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# 11. Paradoxon: Erwarten zu scheitern

von Jan 1, 2019Change Kompetenzen

Lernen vom Kleinkind: Wir können mit Rückschlägen rechnen und es erwarten zu scheitern. Erst wer in positiver Haltung annimmt was kommt, lässt sich auf tiefe Veränderung ein!

# 11. Paradoxon vom erwarten zu scheitern

Hochkonzentriert zieht sich das Kind nach oben. Mit den kleinen Fingern umklammert es die Kante des Couchtisches. Zentimeter um Zentimeter zieht es sich hoch. Steht am Ende auf seinen Füßen. Wackelig, aber fast aufrecht. Und dann… zack! Fällt es wieder hin. Sitzt auf dem Boden. Schon wieder. Alles umsonst. Vergeblich bemüht. Gescheitert… Was heißt das für das Kind? Dass es jetzt auf dem Boden sitzen bleibt? Dass es sich sagt: Stehen, gar laufen – das ist nichts für mich!!!? Einmal gescheitert, immer Verlierer? Natürlich nicht! Schon nach kurzer Zeit wird sich der kleine Mensch wieder aufraffen. Einen neuen Versuch starten. Bis er es irgendwann schafft. Und fest auf eigenen Beinen steht. Hinfallen, verlieren, scheitern – für das Kind gehört es ganz natürlich dazu. Es ist Teil des Prozesses, den es braucht, um zu lernen.

Alles ist schwer, bevor es leicht ist. Wir Erwachsