Schüler.</em></p>
<p><em></em></p>
<h3>Nicht-Anhaften macht innerlich frei<em></em></h3>
<p>Im Zen geht es wie in anderen Weisheitslehren um die reine Präsenz im Hier und Jetzt, ohne Anhaften an alten Schmerz der Vergangenheit und an unnötige Sorge um die Zukunft. Sein und Leben finden nur im gegenwärtigen Moment statt. Alles andere sind Konstrukte unseres Denkens. Im Jetzt aber braucht es weder Leid noch Sorge, nur annehmen dessen, was ist. Wer nicht anhaftet, ist innerlich frei. </p>
<p>Shichiri Kojun ist wahrhaft erleuchtet. Für ihn ist das ganze Leben Zen Praxis. Der Zen Meister sorgt sich nicht, weder um sein Leben noch um seinen Besitz. So tritt er dem Einbrecher nicht mit Angst, sondern mit Mitgefühl entgegen. Er geht mit dem Leben, statt in den Widerstand. <strong>Widerstand gegen das, was ist, kommt aus dem denkenden Verstand, dem Ego</strong>.[2] Die Sorge des Egos hätte den Zen Meister nur aus seiner Gegenwärtigkeit und Verbundenheit mit allem gerissen. Widerstand hätte Getrenntsein geschaffen und die Spirale der Gewalt genährt. <em>„</em>Geld oder Leben&#8220; war nicht die größte Gefahr für den Zen Meister. Die größte Gefahr war, sich verführen zu lassen und unbewusst zu reagieren. Shichiri Kojun ist ihr nicht erlegen, seine Seele mit gewaltvollem Denken zu betrüben. So hat er für sich gesorgt und unabhängig und autonom gehandelt.</p>
<h3>Transformation im Füreinander</h3>
<p>Der Zen Meister übt Widerstand ohne Gewalt, Güte, Liebeskraft. Er willigt dem Verhalten ein und verzeiht dem Dieb ungefragt schon in der Tat. Nicht ohne aktiv auch seinen Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen. Dort wo Geben und Nehmen eins sind, wo Übereinstimmung ist, passiert etwas Heilvolles im Menschen. Daher kann man mit einem vollkommen bewussten Menschen nicht um Positionen streiten. Und man kann ihn nicht bestehlen. Nur ein unbewusster Mensch kann ausgenutzt und manipuliert werden. Willentliche Gewaltfreiheit und Vergebung im Hier und Jetzt haben transformierende Kraft. Sie machen den Menschen frei vom Anhaften an Schmerz und Sorge und lassen die Seele auf höherer Ebene schwingen. Es gibt kein Täter-Opfer-Narrativ, kein gut und böse, keinen Teufelskreis der Gewalt.</p>
<h3>Weltfremd oder weise</h3>
<p>Im Alltag geht es oft weniger um die Diebe, die es auf Geld und Güter abgesehen haben, als um die <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/40-tage-fasten-sehnsucht-nach-der-mitte/">Energieräuber</a>, die über unsere Grenzen gehen. Menschen, die bedürftig sind und von ihrer Bewusstheit abgeschnitten sind, räubern Kraft und Energie von anderen. Die Geschichte zeigt, dass sie bewusste Vergebung brauchen und wie im <em>„</em><a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/das-lied-deiner-seele-wenn-du-es-vergessen-hast/">Lied deiner Seele</a>&#8220; an ihr wahrhaftiges Sein erinnert werden müssen. Wer bewusst <a href="https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2023/12/ez-elke-eberts-systemische-resilienz_231104.pdf">Bitte und Danke</a> ausspricht, steigert sein Bewusstsein über die Interdependenz allen Tuns.<i></i></p>
<p>Wenn man sich die Zustände in der Welt anschaut, wirkt das weltfremd. Der unbewusste Mensch schafft Leid &#8211; auch ohne es zu merken. Wie schafft man wehrhafte Kooperation mit einem unbewussten Menschen, der den fragwürdigen Spielregeln des Egos folgt, sich unbegrenzt nimmt und doch nicht lange gesättigt ist? Wie schafft man dauerhaft Demokratien auf der Welt, die wehrhaft sind und nicht den Gewalttätigen das Feld überlassen? Auf dem Weg von Krieg und Gewalt finden wir die Lösung sicher nicht. Vielleicht hilft da die Weisheit von Shichiri Kojun und seinem Schüler weiter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[1] Vgl. Paul Reps (1999): Ohne Worte &#8211; ohne Schweigen, 101 Zen-Geschichten und andere Zen-Texte aus vier Jahrtausenden, S. 60-61.</p>
<p style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;">[2] Genau genommen ist der Zen Meister nicht widerstandslos in der Passivität, sondern verstrickt sich nicht im Widerstand gegenüber Umständen, die nicht in seinem Einflussbereich liegen. So formulierte <a href="https://krankenhausberater.de/?p=5758">Mahathma Gandhi</a> seine <a href="https://krankenhausberater.de/?p=5758">These</a>, Widerstand ohne Gewalt sei stets der Gegengewalt, diese aber noch der Passivität vorzuziehen. Passive Widerstandslosigkeit ist Gewalt gegen die eigenen Grenzen und Bedürfnisse.</p>
<p style="font-size: 10pt; line-height: 12pt;"></div>
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		<title>Rashōmon Effekt: Wie Motive Narrative prägen</title>
		<link>https://krankenhausberater.de/impuls/news/rashomon-wie-motive-unsere-wahrnehmung-praegen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elke &#38; Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Sep 2024 21:24:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Impulsgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rashōmon ist ein japanischer Film aus 1950, der Verbrechen aus diversen Perspektiven aufarbeitet. Die Selektivität der Narrative heißt heute Rashōmon-Effekt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/rashomon-wie-motive-unsere-wahrnehmung-praegen/">Rashōmon Effekt: Wie Motive Narrative prägen</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong><a href="https://watch.plex.tv/de/watch/movie/rashomon?utm_content=5d7768268718ba001e311b67&amp;utm_medium=deeplink&amp;utm_source=google-catalog">Rashōmon ist ein Film</a> aus 1950 vom Regisseur Akira Kurosawa.[1]  Im Kontext der schweren Verbrechen Vergewaltigung und Mord in der traditionellen japanischen Kultur wird die Unmöglichkeit von Objektivität und die Relativität von Wahrheit thematisiert. Der Film führt vor Augen, wie kulturell geprägte Motive &#8211; </strong><strong>durch Fokussieren, Auslassen, Interpretieren &#8211; die Wahrnehmung einer Situation und das Narrativ verschiedener Beobachter prägen.</strong></p>
<h2>Rahmenhandlung am Rashōmon</h2>
<p><em>Die Handlung spielt im 12. Jahrhundert. Ein Priester, ein Holzfäller und zuletzt noch ein Bürger suchen am historischen, von Erdbeben und Verfall gezeichneten Südtor von Kyoto &#8211; namens Rashōmon &#8211; Schutz vor einem Wolkenbruch. Das Tor steht in Japan für einen Ort, an dem sich zwielichtige Gestalten und Verbrecher verstecken, wo Leichen und ungewollte Babys abgelegt werden. So ist es Symbol für den moralischen Zerfall in Zeiten von Naturkatastrophen und Hungersnöten, wo Menschen vor dem Nichts stehen. Einer Legende nach soll das Tor einst von einem Monster bewohnt gewesen sein, das schöne Mädchen entführt und in den Türmen des Tors missbraucht hatte.</em></p>
<p><em>An dem symbolträchtigen Ort kommen die drei ins Gespräch. Der Priester und der Holzfäller sind Zeugen bei Gericht gewesen und noch sehr von dem sich drei Tage zuvor zugetragenen Verbrechen mitgenommen. Der Bürger lässt sich von den beiden von der Tat und den Gerichtsaussagen erzählen. </em>Der Zuschauer sieht die Tat mehrfach durch Rückblenden aus je verschiedenen Erzählversionen.</p>
<h2>Kern des Geschehens</h2>
<p>Der reiche Samurai Takehiro führt sein Pferd, auf dem seine junge Frau Maskat wie eine Göttin sitzt. Auf ihrer Durchreise begegnen sie zunächst dem Priester und dann im Wald der Dämonen dem berüchtigten Banditen und Frauenhelden Tajōmaru. Der Bandit lockt den Samurai mit der Aussicht auf ein gutes Geschäft ins Unterholz, überwältigt und fesselt ihn und vergewaltigt vor dessen Augen die junge Frau. Später findet der Holzfäller den erstochenen Samurai. Ein Polizist stellt den Banditen mit dem Pferd des Samurai.</p>
<h3>Die Version des Banditen vor Gericht</h3>
<p><em>Der als Täter angeklagte Bandit Tajōmaru bezichtigt sich angesichts seiner sicheren Hinrichtung selbst, den Samurai in die Falle gelockt, gefesselt und die Frau vergewaltigt zu haben. Nach anfänglicher Gegenwehr mit ihrem Dolch habe sie sich ihm offen hingegeben. Er rechtfertigt seine Rechtsübertretung damit, dass er als Verbrecher davon lebe, sich vom Eigentum anderer zu nehmen. Als Grund für die Vergewaltigung gibt er den körperlichen Reiz der jungen Frau sowie die Freude an der Demütigung des Samurai an, der den Akt gefesselt miterleben musste. Er habe den Mann nie töten wollen. Als er das Paar aber verlassen wollte, habe die Frau ihn angefleht, sich zu duellieren. Sie könne nur in Ehre weiterleben, wenn nur einer der Männer überlebe. Sie wolle mit dem Stärkeren gehen und zur Not auch als Räuberbraut leben, wenn die Welt nichts von der Schande der Vergewaltigung erfahre.</em></p>
<p><em>Der Bandit habe daraufhin den Samurai entfesselt und in einem ehrenvollen Schwertkampf auf Leben und Tod nach traditionellen Regeln besiegt. Die Frau sei jedoch während des Kampfes geflohen. Er habe sie nicht verfolgt. Seine Ehre hält Tajōmaru für unbefleckt, weil er einen harten, aber fairen Kampf mit offenem Ausgang geführt habe. Sie hätten dabei 23 Schwerthiebe ausgetauscht &#8211; in seinem ganzen Leben habe er in keinem Kampf mehr als 20 Hiebe gebraucht. Damit habe er das Recht über die Frau des Besiegten nachträglich erlangt. Seine baldige Hinrichtung akzeptiere er lediglich als Strafe für seinen Lebenswandel, nicht aber für eine etwaige moralische Verfehlung in der zur Verhandlung stehenden Tat. Den Samurai und v.a. die Frau verachtet er offensichtlich. Das Schwert des Samurai habe er verkauft, den Dolch der Frau habe er völlig vergessen.</em></p>
<h3>Die Version der Frau des Samurai vor Gericht</h3>
<p><em>Die vergewaltigte Frau Masako stellt unter Tränen ihre Ohnmacht und Opferrolle heraus: Um ihren Mann zu retten, habe sie sich nach dem aussichtslosen Kampf dem Banditen hingegeben, der danach verschwunden sei. Ihr Mann habe jedoch nur Verachtung für sie gehabt. Sie sei entehrt worden und ihr Schicksal sei damit besiegelt gewesen. Auf ihr Flehen um Vergebung und Bitten um erlösende Tötung, wie es die Tradition erforderte, sei ihr Mann nicht eingegangen. Sie gibt an, bewusstlos geworden zu sein und nachdem sie wieder zu sich gekommen sei, ihren Mann erstochen vorgefunden zu haben. Offensichtlich meidet die Frau jede Verantwortung und lässt eigenes aktives Tun in ihrer Rede gänzlich aus. Sie wertet beide Männer als unehrenvoll ab.</em></p>
<h3>Die Version des Samurai vor Gericht</h3>
<p><em>Der Samurai Takehiro wurde bei dem Vorfall getötet. Trotzdem erscheint er vor Gericht, indem er durch ein Medium [2] aus dem Jenseits spricht. Er verflucht den Banditen für seinen Lebenswandel, mehr noch aber seine Frau Masako. Diese habe sich nicht nur dem Banditen Tajōmaru hingegeben, sondern sei dann auf dessen Angebot eingegangen, sich ihm als Räuberbraut anzuschließen. Masako habe vom Banditen die Ermordung ihres gefesselten Mannes gefordert, da sie sonst ihre Ehre nicht zurückerlangen könne. Selbst der Bandit habe sich darüber entsetzt und Masako dafür verachtet. Tajōmaru habe ihn gefragt, was er mit seiner Frau tun solle. Takehiro erkennt dem Banditen an, sich an den klassischen japanischen Ehrenkodex gehalten und den in der japanischen Kultur schwerer wiegenden Verrat der Frau an ihrem Gemahl nicht toleriert zu haben.</em></p>
<p><em>Als Samurai habe er seine Entehrung nicht durch die Tötung seiner Frau als Ehebrecherin verheimlichen wollen, was sein Ehrenrecht gewesen wäre. Dann sei Masako geflohen. Der Bandit habe ihn entfesselt und zurückgelassen. Er selbst habe, um seine Ehre zurückzuerhalten, sein Versagen zu büßen und die Schande eines verlorenen Kampfes mit einem Gesetzlosen auszulöschen, Selbstmord mit dem Dolch seiner Frau begehen wollen. Er sei jedoch erst in dem Moment gestorben, als jemand den Dolch aus seinem Herzen gezogen habe.</em></p>
<h2>Beurteilung des Geschehens</h2>
<p>Das Gericht bleibt für den Zuschauer unsichtbar, indem die Akteure die Fragen des Richters wiederholen und frontal vor der Kamera direkt zum Zuschauer sprechen. So ist der Zuschauer selbst gefordert, sich sein Urteil zu bilden. Die drei Protagonisten schildern den Hergang der Tat vor Gericht aus ihrer jeweiligen subjektiven Sicht, v.a. bedacht darauf, das eigene Ansehen zu schützen. Dadurch widersprechend sich ihre Aussagen. Es gibt keine gemeinsam geteilte Erzählung. Jeder der drei Protagonisten ist v.a. um sich selbst besorgt und verachtet die beiden anderen für ihre Verhalten.</p>
<p>In der traditionellen japanischen Kultur wiegen Schande und Entehrung in der Wahrnehmung der Umwelt schwer. Ein Gesichtsverlust ist schlimmer als alles andere. Es geht weniger um Recht im Sinne der Regeln und Gesetze zu haben, als um eine weitere Verbundenheit mit der Gesellschaft. Das Gericht beschäftigt sich entsprechend wenig mit individueller Schuld und Unschuld in Bezug auf Regeln und Gesetze. </p>
<h3>Die Version der Holzfällers</h3>
<p>Neben einem Polizisten und dem Priester tritt der Holzfäller vor Gericht als Zeuge auf. Er möchte nichts mit dem Verbrechen zu tun haben und äußert sich nur zum Tatort. Erst am Rashōmon gibt der Holzfäller zu, die Tat selbst beobachtet zu haben. Und so erzählt er am Tor seine Version, die keinem der drei Beteiligten seine Ehre lässt und ein neues Licht auf das Geschehen wirft:</p>
<p><em>Der Bandit sei der jungen Frau nach der Tat verfallen, habe ihr Schätze und ein redliches Leben angeboten, wenn sie mit ihm käme. Masako habe jedoch ihren Mann entfesselt und einen Schwertkampf beider Männer auf Leben und Tod gefordert; sie wolle beim Sieger bleiben. Beide Männer waren nicht bereit zu dem Kampf und missbilligten Masakos Verrat an ihrem Mann. Der Bandit sei ein „ehrlicher“ Räuber und habe die Frau rauben wollen, aber dass sie den Tod ihres Mannes riskiert, finde er abscheulich. Sie sei dann von ihrem Herrn zum Selbstmord aufgefordert worden, dem sie nach dem Kodex des kaiserlichen Japans sofort folgen müsste. So aber nicht sie. In einer verzweifelten Rede habe sie ihrem Mann Feigheit vorgeworfen. Bevor er von seiner Frau den Tod fordern dürfe, müsse er selbst den Banditen besiegen. </em><em style="font-size: 16px;">Dem Banditen habe Masako vorgehalten, nicht um sie kämpfen zu wollen. Eine Frau wolle mit dem Schwert erobert werden. </em></p>
<p><em style="font-size: 16px;">Dem Holzfäller zufolge sei dann ein wenig ehrenvoller Kampf ausgebrochen. Diesen gewann der Bandit nur mit Mühe erstach den Samurai mit dem Schwert. Als er seine Belohnung einforderte, sei Masako geflüchtet. Der Holzfäller beschuldigt alle drei unwürdiger Taten: Der Samurai sei feige und befehle seiner Frau den Selbstmord. Diese verrate ihren Mann, fordere zugleich dessen Pflichten ein und prelle den Banditen. Der Bandit habe sich die Frau mit Gewalt genommen und habe sich ebenso wenig wie der Samurai an die Regeln des fairen Kampfes gehalten.</em></p>
<h3>Weiterer Verlauf der Rahmenhandlung am Rashōmon</h3>
<p><em>Am Rashomon wird das Gespräch des Holzfällers, Priesters und Bürgers jäh durch Schreie unterbrochen. Die drei Männer finden ein ausgesetztes Baby. Als der Bürger das Amulett des Babys entwendet, wirft der Holzfäller ihm Raub vor. Im Gegenzug wirft dieser den Holzfäller vor, den Dolch gestohlen und als Fundstück unterschlagen zu haben. Alle Menschen seien am Ende egoistisch und hätten in ihren Narrativen das eigene Interesse im Sinn. Der Priester zeigt sich darüber zunächst erschüttert. Als ihm aber der Holzfäller den Säugling aus den Armen nehmen will und erklärt, er habe sechs Kinder zu Hause, da komme es auf ein weiteres nicht an, sieht er das Gute in der Seele. Die Reue und Annahme des Kindes wie sein eigenes kompensiert den Diebstahl. Der Priester übergibt das Baby und versichert dem Holzfäller, seinen Glauben an die Menschheit nicht aufgeben zu wollen.</em></p>
<h2>Bedeutung heute </h2>
<h3>Narrative sind nicht Wahrheit und Wirklichkeit</h3>
<p>Narrative (bewusst oder unbewusst) zu gestalten ist nur Wesen möglich, die die Welt von außen sehen und sich in andere einfühlen können, was diese beeinflusst. Nicht zuletzt ist diese Beeinflussung Sinn und Zweck aller Narrative der Welt. Besonders offenbar wird es dort, wo es um das eigene Ansehen geht. Für das Warum und Wozu werden Geschehnisse durch gedankliche Konstrukte sortiert. Narrative sind also nicht das beobachtete Geschehen und erfassen Wahrheit und Wirklichkeit nie voll. Sie sind subjektive Kommentierungen und Bewertungen davon. Gewissermaßen ist <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/aufmerksamkeitsblinzeln-afrikanische-doerfer-und-huehner/"><strong>jede bewusste Wahrnehmung selektiv</strong> </a>von unserem Narrativ geprägt. Und so ist jede Erinnerung eine subjektiv verzerrte Perspektive.[3]</p>
<p>Was faktisch zwischen Menschen vorgefallen ist, ist für Dritte kaum zu ergründen. Jedes Urteil bleibt ein an Indizien und Erfahrungen orientiertes Vertrauen in ein <strong><a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/stimmig-in-verhalten-und-kommunikation-innere-haltung/">stimmiges Narrativ.</a></strong> Die kognitive Verzerrung oder selektive Wahrnehmung in Interaktionen wird heute auch als <strong>Rashomon-Effekt</strong> bezeichnet: Wir glauben das gerne, was dem narrativen Ich Kohärenz gibt. Wer die guten Beweggründe und Bedürfnisse der Protagonisten nach moralischem Ansehen erkennt, nähert sich ihrer inneren Wahrheit. Der Mensch ist per se ambivalent mit hellen und dunklen Seiten. Um den anderen empathisch zu fühlen, dürfen wir stets nachempfinden, wozu uns jemand eine Geschichte so erzählt, wie er es tut. Erzählen und Zuhören gewinnen an Spannung, weil die Motive nicht sofort transparent sind. [4] </p>
<h3>Kulturelle Moralvorstellungen</h3>
<p>Seit dem 8. Jahrhundert, als die kaiserliche Armee zum Heer der Freiwilligen umgebaut wurde, prägten die Samurai als adlige Kriegerkaste das feudale Japan. Wegen ihren Schwerter als charakteristisches Kampfgerät etablierten sie sich als Schwertadel. Die Samurai folgten einem strengen Kodex, dem Bushido. Tugenden wie Aufrichtigkeit, Ehrhaftigkeit, Reinheit, Mut und Loyalität waren Leitlinien &#8211; auch bei kriegerischem Handeln. Bestandteil der Kultur war sowohl das Recht, einen einfachen Mann mit seinem Schwert zu töten, wenn dieser sich ihm gegenüber respektlos verhielt. Als auch sich selbst im Harakiri zu töten &#8211; etwa bei persönlichem Ehrverlust und Schande.</p>
<p>Die traditionelle japanische Kultur war im 12. Jahrhundert stärker als heute von der eigenen Außenwirkung im gesellschaftlichen Umfeld und dessen Moral bzgl. Schande und Ehre geprägt. Die Gesellschaft als Ganzes bzw. das Kollektiv und dessen soziale Kontrolle hatten hohen Stellenwert. Wer ein moralisch verwerfliches Verbrechen begeht, kann nicht länger in seiner Umgebung bleiben.</p>
<p>Mit Kaiser Meiji öffnete sich Japan im 19. Jahrhundert dem Westen und ließ sich ab 1868 nach westlichem Vorbild mit strengen Reformen kulturell umgestalten. Meiji führte die Wehrpflicht wieder ein, nahm den Samurai so ihr Waffenmonopol und ihre Macht. Ihnen wurde in der Öffentlichkeit das Tragen der traditionellen Kriegsgewänder und Haarknoten verboten. Viele der einst so stolzen Krieger versanken in Armut. 1908 wurde schließlich das Strafgesetz Japans eingeführt, das bis heute grundsätzlich materiell dem deutschen Recht folgt, im Strafprozess dem amerikanischen. In Sachen Emanzipation jedoch hinkt die japanische Männerwirtschaft bis heute hinterher. </p>
<h3>Pädagogische Leerstelle zur persönlichen Stellungnahme</h3>
<p>Dem Zuschauer und seiner Moral ist die eigene Deutung überlassen. Am Ende bleibt die offen Frage an den Zuschauer selbst: Was rechtfertigt uns, uns moralische Urteile über faktische Wahrheiten zu bilden? Wir mögen aus Sympathie bereitwillig dem ein oder anderen Narrativ folgen &#8211; oder weil die Erklärungen Sinn und Kohärenz liefern. Und doch bedienen Narrative zur Rekonstruktion des Geschehenen v.a. die verschiedenen Egos.</p>
<p>Das traditionelle japanische Gericht fragt die Protagonisten und Zeugen nicht, was sie benötigen, um Frieden und Versöhnung mit der Vergangenheit zu finden. Das ist die Entwicklungschance heutiger demokratischer individualistischer Gesellschaften.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4>[1] Der Film ist ein Meilenstein in der internationalen Filmgeschichte und der Verbindung traditioneller japanischer und europäischer Filmkunst. Dafür wurde er 1951 bei den Filmfestspiele von Venedig und sowohl vom National Board of Review 1951 als auch bei der Oscarverleihung 1952 als bester ausländischer Film ausgezeichnet. So machte er den Regisseur international bekannt und den Schauspieler Toshirō Mifune in der Rolle des Banditen zum Weltstar. In Japan selbst blieb das Werk unbedeutend.</h4>
<h4>[2] Im Einzelfall sind international Medien tatsächlich in polizeilichen Ermittlungsarbeiten und als Zeugen vor Gericht anerkannt.</h4>
<h4>[3] Nobelpreisträger Daniel Kahneman (1934-2024) erklärt in &#8222;Schnelles Denken, langsames Denken&#8220; (2012), Menschen würden in zwei Systemen denken. Er rät davon ab, nie alleine der Intuition als persönliches Erfahrungswissen zu vertrauen, da sie subjektiv verzehrt sei, sondern nach objektiven Fakten zu suchen. Die Erfahrung trügt. Denn Menschen strebten immer nach guten Erzählungen von ihrem Leben.</h4>
<h4>In den frühen 1990er-Jahren befragte er Menschen während einer – in dieser Zeit noch ohne Betäubung schmerzhaften &#8211; Darmspiegelung alle sechzig Sekunden, wie stark die Schmerzen waren. Nach der Untersuchung wurden die Betroffenen nochmal um ihre Schmerzbewertung gebeten. Es stellte sich heraus: Für ihre Einschätzung waren die im Verlauf erlittenen Schmerzen völlig unerheblich. Alles, was im Rückblick zählte, war die Erinnerung an den Schmerz am Anfang und am Ende der Darmspiegelung. Kahneman unterscheidet daraufhin das Hier und Jetzt erfahrende Selbst vom Ego, welcher die Erinnerung an die Erfahrung bewertet.</h4>
<h4>[4] Vgl. Samira El Ouassil, Samira | Friedemann Karig, Friedemann (2022): <strong><a href="https://amzn.to/49ZtncH">Erzählende Affen: Mythen, Lügen, Utopien &#8211; wie Geschichten unser Leben bestimmen</a></strong>, Vom Patriarchat bis zur Klimakrise: Narrative prägen die Welt, hier insb. S. 227.</h4></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Senkung der Arbeitsmoral: Die Krise der Gegenwart</title>
		<link>https://krankenhausberater.de/impuls/news/senkung-der-arbeitsmoral-die-krise-der-gegenwart/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elke &#38; Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Apr 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Impulsgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral von Heinrich Böll ist ein Klassiker der Zivilisationskritik der heute so aktuell wie 1963 ist...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/senkung-der-arbeitsmoral-die-krise-der-gegenwart/">Senkung der Arbeitsmoral: Die Krise der Gegenwart</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Die folgende Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral von Heinrich Böll (1917-1985) von 1963 ist heute ein Klassiker der Gesellschaftskritik.[*] Böll gilt als bedeutender deutscher Schriftsteller der Nachkriegszeit und war für seine schonungslosen Kurzgeschichten bekannt. </strong></p>
<p><em>In einem Hafen an der Westküste Europas schläft ein arm gekleideter Fischer. Er wird durch das Klicken des Fotoapparates eines Touristen geweckt. Der Tourist fragt den Fischer, warum er nicht draußen auf dem Meer sei und fische? Es sei so ein toller Tag, um einen guten Fang zu machen?</em></p>
<p><em>Der Fischer gibt keine Antwort und der Tourist denkt sich, dass es dem Fischer nicht gut gehe. Er fragt nach, doch der Fischer hat nichts zu beklagen. Nochmals hakt der Tourist nun nach, warum er denn nicht hinausfahre? Nun antwortet der Fischer, er sei schon fischen gewesen und habe so gut gefangen, dass es ihm für die nächsten Tage reiche. Der Tourist meint, dass der Fischer noch zwei-, drei- oder gar viermal hinausfahren und sich ein Geschäft aufbauen könnte. Er können auch das Wachstum noch weiter steigern und sogar das Ausland mit seinem Fisch beliefern. Dann hätte der Fischer genug verdient, um am Hafen zu sitzen und sich entspannen zu können.</em></p>
<p><em>Der Fischer entgegnet gelassen, am Hafen sitze und entspanne er sich doch jetzt schon. Der Tourist geht nachdenklich und eigentlich ein wenig neidisch weiter.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Kritik an der Wachstumsökonomie</h2>
<p>Anekdotisch und provokant trägt Böll seine Gesellschaftskritik zum Tag der Arbeit vor. Der Tourist verkörpert den schicken Aufsteiger der Zeit: Wirtschaftlicher Erfolg ermöglicht ihm Bildung und Urlaub im Ausland. Das sorglose Sein des einfachen Fischers steht dazu in Kontrast. Materialismus und Aktionismus werden deutlich &#8211; man gönnt sich selbst in der arbeitsfreien Zeit keine Ruhe und Entspannung. Böll bedient sich der satirischen Übertreibung, um Erkenntnis heraus zu polarisieren. Die Metapher wird so eine Antithese zum Zeitgeist und verspottet die Wachstumsökonomie, die naive Gläubigkeit in unbegrenztes Wachstum und den vermeintlich Sicherheit stiftenden, übermäßigen Arbeitseifer. Der Fischer nimmt den Postmaterialismus vorweg und rückt den Sinn ins Bewusstsein: Der Mensch lebt nicht, um zu arbeiten. Darin verfehlt er seinen Lebenssinn.</p>
<p>Die angestoßenen Systemkritiken und Fragen haben in der Krise der Gegenwart nichts an Aktualität verloren. Unsere <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/grenzen-des-wachstums-punkt-des-genug/">Wachstumsökonomie</a> schafft katastrophale kollektive Ergebnisse. Mit Phänomen wie Klimaerwärmung, (in Kriegen) eskalierende weltweite Konflikte, KI-getriebene Social Media Propaganda der Spaltung. Dahinter steckt ein Mindset von Ego- und Silodenken, das letztlich die Dynamiken von Stress, Gewalt und Zerstörung anheizt. Es ist uns als Gesellschaft geboten, jetzt zu sehen, wie rapide dies die verbundenen Systeme an den Kipppunkt fährt. Wenn wir die reale Entwicklung vom Ende her sehen, kommen wir kaum umhin, unsere gemeinsame Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft aller hier und jetzt annehmen. Vom ich zum wir. Die planetarische Not können wir kaum lösen, ohne unsere Gewohnheiten zu ändern.</p>
<h2>Wenn du willst, dass sich etwas ändert, tue es im Kleinen selbst</h2>
<p>Es gilt, unsere Rolle, unsere Beziehungen, unsere ökonomischen Systeme zu transformieren. Die gegenwärtige Senkung der Arbeitsmoral unserer Postcorona Zeit beinhaltet so sicher auch eine Chance auf echte Transformation: Was ist das Wenige, was der Einzelne und die Gesellschaft am Ende wirklich brauchen? Der schlichte Fischer in Bölls Anekdote war uns in puncto Reflexion und Regeneration sich erschöpftender Ressourcen wohl schon Jahrzehnte voraus&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4 style="line-height: 1.2;">[*] Die Anekdote schrieb Böll mitten im Boom des deutschen Wirtschaftswunders zum Tag der Arbeit, zum 1. Mai 1963 für den NDR. Der Tag der Arbeit geht auf dem 1. Mai 1886 zurück, an dem die Gewerkschaften in den USA eine Reduzierung der Arbeitszeit auf acht Stunden täglich einforderten.</h4></div>
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		<title>Georg und Cleolinda: Der Kampf mit dem Drachen</title>
		<link>https://krankenhausberater.de/impuls/news/georg-und-cleolinda-der-kampf-mit-dem-drachen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Feb 2024 09:15:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Impulsgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Chrstliche Legenden wie vom Drachenkampf von Georg und Cleolinda beinhalten ein Stück Menschheitsgeschichte. Im Grunde sind sie Metaphern innenseelischer Vorgänge.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/georg-und-cleolinda-der-kampf-mit-dem-drachen/">Georg und Cleolinda: Der Kampf mit dem Drachen</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_10 et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Legenden beinhalten ein Stück Menschheitsgeschichte. Doch werden sie heute </strong><b>nicht mehr selbstverständlich verstanden. Im Grunde sind sie Metaphern innenseelischer Vorgänge. Die christliche Legende vom Drachenkampf von Georg und Cleolinda mit ihren Reibungspunkten ist eine mir bedeutsame Legende für den inneren Weg zur Gewaltfreiheit und Friedensfähigkeit des Menschen. Es ist sehr verdichteter Stoff. Meine Auslegung ihre Tiefe fällt hier darum sehr ausführlich aus.[1]</b><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Die Legende des Heiligen Georg vom Kampf mit dem Drachen</h2>
<p>Originär ist eine Legende eine religiöse Erzählung über das Leben bzw. Martyrium eines Heiligen. Kern ist eine wahre Begebenheit, um die herum sich gerade im Mittelalter weite Ausschmückungen legten. Um 1245 bis 1273 wurde vom Erzbischof Jacobus de Voragine die Legenda Aurea verfasst. Eine Sammlung von 182 Biografien, Lebens- und Legendengeschichten christlicher Heiliger aus diversen Quellen (wie der Kirchenväter Augustinus und Hieronymus). Diese wurde nach ihrer Drucklegung ab 1470 in vielen Übersetzungen und regionalen Erweiterungen das verbreitetste Volksbuch des Mittelalters. So hatte es starken Einfluss auf die Volksfrömmigkeit. Dazu trug die einfache Sprache und Kürze bei. Die Legenden des Jacobus waren für Jahrhunderte eine Quelle der Heiligenverehrung und der Ableitung der Heiligenattribute.</p>
<h3>Die Georgslegende In der Legenda Aurea</h3>
<p><em>Im See nahe Silena (heute Libyen) wohnte ein Drache. Er kam immer wieder vom See bis an die Mauern der Stadt und brüllte. Viele Bewohner sind dabei an seinem giftigen Atem gestorben. Um ihn von der Stadt fernzuhalten, beschlossen sie, ihm Schafe zu opfern. Als sie keine Tiere mehr hatten, waren sie bereit, auch Menschen zu opfern. Es wurde gelost, wer der nächste sein musste. Dann traf das Los die Tochter des Königs, Cleolinda. Der König bettelte, ihm seine Tochter zu lassen und bot dafür Gold, Silber und sein halbes Königreich an. Doch er fand kein Gehör und verzweifelte.</em></p>
<p><em>Der junge Ritter Georg tauchte auf, als die Königstochter am See vor der Stadt stand. Er fragte die Schöne, warum sie weine, und sie entgegnete: „Ritter, fliehe von diesem Ort. Gleich kommt der unersättliche Drache und wird dich auch fressen.“ Georg aber sprach: „Hab‘ keine Angst. Ich will dir helfen im Namen von Jesus Christus.“ Nach Gebet und Kreuzesgeste ritt er dem Drachen entgegen. Er rammte ihn mit seiner Lanze zu Boden. Dann rief er Cleolinda zu: „Hab‘ keine Angst. Lege dem Drachen deinen Gürtel um den Hals und führe ihn nach Silena hinein!“ Sie tat es und der Drache folgte ihr wie ein zahmer Hund in die Stadt.</em></p>
<p><em>Die Leute fürchteten sich so, dass sie zunächst in die Berge flohen. Georg rief hinter ihnen her: „Habt keine Angst. Gott hat mich geschickt, dass ich euch vom Drachen befreie. Glaubt an Jesus Christus und lasst euch taufen.“ Dann zog er sein Schwert und gab dem Drachen den Todesstoß. Die Bewohner der Stadt wurden froh über ihre Befreiung und der König und etwa 20.000 andere bekehrten sich zum Christentum und ließen sich taufen.</em></p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img decoding="async" width="920" height="930" src="https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2024/02/Georg-und-Cleolinda.jpg" alt="" title="Georg und Cleolinda" srcset="https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2024/02/Georg-und-Cleolinda.jpg 920w, https://krankenhausberater.de/wp-content/uploads/sites/2/2024/02/Georg-und-Cleolinda-480x485.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 920px, 100vw" class="wp-image-17137" /></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Der historische Georg</h2>
<p>Der kleinasiatische Märtyrer St. Georg entwickelte sich dank der Legenda Aurea zum berühmtesten Drachenkämpfer des Hoch- und Spätmittelalters. Wenn man die Legende des Heiligen Georgs ihres sagenhaften mittelalterlichen Beiwerks entledigt, bleibt das Gerüst der historischen Begebenheit, die Vorbild für die Legende war:</p>
<p>Belegt ist, dass der historische Georg um 283 in der heutigen Türkei geboren war. Er erlernte das Waffenhandwerk unter dem römischen Kaisers Diokletian, der Georgs Mut und Klugheit schätzte. Nachdem Georg aber seinen christlichen Glauben bekräftigte und sich für die Christen einsetzte, wurde er festgenommen, gefoltert und 305 als Märtyrer enthauptet. Die Grausamkeit des Martyriums, die vielen bezeugten Wunder während der unzähligen Folterungen und nach seinem Tode machten ihn zum Helden. Seine legendäre Glaubensstärke im Martyrium verbreitete sich im Römischen Reich.</p>
<p>Übersetzt ins Frühchristentum steht der Drache für die Christenverfolgung und der Drachenkampf für das Leiden im Martyrium. Georg stellt sich dem Dämonischen, das der Drache verkörpert, und überwindet es in Hingabe und Vertrauen zu Gott. Die Kraft des legendären Drachentöters beruht auf seinem Glauben, der ihm wie ein Schutzschild ist, das ihm Mut und Kraft verleiht. Die größte Gefahr für das Seelenheil ist nicht, am Dämonischen zu sterben, sondern zuzulassen, dass es den eigenen Charakter vergiftet. Mit seinem Lebenszeugnis gilt Georg Menschen als Glaubenszeuge und Mutmacher in Krisen, um an sich selbst und die Kraft der Liebe zu glauben und sie präsent im Herzen zu bewahren.[2]</p></div>
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				<h3 class="et_pb_toggle_title">Drachen im Christentum</h3>
				<div class="et_pb_toggle_content clearfix"><p style="font-weight: 400">Drachen wurden in mittelalterlichen Heldengeschichten regelrecht modern. Doch sind sie keineswegs Erfindungen des Mittelalters. <span>Der Drache ist eine alte kosmische Naturgewalt. Wie in vielen antiken Religionen und in die griechische Göttermythologie hat das Drachenungeheuer seinen Ursprung darin, dass die Menschen versuchten, angsteinflößende Naturphänomene zu verstehen und zu kontrollieren. </span><span>Es kam über die antiken Hochkulturen über das Judentum ins Christentum und den Islam. </span><span style="font-size: 16px">Christliche Drachenmythen sind so als archaische Bilder menschlicher Seelenängste bereits über die jüdische Geschichtsschreibung ins Alte Testament eingeflossen. </span></p>
<p style="font-weight: 400"><span style="font-size: 16px">Drachenkämpfe haben sich in der Bibel als Akt des Anfangs, als Chaos herrschte, und des Endes entwickelt.</span><span style="font-size: 16px"> Mit der Zuversicht, dass alle unheilvollen Mächte der Welt endgültig besiegt und vernichtet werden. So liegt der weltlichen Georgs-Legende das biblische Motiv des Erzengels Michael zugrunde, der beim Jüngsten Gericht gegen den großen Schlangendrachen kämpft, der Teufel oder Satan heißt und die Welt zum Ego-Denken verführt. Der Drachenkampf umschreibt die Läuterung vor dem Jüngsten Gericht zur Scheidung der Geister, als Mittel,  Reue, Versöhnung, Heil und Gerechtigkeit für die Entrechteten zu errichten. Es geht um nicht weniger als um den Sinn des Lebens, die letzten Fragen des Menschen: den Weg zu einem wahrhaftigen Menschen mit Liebe, Mut und Tatkraft zu gehen und sich selbst zu finden.</span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Die Heldinnenreise der Cleolinda</h2>
<p>Die Verletzungen der Menschheit durch ein seit Jahrtausenden patriarchal geprägtes externes kollektives Weltbild wirken bis heute. Die teils unreflektierte Unterwerfung unter autoritäre Moralinstanzen, Überrationalisierung und Abwertung emotionaler Attribute wie Einfühlungsvermögen und Feinfühligkeit gegenüber Ratio und Verstand haben Ihren Preis in der Welt. Sie haben den Menschen von seiner körperlichen, präsent empfindenden Seite entfernt und in ein geistiges Gefängnis des Denkens geführt. Der Zugang des Menschen zu seiner Ganzheit von Körper und Seele wurde gekappt. Der Verstand wird in einseitiger Überhöhung zum Problem, wenn ihm Bewusstheit und die einfühlende Verbindung fehlt. Denn erst im Einklang beider entfaltet sich das menschliche Potenzial des Menschen. Eckhart Tolle radikalisiert den Ego-Verstand gar als gefährlichstes Wesen auf unserem Planeten.</p>
<p>Dort wo Dogmatik das Denken bestimmt, ist die Verbindung zum offenen Herzen gekappt. Und wo das emotional-leibliche Wesen des Menschen versehrt ist, ist seine Ganzheit versehrt. <span>Wo Menschliches aber systematisch unterdrückt wird, verliert der Mensch sich selbst. Die Not entfaltet ein destruktives Schattendasein. Das Bewusstsein dafür führt zur Notwendigkeit der Selbstreflexion der eigenen Kultur und ihrer blinden Flecken.[3]</span></p></div>
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				<h3 class="et_pb_toggle_title">Patriarchales Weltbild in den monotheistischen Kulturen</h3>
				<div class="et_pb_toggle_content clearfix"><p style="font-weight: 400"><span>Die jüdische Bibel besteht aus zunächst mündlich überlieferten Geschichten die wie alle Menschheitsmythen Auslegungshilfen benötigen. Es geht um Erfahrung zum Bestehen von Lebens- und Glaubenskrisen, nicht selten verarbeiten sie traumatische Erlebnisse der Seele. Für spätere Generationen kann das fatal wirken, wenn in den Heiligen Schriften zur eigenen Aufrichtung das Andere verachtend abwerten und dies kontextunabhängig zum Dogma wird. </span><span style="font-size: 16px">Zum Überwinden matriarchaler antiker Religionen galt es für den Monotheismus den Machtanspruch des einen Gottes durchzusetzen. So wurden Unterwerfung unter das autoritäre Patriarchat gefordert und alles bekämpft, was nicht in die patriarchale Dogmatik passte. Um ihre antiken Traumata zu verarbeitet, erkoren die Israeliten die traditionellen Fruchtbarkeitskulte zum Feind und Sündenbock.</span></p>
<p style="font-weight: 400"><span style="font-size: 16px"><span>Bei der jahrhundertelangen Niederschrift der hebräischen Bibel wurden alten Mythen neu gedeutet. Dabei wird v.a. die männliche Herrschaft durch eine patriarchale Ordnung legitimiert. Die Darstellung wie bei Adam und Eva ist v.a. eine Polemik gegen den alten Fruchtbarkeitskult. Die Schlange wird Stimme der Versuchung, sich auf Emotionen und Triebe einzulassen und zum alten Kult zurückzukehren. Der Baum des Lebens, der im alten Kult eine Rolle spielte, wird ohne jegliche Rolle ins Paradies verpflanzt. Ihm wird der Baum der Erkenntnis gegenüber gestellt, um sittliches Bewusstsein über sexuelles Verlangen zu stellen. Das Verbot, von den Früchten zu essen, ist als Ermahnung zum Gehorsam zu &#8222;Jahwe allein&#8220; zu verstehen. </span></span><span>Eva, die den Mann sexuell verführt und so in sein Unheil stürzt, bringt das patriarchale Weltbild drastisch auf den Punkt.</span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h3>Matriarchale Lesart der Legende</h3>
<p>Die Vernichtung eines verteufelten Drachen ist Ausdruck einer patriarchal-heroischen Gesellschaft. Sie ist in Angst und Widerstand gegen das, was ist, in Sorge und einen Kampf ums Überleben verstrickt. Ergebnis sind Frauenvorbilder wie etwa Cleolinda – engelgleich fromme Frauen. Die junge Frau ist ohnmächtiges Opfer des bösartigen Untiers, bleibt passiv und wartet auf ihren Retter. Alles Böse in der Welt zu vernichten, ist illusorisch. Eine dualistische Denkweise vereinfacht die Welt gefährlich. Sie versöhnt nicht, sie führt den Unfrieden immer weiter fort. Gewalt erzeugt Gegengewalt.</p>
<p>Doch zwischen  den Zeilen der Legende lässt sich auch die Geschichte der jungen Cleolinda auf ihrer mutigen Heldinnenreise von der jungen zur gereiften Frau lesen: Sie war dem Menschenopfer für den Drachen geweiht und fand die Befreiung matriarchaler Ressourcen und ihren Weg der Selbstwerdung.</p>
<p>Joseph Campbell hat den psychologischen Weg der Individuation als Heldenreise eingeführt.[4] Die Heldenreise wurde später von diversen Therapeuten systematisch in Selbsterfahrungsprozessen &#8211; häufig in 7, 8 oder 12 Etappen &#8211; verarbeitet. Ihrem narrativen Schema folgen gängige dramaturgische Entwicklungsgeschichten bis heute &#8211; v.a. viele Hollywood-Filme, Songtexte, Bücherplots. Es ist die archetypische Erzählstruktur alter Mythen, die die menschliche Erfahrung von Transformation und Entwicklung des Bewusstseins spiegelt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Etappen der Heldinnnenreise Cleolindas</h3></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_toggle et_pb_toggle_2 et_pb_toggle_item  et_pb_toggle_close">
				
				
				
				
				<h3 class="et_pb_toggle_title">1. Herausforderung</h3>
				<div class="et_pb_toggle_content clearfix"><p>Die Stadtmauer stellt eine Schwelle dar, die dem Schutz vor Angreifern von außen dient. Die Bürger können sich zurückziehen und den Feind ausgrenzen. Die Grenzziehung und Trennung gibt nicht nur Schutz. Sie ist zudem identitätsbildend – da die Grenze ein Innen und ein Außen definiert: Wer bzw. was gehört dazu, wer bzw. was nicht. Innen gelten die Regeln der Monarchie. Der Drache kommt immer wieder an die Stadtmauer heran, doch er wird ausgeschlossen. Er brüllt in die Stadt hinein. Und da er seinen giftigen Atem in die Stadt haucht, sterben die Menschen daran. So zeichnen Leid und Tod das Königreich. Den Menschen ist nicht bewusst, dass die Grenzen und Regeln ihnen auch ein Gefängnis sind und ihre Freiheit Illusion ist.</p>
<p>Der grässliche Drache lebt im See, Symbol des tiefen stillen Unbewussten und des verdrängten Unterbewussten. Der aus dem See immer wieder an der Schwelle zur Stadt, zum menschlichen Alltag, auftauchende Drache erschreckt die Menschen und droht sie in seiner Not zu verschlingen. Also wurde beschlossen, Tieropfer an den See zu bringen, um ihn fernzuhalten. Und als es keine Tiere mehr gab, schreckte man auch vor Menschenopfern nicht zurück.[5] Sein Hunger kann kurzfristig abgespeist werden, aber das befriedet ihn auf Dauer nicht. Der Drache kommt immer wieder. Die Menschen verschießen ihr Herz immer mehr, um den Schmerz darüber nicht zu fühlen.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_toggle et_pb_toggle_3 et_pb_toggle_item  et_pb_toggle_close">
				
				
				
				
				<h3 class="et_pb_toggle_title">2. Aufbruch</h3>
				<div class="et_pb_toggle_content clearfix"><p>Als das Los Cleolinda trifft, unterwirft sich der König den Regeln. Es geht um das kollektiv herrschende Prinzip und um seine Funktion. In seinem Ego ist er von seiner Empfindsamkeit und Intuition abgeschnitten und handelt nicht als Vater für seine Tochter. Er bietet halbherzig seinen halben Besitz für seine Tochter. Am Ende nimmt er das Los hin. Weder gibt er alles, was er an Mitteln hat, noch steht er seiner Tochter bei. Sie muss ihren Weg nun alleine antreten. Von der Mutter ist keine Rede, das weibliche Prinzip fehlt. Mangels Bemutterung und Trost haben Menschen im Patriarchat nie gelernt, <span>ihrer Feinfühligkeit und ihren intuitiven Instinkten zu vertrauen. So sind sie in ihrer Abhängigkeit und Unbewusstheit gehorsam bereit, sich patriarchalen Bewertungen zu unterwerfen und lassen sich zu Sündenböcken machen. Sie opfern sich selbst.</span></p>
<p>Cleolinda kehrt sich von der Gesellschaft und ihrer Welt ab und bricht ohnmächtig und alleine auf zum See. Doch weder Selbstaufopferung noch Selbstmitleid helfen aus dem tiefen Minderwertigkeitsgefühl heraus. Sie sucht in der Tiefe der Seele das Heil &#8211; nicht mehr im Außen. Und so ist der Beginn ihrer Individuation, ihrer Lernreise. <span style="font-size: 16px">Das bisherige Ich-Konzept muss sterben, damit das Selbst aus den Trümmern auferstehen kann. Wachstum der Seele wird möglich, wenn Überholtes abstirbt. Sie hat ihr kindliches Gefällig-, Artig- und Folgsam-Sein abzulegen. Die Transformation braucht Cleolindas willentliches Zutun. Sie geht nun Ihren Weg, um das Verdunkelte und Verdrängte zu erleuchten.</span></p>
<p style="font-weight: 400"><span></span></p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_toggle et_pb_toggle_4 et_pb_toggle_item  et_pb_toggle_close">
				
				
				
				
				<h3 class="et_pb_toggle_title">3. Begegnung mit dem Widerstand &amp; dem Helfer in der Not</h3>
				<div class="et_pb_toggle_content clearfix"><p><span><span style="font-size: 16px">Im Moment größter innerer Not fällt Cleolinda eine ihr noch unbekannte Kraft zu. </span></span><span style="font-size: 16px">Der junge Ritter Georg trifft auf die Königstochter, als sie in ihrer Todesangst am See vor der Stadt steht. In der Stärke ihrer Gefühle fühlt sie sich selbst in ihrem Schmerz und ihrer Angst. Ihre Tränen, ihr Weinen, lassen sie ihre Lebendigkeit spüren. Sie geht durch die Trauer, stellt sich der Hausforderung und wartet auf den Drachen. Da stellt sich Georg ihr zur Seite und lässt sie ihre Not aussprechen. Er führt sie nun mit seiner Weisheit auf dem Weg zu sich selbst, um sie vom Drachen zu erlösen. Georg als <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/die-samariter-studie-der-einfluss-von-stressoren/">Helfer in der Not</a> repräsentiert als Archetyp der Seele die Stimme der göttlichen Mitte in uns. So wird er die Königstochter führen, immer mehr sie selbst zu sein und ihr heilvolles Potenzial zu leben.</span></p>
<p>Der Ritter reitet dem Drachen mit der Lanze entgegen. Die Lanze trifft den entscheidenden Punkt und macht ihn dingfest. So kann das Unheil besehen werden. Nun blicken Georg und Cleolinda dem Ungeheuer ins Gesicht, dem verdrängten Schmerz und den verdrängten Verletzungen. Der <span>Drache war so giftig, dass Menschen die Verbindung zu sich selbst kappen. Die Folgen sind Selbstwert- und Beziehungsprobleme. </span>Doch in der Stille des Hier und Jetzt gemeinsam besehen ist der Drache gar nicht mehr so giftig.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_toggle et_pb_toggle_5 et_pb_toggle_item  et_pb_toggle_close">
				
				
				
				
				<h3 class="et_pb_toggle_title">4. Loslassen und erste Schritte in die Autonomie</h3>
				<div class="et_pb_toggle_content clearfix"><p>Sie ist zur Außenseiterin der Gesellschaft geworden, ist dem Drachen entgegengetreten und auf einer Abenteuerreise zu sich selbst gelandet. Nun folgt sie inneren matriarchalen Urgesetzen. Wie in alten Mythen hat sie auf der Reise einen Seelenführer an ihrer Seite, der ihr einen stabilen Halt im Hier und Jetzt gibt, um den Drachen sicher besehen zu können. Cleolinda lässt dabei all ihren Schmerz, ihre Angst, ihre Traurigkeit los und nimmt wahr, was im Moment ist. Ihre Seele kennt den Ausweg: Georg bedeutet der Königstochter, den Drachen nun ans Halsband zu nehmen und Ceolinda vertraut. Die Prinzessin geht den Schritt und schafft einen neuen Rahmen: Sie stellt sich dem Drachen damit nicht mehr aufopfernd, sondern auf Augenhöhe. Sie ist entschieden und bereit, sich mit ihm auseinanderzusetzen und ihn zu bändigen.</p>
<p>Cleolinda handelt und gibt sich widerstandslos der Veränderung hin. Dass sie sich auf dem Weg selbst verwandelt, wird erst später offenbar. Sie legt dem Drachen ihren Gürtel um und schafft so ein direktes Band zwischen sich und dem Seeungeheuer. Und der Drache? Der folgt ihr besänftigt auf dem Fuße. In ihrem Tun erfährt sie Autonomie in der Verbindung, Selbstverantwortung und Selbstwert. In der ihr eigenen intuitiven Feinfühligkeit sieht Cleolinda den Drachen und erkennt sein Wesen. Seine Reaktion auf sie zeigt ihr ihre Drachenbändigerkraft, indem sie all den Schmerz und all das Verdrängte,  annimmt wie es ist. Der Drache ist Botschafter für Sie, die alten Emotionen und Bedürfnisse wahrzunehmen. Als sie die Botschaft gehört hat, hat der Drache seine Funktion erfüllt.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_toggle et_pb_toggle_6 et_pb_toggle_item  et_pb_toggle_close">
				
				
				
				
				<h3 class="et_pb_toggle_title">5. Transformation in sanfter Verbundenheit</h3>
				<div class="et_pb_toggle_content clearfix"><p><span>Bedürfnisse zu sehen, die im Mangel sind, führt immer mehr zu sich selbst und in den Frieden. Das Leben ist zu leben mit allen Licht- und Schattenseiten. Welche Kraft fließt dem Menschen aus der Entwirrung des Unschönen zu, dessen Auseinandersetzung er vermeiden wollte? Stellt sich der Mensch seiner Verletzlichkeit, legt er sein Ego ab, findet er seine Menschlichkeit wieder. Cleolinda erkennt die Schattenfigur mit all ihrem verdrängten Schmerz, der Preis des Lebens nach dem Willen anderer. Sieht und hört auf ihre tiefen Bedürfnisse. Dann verliert jeder Drache seine Macht. Wenn sie den Drachen in ihr Herz nimmt und würdigt, hat er viel zu sagen über ihre Not und löst sich in Nichts auf. So bändigt Cleolinda den Drachen und fühlt sich hinter dem getrösteten Schmerz selbst in der Tiefe. Sie erkennt, was sie verloren hatte: sich selbst. </span></p>
<p><span>Es war die Aufgabe des Drachen, sie an das Heilen ihrer Seele zu erinnern. </span><span style="font-size: 16px">Die ungestillten und ungetrösteten Bedürfnisse der Seele sind zu besehen, so dass das Selbst wieder befreit wird. Darum scheinen unangenehme </span><span style="font-size: 16px">Emotionen </span><span style="font-size: 16px">nur bedrohlich – solange sie nicht </span><span style="font-size: 16px">angenommen, gefühlt und getröstet </span><span style="font-size: 16px">werden. In der Umkehr, die den Schmerz ins Leben integriert und auf die heilende Kraft der Liebe vertraut, liegt eine willentliche Entscheidung. Die junge Frau entwächst ihrer infantilen Rolle der gehorsamen Tochter, um eine selbstbewusste Frau zu werden. Im Moment des Erwachens bekommt die Frau Zugang zur männlichen Tatkraft und zur weiblichen Empfindsamkeit und Feinfühligkeit. Sie erfährt einen festeren Stand in sich selbst und einen eigenen Platz im Leben. Der Drache folgt ihr sanft verbunden in die Stadt.</span></p>
<p style="font-weight: 400"></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_toggle et_pb_toggle_7 et_pb_toggle_item  et_pb_toggle_close">
				
				
				
				
				<h3 class="et_pb_toggle_title">6. Umkehr</h3>
				<div class="et_pb_toggle_content clearfix"><p>Zurück in der Alltagswelt der Stadt entscheidet sich in ihrem gewandelten Sein und Tun alles. Der Drache ist erlöst. Sie ist erlöst. <span>Wo Menschen sich in ihrer Verletzlichkeit zeigen, geschieht Magisches. </span>Der Drache, der auch ein kollektiver Schmerz von Silena ist, kann aus der Tiefe des Sees verschwinden. <span style="font-size: 16px">Durch das Wunder des besänftigten Drachens wollen Georg und Cleolinda den Bewohnern von Silenas ebensolche Erkenntnis bringen. </span><span>Mit Georgs Zuspruch, keine Angst zu haben, ihrer tiefsten Furcht ins Auge zu sehen, kommt es zur finalen Entscheidung. Die vor Angst aus der Stadt Fliehenden kehren um. Georg gibt dem Drachen den Todesstoß. Das Schwert scheidet die Geister vor den Augen aller Zeugen final. Und die</span><span style="font-size: 16px"> Bewohner lassen sich auf dem Fuße wandeln.</span></p>
<p style="font-weight: 400"><span>Die Menschen gehen den ersten Schritt der Umkehr. Der Augenblick, der verändert, ist die Trennung der Geister  – der Moment der inneren Erkenntnis.<sup>,</sup>Mauern fallen ein, die den Menschen vor Verletzung schützen sollen, ihn aber von seiner tiefen Menschlichkeit und Selbstverbindung trennen. Im Innersten ergriffen, wandeln sich Mensch und Weltordnung. Das überzeugte Volk am Beginn neuer innerer Freiheit lässt sich feierlich taufen. Auf ihrer Reise sind sie „von neuem geboren worden“. </span><span style="font-size: 16px">In dem Moment tiefer Entscheidung geschieht ein Wunder – das Wunder der Transformation, ein Bewusstseins-Wandel: die Erlösung des Drachens, der in seiner Hülle zusammenfällt. Die Traumatisierten heilen. Das Wunder der Wandlung geschieht im Innern. Die Menschen erfahren Kraft und Befreiung. Alles Leid und Übel haben nicht das letzte Wort.</span> <span></span></p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_toggle et_pb_toggle_8 et_pb_toggle_item  et_pb_toggle_close">
				
				
				
				
				<h3 class="et_pb_toggle_title">7. Lohn &amp; Schatz</h3>
				<div class="et_pb_toggle_content clearfix"><p><span>Joseph Campbell brachte auf den Punkt: &#8222;Der Raum, den du dich fürchtest zu betreten, hortet den Schatz, den du suchst.&#8220; Das eigentliche Wunder ist, wie ein Mensch auf den Weg zu sich selbst findet. Doch zu dieser Transformation braucht das willentliche Zutun des praktischen Tuns des ersten mutigen Schrittes, in dem wir Überholtes hinter uns lassen. Und im Rückblick erkennen wir, dass dies große Momente seelischen Wachstums waren. Schatten zu transformieren und zu integrieren, ist ein langer Weg der Bewusst- und Selbstwerdung. Die christliche Hoffnung, das Unheilvolle mit dem Guten zu besiegen, war zur Zeit Jesu und im frühen Christentum zur Zeit des Heiligen Georgs revolutionär. So machen wir uns verletzlich und werden fähig zum Frieden im Innern. Was der Mensch in Wahrheit sucht, wartet in ihm auf ihn.</span></p>
<p>Es gibt in der christlichen Legende nicht profane Trophäen zu erringen wie Geld, Macht und Heldenruhm. Sondern es geht um innere Vertiefung: Bewusstsein, Erkenntnis, Erleuchtung. Cleolinda und das ganze Königreich schließen sich dem Glaubenszeugnis Georgs an. <span style="font-weight: 400">Die Legenda aurea spricht von 20.000 g</span><span style="font-weight: 400">etauften Männern, </span><span style="font-weight: 400">andere Varianten</span><span style="font-weight: 400"> vervielfachen</span><span style="font-weight: 400"> die Zahl, um die Taufe des ganzen Königreiches</span><span style="font-weight: 400"> zu symbolisieren. Das Zum-Glauben-Kommen der Massen</span><span style="font-weight: 400"> ist </span><span style="font-weight: 400">Zielpunkt der Legende und des kollektiven inneren Geschehens. </span><span>Dann findet die Legende ein abruptes Ende. So erzeugt sie eine Leerstelle, um den Zuhörer selbst aufzurufen, sich zu entscheiden, aus seinem Inneren heraus zu leben. Der Kontext wird auf die ganze Welt und den Lauf der Geschichte ausgeweitet. Den Schatz, den es zu erringen gilt, ist der eigene innere Weg zu sich selbst. </span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h3>Das tiefenpsychologische Drama in der Seele des Menschen und im Kollektiv</h3>
<p>Beim traumatisierten Volk der Legende geht es auch um uns Zuhörer und Leser in unserem Leben im Hier und Jetzt. Schon viele Einwohner Silenas wurden dem Drachen geopfert – es ist ein Volk in Silena in existenzieller Angst. In einen größeren Kontext gestellt, geht es so um die kollektive Heldenreise der Menschheit in der Auseinandersetzung mit dem bestialischen Potenzial der <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/des-kaisers-ego-das-wahre-selbst-finden/">Welt, in der das Ego regiert</a>. Diese wird durch die Entscheidungen in der Seele des Einzelnen getragen. Um aus dem inneren Gefängnis heraus zu Freiheit und Bewusstheit zu gelangen. Der Drache, den wir auf andere Menschen projizieren, steckt in uns selbst. Er muss in uns erkannt, angenommen und sanft gebändigt werden. So erst werden wir zu Vergebung, Versöhnung und Frieden fähig. Der Weg der Transformation fordert die ganze Person.</p>
<p>Tiefenpsychologisch ist der Drachenkampf Ausdruck des Seelendramas: dem Auseinandersetzen des Menschen mit seinen existenziellen, noch nicht integrierten Ängsten und Traumata. Diesen alten unbewussten Muster muss er sich auf dem Weg zu sich selbst stellen. Die tiefenpsychologische Auslegung  fasst Georg, Cleolinda und den Drachen als Seelenanteile einer Person auf, Licht- und Schattenanteile, die in ihrer Gegenpoligkeit Spannung und Lebensenergie schaffen. Im Drachen sieht C. G. Jung das Archetyp verdrängter Anteile, die nicht gefühlt werden wollten. So werden sie wie Engel als Boten des Selbst und Vermittler zwischen dem Bewusstsein und des Unbewussten. Das Verdrängte und Komentsierte will angenommen, transformiert und ins Bewusstsein integriert werden. Dazu hilft nur ein mitfühlendes zartes Band der inneren Beziehung wie eine Nabelschnur zu knüpfen.[6]</p></div>
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				<h3 class="et_pb_toggle_title">Kollektiver Drache der deutschen Nachkriegsgeschichte</h3>
				<div class="et_pb_toggle_content clearfix"><p><span>Das vom Drachen beherrschte Land ist Symbol jeder inhumaner Diktatur, Unterdrückung und Gewalt. Schnell gewöhnt sich das Volk an die Herrschaft des Drachen und zahlt ihm den geforderten Tribut. Die Schrecken der beiden Weltkriege und der vielen Folgewirkungen sind <em>die</em> kollektiven und individuellen Drachen Deutschlands im 20. Jahrhundert. Besonders abgründig und gnadenlos zeigte sich das NS-System in der Verfolgung, Demütigung und Vernichtung von Nonkonformisten. Die Spitze der Bestialität zeigte es in den KZs. </span><span>Das überlebende Volk war tief traumatisiert und erlebte den völligen Zusammenbruch ihrer äußeren und inneren Welt.</span><span> Die Menschen waren orientierungslos, in Armut, Hunger, Sorge ums Nötigste. Und gequält von der Frage: </span><span>Wie konnte es zu einer solchen humanitären Katastrophe kommen, zur Entfesselung roher Aggressionen </span><span style="font-size: 16px">von Ungeheuern aus der Tiefe des Menschen.</span></p>
<p style="font-weight: 400"><span>Harry Stein beschreibt die brutale Realität des Konzentrationslagers, das die Tiefe des bestialischen Potenzials vom Menschen zum Ausdruck bringt, mit den Worten: „Die SS schuf ein System, in dem es gefährlich war, sich dem Nächsten zuzuwenden. Ein System, das den Menschen als soziales Wesen auslöschen sollte: seine Vorstellungen vom Zusammenleben zerstören, seine Mitmenschlichkeit austrocknen, seine Solidarität ersticken… Der Anspruch, zur Gattung Mensch zu gehören…, wurde dort infrage gestellt, wo die SS die menschliche Existenz als solche infrage stellte.“ Und </span><span>Bruno Apitz beschreibt die von Menschen exekutierte Hölle auf Erden im KZ Buchenwald in ihrer Bestialität schlicht: „Uns Überlebenden, die wir aus der Hölle, die mit Welt und Menschen nichts mehr zu tun hatte, zurückgekehrt sind, ist dieser Name ein Symbol des Grauens, der Inbegriff aller menschlichen Grausamkeit&#8220;. </span></p></div>
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				<h3 class="et_pb_toggle_title">Verdrängte Traumata schaffen transgenerationale Traumata</h3>
				<div class="et_pb_toggle_content clearfix"><p>Traumata geschehen. Trauma wird die im Körper und Nervensystem erstarrte Energie genannt, die in einer überwältigenden Situation mobilisiert wurde und nicht bewältigt werden konnte. Traumata haben viele Ursachen. Werden sie, da sie für Tabu erklärt sind, abgespalten, wirken sie im System unbewusst in die nächsten Generationen fort. Kinder mit traumatisierten Bezugspersonen sind mangels Co-Regulation für Retraumata anfällig. Sie brauchen stabilen Halt im Hier und Jetzt von anderer Seite, um Verbindung halten zu können und den Kreislauf zu unterbrechen. Mussten sie Wege finden, mit ihren Schmerzen selbst umzugehen ohne sie durchleben zu können, spalten sie Emotionen und Körperempfindungen ab. Um Nähe zu erhalten. Daher sind sie oft Meister der Rationalisierung oder Anpassung an Erwartungen anderer bis zur völligen Aufopferung ihres Selbstwertes.</p>
<p>Verdrängen – Dissoziierung oder Spaltung – hilft nur kurzfristig, um emotional zu überleben. Doch die Gefühle existieren weiter, außerhalb der bewussten Wahrnehmung. Fortan muss viel Energie verwendet werden, um die Verletzung des kindlichen Selbstwertes auszublenden. Allein der Körper speichert die Erfahrung und reagiert noch als Erwachsener emotional auf Auslöser, die die Erinnerungen berühren. Ihm sind dann seine irrationalen Verhalten unerklärlich. Scham oder Verachtung, Wut oder Trauer sind immer wieder Weckrufe, sich um innere Verletzungen zu kümmern. Es gibt keinen anderen Ausweg zur Heilung des verletzten Selbstwerts, als das Unterdrückte früher oder später anzusehen. Jeder Mensch muss Mitgefühl erst für sich selbst erleben und entwickeln, um es auch für andere entwickeln zu können.[7] Es ist der lange Weg zur Friedensfähigkeit des Menschen und der Menschheit.</p></div>
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				<h3 class="et_pb_toggle_title">Die Legende vom Drachentöter ist für die sanfte Trauma-Arbeit prädestiniert</h3>
				<div class="et_pb_toggle_content clearfix"><p>Im Drachen überlagern sich verdrängte individuelle und kollektive Schatten. Die Konzentrationslager im Dritten Reiches in Deutschland mit generationenlangen Folgen etwa zeigen, welch bestialische Gewaltpotenzial der Mensch zur gegenseitigen Verletzung in sich trägt. Entwürdigung, die nicht betrauert wurde, wiederholt sich durch unbewusst Verhalten. Was bleibt ist die Angst vor Kritik und weiterer Demütigung, ein Gefühl von Verachtung und Scham. Der Mensch verhält sich demütigend, obwohl er nichts mehr als das vermeiden will. Womöglich weist der hohe Anteil psychischer Krankheitsbilder in der Z-Generation als 4. Generation noch heute auf Langzeitfolgen emotionaler Verlorenheit der Nachkriegsgeneration und die transgenerationale Weitergabe der Traumafolgen hin? [8]</p>
<p>C. G. Jung hat das kollektive Unbewusste als Begriff geschaffen: Der Mensch ist untrennbarer Teil kollektiver Systeme mit individuellem Bewusstsein, aber verbundenem Nervensystem und ist so in ein höheres Ganzes mit hinein genommen. Damit das Kollektiv der Menschheit gegenüber dem Unheilvollen besteht, braucht es Beziehung, das offene Herz und Füreinander. Gerade wenn es um die Traumatisierung eines ganzen Volkes geht. Verdrängen und ins Unterbewusste ausgrenzen ist eine intelligente Überlebens- bzw. Kompensationsstrategie unseres Organismus, die das Weiterfunktionieren ermöglicht. Doch ist sie auf Dauer ein hoch energieverzehrender Prozess. So dass der Mensch früher oder später, wenn die Kraft nachlässt, immer wieder damit konfrontiert wird. Dem Verdrängten kann auch ein Volk als Ganzes nicht entgehen.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h3>Der Kampf mit dem Drachen findet in unserem Herzen statt</h3>
<p>Der Drache steckt in jedem Einzelnen: als verdrängte psychische Schmerzen, die als destruktive Kräfte im Unbewussten weiterwirken, auch wenn wir schon lange nicht mehr von ihren Auslösern wissen und sie gerne auf andere projizieren. Der Drache bleibt auf Dauer toxisch, solange er ein abgespaltenes Schattendasein fristet. Wenn der Mensch seine belastenden Gefühle annimmt und durchlebt, wie sie sind, ist das zunächst schrecklich. Doch nach und nach können sie in der Aufarbeitung beginnen, sich zu besänftigen und aufzulösen. Der Prozess geht in die Tiefe und braucht Zeit. Gelingt es uns, die Emotion zu halten wie sie ist und ihre Geschichte zu besehen, kann Heilung irgendwo auf dem Weg mit der Kraft der Selbstregeneration des Systems geschehen. Heilung und das Wiederfinden seiner vitalen Energie und innerer Frieden nach der Erlösung vom Trauma ist ein Wunder des Lebens.</p>
<p>Die Geschichte des Drachenkampfes hinter dem 1. Wortsinn vermittelt Zuversicht, Lebenskraft und enorme Resilienz, die hilft, trotz des sinnlosen Leids in der Welt zu leben und zu heilen. Freier Wille, Entscheidung und Verantwortung gehören zum Wesen des Menschen: er selbst kann ein Fluch oder Segen für die Welt sein. In seiner Freiheit ist er versucht, Schmerz zu vermeiden und dem eigenen Ego folgen. Es braucht den festen Willen des Menschen zu radikalem Frieden, um zu heilen. Und starke Waffen, um sich und die Welt zu schützen. Keine herkömmlichen Waffen, die noch nie die Spirale der Gewalt beendet haben – es braucht transzendente Waffen für wehrhafte Friedensstifter. Die vernichten und verletzten nicht, sie integrieren. Der Kampf ist konsequente Entschiedenheit zum Frieden. Die gehört zu den radikalen Lebenszeugnissen Jesus und darf in der christlichen Legende gelesen werden.</p>
<h3>Innerseelisches Geschehen</h3>
<p>Legenden sind wie die alten Menschheitsmythen auf der 2., der geistigen Wirklichkeitsebene zu lesen. Sie beinhalten Sprachbilder, die als Symbol für innerseelische Vorgänge stehen. So gelesen, ist die Erlösung des Drachens ein innerer Bewusstseins- und Entscheidungsakt. Es geht um seelische Entwicklung, um das Lassen von der Angst, um Vertrauen in das Leben, um Glaube und eine gewaltfreie Haltung. Es ist eine völlig andere Geschichte als die auf der wortwörtlichen 1. Sinnebene: Menschliches Leben ist an Leib und Seele so verletzlich. Im Annehmen und Durchleben tiefsten Schmerz kann eine neue Erfahrung entstehen. Wunderhaftes, das von innen wandelt. Der Mensch legt ein Stück Ego ab, um aufzustehen. Der Weg gleicht einer Heldenreise zu sich selbst, seinem fühlenden Herzen. Und es ist zugleich der Weg, Frieden in den Völkern der Welt zu schaffen.</p>
<p>Die Drachen haben ein anerkennenswertes Anliegen für das sie sich mit all ihrer Kraft einsetzen. Der Drache weist unermüdlich auf verdrängte Nöte, alte, nicht verarbeitete Gefühle, die aus dem Unterbewussten immer wieder den Menschen heimsuchen und quälen. Sie sind nur zu erlösen, wenn sie – präsent im Hier und jetzt – ins Leben integriert werden. Sie haben wichtige Botschaften, denn sie machen auf tiefe Sehnsüchte und unerfüllten Bedürfnisse des Herzens aufmerksam, um unser menschliches Potenzial zu entfalten.</p>
<h3>Unser heilvolles Potenzial &#8211; Friedensfähigkeit ist eine Entscheidung des Einzelnen</h3>
<p>Reflexion braucht das eigene Durchleben persönlicher Erfahrungen (beobachtendes Gewahrsein), um zu Erkenntnis zu führen. Die Kraft des festen Stands und die Treue zu sich selbst gibt das Selbstvertrauen, der inneren Stimme zu folgen. Dem Mut, autonom (aber nicht getrennt, sondern verbunden im System) von innen her zu fühlen. Für diesen Weg der Individuation braucht die traumatisierte Gesellschaft, die Wiedererinnerung an ihre matriarchale intuitive Empfindsamkeit und innere Weisheit. Der Mensch darf dem Takt seines Herzens folgen, achtsam zu seinem Körper und seinen emotionalen Zuständen sein, Schmerz besehen und ins Herz nehmen. Immer mehr das Selbst leben und mit seiner Geschichte seinen Platz und Sinn in der Welt zu finden.</p>
<p>Wer sich der Bedürfnisse seiner Seele und seinem Selbstwert bewusst wird, findet die Verbindung mit sich selbst. Der kann immer sanfter mit sich und seinen Grenzen umgehen und aus offenem Herzen heraus im Füreinander von sich selbst lassen. <span style="font-size: 16px;">Menschengeschöpfe können kulturelle Mythologien der Trennung und Abwertung überwinden und zu einer Kultur der Integration und des Füreinander finden. Uns Menschen macht das menschlich und friedensfähig. Frieden und Gewaltfreiheit – statt Trennung und Verurteilung – werden zum Weg der Hoffnung:[9] </span><span style="font-size: 16px;">Ein Einzelner allein kann wohl noch keinen Weltfrieden stiften. Aber alles, was ein Mensch in sich selbst in Frieden bringt, schafft mehr Frieden auf der Welt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
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<h4 style="line-height: 1.2;">[1] Vgl. Eberts, Elke (2023): <strong><a href="https://amzn.to/3OSQPRo">Der Kampf mit dem Drachen</a></strong>, Georg und Cleolinda, BoD Norderstedt. Der folgende Beitrag ist eine Zusammmenfassung.</h4>
<h4 style="line-height: 1.2;">[2] In Europa setzte die Verehrung des Heiligen Georgs zur Zeit der Kreuzzüge ein. Dass der Drachenkampf auf einen äußeren Kampf gegen Andersgläubige übertragen wurde, ist ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte.</h4>
<h4 style="line-height: 1.2;">[3] Vgl. Schröder, Friedrich (2023): <strong><a href="https://amzn.to/42LsORO">Die Femme Fatale in Märchen und Bibel</a></strong>, opus magnum. Durch die Kirchenväter Hieronymus (348-420) und Augustinus (354-430) wurden männliche Dominanz, Frauenfeindlichkeit, rigide Sexualitätsmoral und leibfeindliche Tendenzen des Christentums weiter bis in die Neuzeit geprägt. Die Deutungen fallen weit hinter die Botschaft Jesus &#8211; bis hin in einen bereits überwundenen Opferkult zurück. Die Schattenwirkungen leibfeindlicher Moralvorstellungen zeigen sich bis heute in scheußlicher Doppelmoral. Unterdrücktes sucht sich sein Ventil. Spätestens seit 2010 werden – nicht nur – im deutschen Katholizismus die unsäglichen Verbrechen von Missbrauch und deren Vertuschung auf breiter Front transparent. Hierarchische Strukturen, klassische Codes eines Männerbundes und Machtinsignien fördern Abhängigkeit. Klassische Dogmatik ist zu reflektieren, weiterzuentwickeln und religiösem Fundamentalismus jeder Nährboden zu entziehen.</h4>
<h4 style="line-height: 1.2;">[4] Vgl. Campbell, Joseph (2022): <strong><a href="https://amzn.to/3I5KYEf">Der Heros in tausend Gestalten:</a></strong> <span id="productTitle" class="a-size-extra-large celwidget" data-csa-c-id="q8nu1t-761lvb-4sd9m1-3on67x" data-cel-widget="productTitle">Das einflussreiche Standardwerk der Mythenforschung, </span>Insel Verlag, Neuübersetzung der Originalausgabe 1949. Mein <strong><a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/40-tage-fasten-sehnsucht-nach-der-mitte/">40-Tage-Fasten</a></strong> als persönliche Heldengeschichte.</h4>
<h4 style="line-height: 1.2;">[5] Die Legende greift die Abergläubigkeit der antiken Religionen und deren Kult auf. In den abrahamitischen Religionen werden ab dem 7.-8. Jahrhundert v. Chr. Tieropfergaben zweitrangig. Menschenopfer, die v.a. Kindsopfer zur Besänftigung der Götter waren, waren weitgehend früher aufgegeben worden. Im nordafrikanischen Karthago ist archäologisch erforscht, dass noch im 1. Jahrhundert vor Christus in Krisenzeiten den Göttern in großem Stil Kinder geopfert wurden.</h4>
<h4 style="line-height: 1.2;">[6] &#8222;Die weibliche Art, den Drachen zu bändigen, ist, ihn anzunehmen, ihn ins Herz zu nehmen.&#8220; Neumann, Erich (1971): <strong><a href="https://amzn.to/3wpL72Y">Amor und Psyche</a></strong>, Walter-Verlag.</h4>
<h4 style="line-height: 1.2;">[7] Selbstmitgefühl oder Selbstempathie sind im Gegensatz zur am Außen orientierten Ego-Fixierung an den Gefühlen im Innen orientiert. In mangelnder Selbstempathie liegt die Wurzel aller Verhärtung in uns. Wer sich selbst nicht fühlt, kann auch sein Gegenüber emotional nicht wahrnehmen und aus seiner Fülle geben. Vgl. <strong><a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/bernhard-von-clairvaux-die-schale-der-liebe/">Bernhard von Clairveauxs Brief zur &#8222;gefüllten Schale&#8220;</a></strong>. Sich emotional nicht mehr wahrzunehmen geschieht in dem Maße wie die Wahrnehmung des eigenen Körpers gekappt ist. Denn der Körper reflektiert unbewusst die Emotionen.</h4>
<h4 style="line-height: 1.2;">[8] Die Generation Z (1995-2009) leide stärker als jede andere vor ihr unter psychischen Problemen und mache damit auch den Weg frei für einen neuen Umgang damit. Vgl. Mühlhausen, Corinna (2022): <strong><a href="https://www.zukunftsinstitut.de/zukunftsthemen/generation-z-mental-imbalance-youth">Health Report</a>,</strong> Zukunftsinstitut GmbH, Frankfurt a.M.</h4>
<h4 style="line-height: 1.2;">[9] Vgl. Rosenberg, Marshall B. (2016): <strong><a href="https://amzn.to/49HF9st">Gewaltfreie Kommunikation</a></strong>. Eine Sprache des Lebens, Junfermann Verlag, Paderborn, 12. Auflage.</h4></div>
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			</div></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/georg-und-cleolinda-der-kampf-mit-dem-drachen/">Georg und Cleolinda: Der Kampf mit dem Drachen</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die wunderbare Reise: Der kleine Nils Holgersson und die Wildgänse</title>
		<link>https://krankenhausberater.de/impuls/news/die-wunderbare-reise-der-kleine-nils-holgersson-und-die-wildgaense/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elke &#38; Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Dec 2023 07:57:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Impulsgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die wunderbare Reise des kleinen Wicht Nils Holgersson mit den Wildgänsen aus 1906/ 1907 entführt uns in eine Welt des Füreinanders und der Versöhnung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://krankenhausberater.de/impuls/news/die-wunderbare-reise-der-kleine-nils-holgersson-und-die-wildgaense/">Die wunderbare Reise: Der kleine Nils Holgersson und die Wildgänse</a> erschien zuerst auf <a href="https://krankenhausberater.de">Krankenhausberater Ruhl Consulting</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_11 et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen ist eine der schönsten Geschichten in der Adventszeit. Denn die Erzählung rund um den kleinen Wicht aus 1906/ 1907 entführt uns in eine andere Welt der Liebe und Versöhnung und beschert uns besinnliche Stunden. Sie ist das vielleicht bekannteste Werk der berühmten schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf (1858-1940). [1] </strong></p>
<p><strong></strong></p>
<h2>Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson</h2>
<p><em>Auf einem Hof im Süden Schwedens lebt der 14-jährige Nils Holgersson. Nils quält und scheucht die Tiere des Hofes. Eines Tages wird Nils zur Strafe für einen bösen Streich an einem Wichtelmännchen selbst in einen Wichtel verwandelt. Die Hoftiere wollen sich nun am Jungen rächen. Nur die zahme Hausgans Martin nimmt Nils in Schutz. Martin will sich den Wildgänsen anschließen, die in diesen Tagen über die Ostsee kommen und zu ihren Brutgebieten in Lappland fliegen. Doch die Wildgänse verspotten Martin, statt ihn offen in ihren Schwarm aufzunehmen. So versucht Nils, den Gänserich mit ganzer Kraft am Abflug zu hindern. Doch Martin weiß, was er will und er hebt mit dem Jungen auf dem Rücken ab, schließt sich ungefragt dem Schwarm der Wildgänse an und reist mit ihm durch ganz Schweden. Bald schon hat Martin den Wildgänsen bewiesen, dass er ihnen nicht zur Last fällt und die Reise bestehen kann. </em></p>
<p><em>Nils hilft einigen Tieren in Not. Irgendwann erreicht die Anführerin des Vogelzugs die Nachricht, dass Nils nun zurückkehren und wieder ein Mensch werden kann. Aber Nils mag inzwischen sein neues Leben und will lieber mit den Wildgänsen weiterziehen. So erlebt er manches Abenteuer und bewährt sich Episode für Episode in vielen moralischen Konflikten. Als der Schwarm im Herbst die Rückreise aus Lappland antritt, machen Nils und Martin einen Stop auf dem Hof der Eltern. Die Eltern sind vom Kummer um ihren verschwundenen Sohn gezeichnet. Sie fangen den Gänserich, sind erleichtert, dass ihr Sohn ihn doch nicht gestohlen hat und wollen die Gans nun schlachten. Nils kann das nicht zulassen, Martin ist sein Freund. Er überwindet seine Scham, ein Wichtelmännchen zu sein, tritt dazwischen und wird in diesem Augenblick wieder ein Mensch.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Hintergrund des Romans Nils Holgersson</h3>
<p>Um 1900 gab der Verband der schwedischen Volksschullehrer eine Reihe neuer Lesebücher für die Schule in Auftrag. Mit dem Band über Land und Leute Schwedens wurde Selma Lagerlöf betraut, die damals schon eine der bekanntesten und angesehensten Schriftstellerinnen des Landes war. Grundlegend für den Roman ist dafür die Idee, Schweden aus der Vogelperspektive und so gerade die Schönheit der Landschaft anschaulich darzustellen. Dafür lässt sie ihren Protagonisten in einen Wichtel verwandeln und auf dem Rücken einer Gans durch Schweden fliegen. Dass das Wichtelmännchen festverwurzelter Bestandteil des schwedischen Volksglaubens ist, macht die Idee besonders reizvoll. Es werden verschiedene Motive wie Wetterkapriolen eingeführt, um den Zickzackkurs der Gänse zu motivieren bzw. die lehrbuchartige Anlage des Romans zu kaschieren.</p>
<p>Den zahmen Gänserich, der sich den Wildgänsen anschließt, gab es tatsächlich. Zur Zeit des Urgroßvaters Selma Lagerlöfs, Pastor Wennerwik, hatte sich im Frühling ein zahmer weißer Gänserich den ziehenden Wildgänsen angeschlossen und ist im Herbst mit Frau und sieben Kindern nach Hause zurückgekehrt. Nur wurde die historische Hausgans nicht gerettet. Alle neun Gänse wurden geschlachtet.</p>
<h3>Vom Bildungsroman zu einem Stück Weltliteratur</h3>
<p>Skandinavien, deutscher und angelsächsischer Sprachraum kultivieren seit gut 250 Jahren (Identitäts-) bildende Kinder- und Jugendliteratur. Das trägt zu Erziehung und gesellschaftlicher Sozialisierung bei und erkennt auch in aktuellen Themen [2] die Autonomie des Kindes an &#8211; bereits in einer Zeit als Eltern wenig verfügbar waren. Gerade Nils Holgersson gilt heute als Klassiker der Weltliteratur. Der Schreibstil war innovativ. Die einfachen Sätze erinnern an Legenden. Es war das erste literarische Werk in der modernen schwedischen Rechtschreibung von 1906 mit ihrer vereinfachten Schriftsprache. Die Nähe zu Magie und Phantasie und der repetitive Aufbau der Episoden mit z.B. vielen ähnelnden Fragen erinnern an Märchen. Der Stil war weder offen moralisierend noch belehrend. Das kam gut an. Bereits im ersten Jahr wurden neben den Schulauflage 100.000 Exemplare verkauft.</p>
<p>Nur die Schulbehörde störte sich an der unterhaltsamen märchenhaften Art und der Kirche fehlten explizit christliche Inhalte. Nils Holgersson ist ein heimatverbundener Abenteuerroman, der an die jugendliche Sehnsucht nach Ausbruch aus der Heimat anknüpft. Selma Lagerlöf stellt dem Buch zwei Texte voran, um den Sinn der Reise des kleinen Nils anzudeuten. Zum einen das patriotische Gedicht von Carl Snoilsky („Schwedens Karte“), in dem es heißt, dass ein Bild von Schweden in die Brust des Kindes gelegt und dort ein Leben lang bewahrt werden soll. Zum anderen ein Kirchenlied („Das christliche Tageslied“), in dem sich die Seele voll Freude wie ein Vogel zum Himmel erhebt. Neben Landeskunde geht es ihr um ethische Bildung. Während seiner Reise lernt Nils Verantwortung und Achtung für die Mitgeschöpfe zu übernehmen und zu Versöhnungen beizutragen.</p>
<h3>Die Weisheit der Wildgänse</h3>
<p>Trotz aller Technologieaffinität weist die Geschichte auch auf eine Rückbesinnung zur Natur. Gerade Wildgänse leben natürlich mit dem Rhythmus der Natur und der Jahreszeiten. Wildgänse fliegen in ihrer typischen synergetischen V-Formation im Schwarm in ihre saisonalen Quartiere. Der , Flügelschlag eines Vogels erzeugt für den je dahinter fliegenden eine tragende Thermik, die enorm energiesparend ist. Dadurch können die Schwärme wohl 70 Prozent weiterfliegen als ein Vogel alleine. Die kräftezehrende Position an der Spitze wird laufend mit rhythmischen Lauten des Schwarms angefeuert und immer wieder abgelöst. Kranke und geschwächte Vögel, die die Formation verlassen werden von zwei anderen Gänsen begleitet bis sie sich wieder erholt haben oder sterben. Eine beeindruckende soziale Leistung.</p>
<p>Da viele Szenen mit wunderhaften oder surrealen Momenten nachts spielen, wenn die Gänse schlafen, gibt es keine klare Trennung vom erlebter und geträumter, von äußerer und innerer Wirklichkeit.[3] Die Hausgans Martin ist schon auf dem Hof unabhängig von den andern Tieren, grenzt sich von den negativen Schwingen der anderen ab, lebt aus offenen Herzen, schöpft aus der innern Kraft und inneren Impulsen. Martin wird Nils zum Vertrauten, Begleiter und Freund. Nils lernt vom Gänserich, seiner inneren Führung zu folgen, sieht dass sie ein Teil des Ganzen ist und lernt zu empfinden, was die Gemeinschaft und die Mitwesen gerade brauchen. Mit Martins Hilfe kommt Nils zu neuen Perspektiven und Erfahrungen. In diesem Füreinander findet er den Weg zu sich selbst. Der Psychologie ihrer Zeit ist die Autorin mit der Abbildung des inneren Entwicklungsprozesses damit voraus. </p>
<h3>Narrativ einer Heldenreise des kleinen Nils</h3>
<p>Auf der Reise vom alten zum neuen Selbst geschieht die Veränderung in der Pubertät auf dem Weg. Im narrativen Schema vom Verlassen nicht nur der menschlichen Existenz, sondern auch des elterlichen Hofes wird zunächst die bisherige Identität und Sicherheit durch die Verwandlung in ein Wichtelmännchen jäh verloren. Nils tritt in eine unbekannte neue Welt ein und verwandelt sich selbst bis zur Rückkehr in die alte Heimat. Die Erzählstruktur folgt der gängigen Dramaturgie alter Mythen. Denn sie spiegelt die menschliche Erfahrung von Transformation und Entwicklung, die über die Zeit gerafft wird. Am Ende überwindet Nils alle Gefühle von Schuld und Scham seinen Eltern gegenüber und setzt sich für seinen Freund Martin ein. Seine Rückverwandlung in einen Menschen als Lohn steht dafür, dass er nun endgültig einen Platz in der Welt gefunden hat.</p>
<p>Die pädagogische Absicht der Erzählung wird realisiert, indem der entscheidende Bewusstseinsschritt von Nils Holgersson jedoch bereits unmittelbar nach seiner Verwandlung in einen Wichtel vollzogen wird. Nun sieht er Zusammenhänge neu und bekommt einen feineren Sinn. Sofort wird zu eine verantwortungs- und selbstbewussten, hilfsbereiten, selbstbewussten, lernbegierigen Jugendlichen und Rollenmodelll. Von ihm können Kinder fortan Werte wie Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft nun folgend in kleinen Episoden erfahren.</p>
<h3>Wichteln</h3>
<p>Wichtel oder Wichtelmännchen ist ein Diminutiv (Verniedlichung) von Wicht, einem Begriff, der im Altdeutschen allgemein für lebendes Geschöpf stand. Als Wichtel werden in Märchen, Sagen und Erzählungen Wesen bezeichnet, die von der Gestalt und Art her menschenähnlich sind, aber deutlich kleiner und in eigenen Gemeinschaften leben. Er wird nach den Brüdern Grimm fast ausschließlich in der Bedeutung von Kobold, Zwerg gebraucht.</p>
<p>Begrifflich abgeleitet ist der aus Skandinavien stammende Brauch des vorweihnachtlichen Wichtelns. Der ursprüngliche Brauch sah vor, dass das Geschenk den Beschenkten bis zu einem verabredeten Termin (oft in der Adventszeit) heimlich zugesteckt wird. Daher stammt der Bezug zum „Wichtel“, der nordischen Sagengestalt, die heimlich Gutes tut. Heutzutage werden die Geschenke meistens bei einer Feierlichkeit anonym ausgetauscht. Durch die zufällige Zuordnung von Schenkendem und Beschenktem werden alle Gruppenmitglieder gleichgestellt. Die Art der Geschenke wird vorher grob festgelegt. In der Regel steht die Originalität des Geschenkes im Vordergrund, nicht der materielle Wert.[4]</p>
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<h4>[1] 1909 erhielt sie als erste Frau den Nobelpreis für Literatur und 1914 wurde sie als erste Frau in die Schwedische Akademie aufgenommen. Ihr Œuvre umfasst religiöse, fantasievolle und heimatverbundene Werke und Kinderbücher.</h4>
<h4>[2] Um 1900 aktuelle Themen wie Armut, Kinderarbeit, Auswanderung sowie der Kampf für Volksgesundheit, Hygiene und gegen die Tuberkulose werden behandelt und Hoffnungen auf die zunehmende Industrialisierung gesetzt.</h4>
<h4>[3] Der Name der Leitgans Akka von Kebnekaise setzt sich aus den Namen zweier Berge in Lappland zusammen: Akka, manchmal auch „Königin Lapplands“ genannt, und Kebnekaise, dem höchsten Berg Schwedens. Akka bedeutet auf Samisch Mutter; auf Samisch und Finnisch Alte bzw. die Weise; der Begriff taucht sowohl in der samischen wie auch der finnischen Mythologie auf. Die Namen der anderen Gänse (Yksi, Kaksi, Kolme, Neljä, Viisi, Kuusi) sind die finnischen Zahlen von Eins bis Sechs.</h4>
<h4>[4] Eine Variante ist, dass der Beschenkt vorher noch gar nicht feststeht. Sondern, dass ein Würfel rundum geht und Teilnehmer, die eine Eins gewürfelt haben, sich ein Geschenk auswählen dürfen. Wenn alle ein Geschenk haben, wird zeitgleich ausgepackt. Danach wird nochmal z.B. zehn Minuten lang erneut gewürfelt. Bei festgelegten Zahlen (beispielsweise einer Eins und einer Sechs) muss man sein aktuelles Geschenk mit dem Geschenk eines anderen tauschen; bei einer Drei werden alle Geschenke an den jeweils rechten Nachbarn weitergegeben. Die zuvor festgelegte Zeit sorgt dafür, dass am Ende alle Teilnehmer ein zufälliges Geschenk haben.</h4></div>
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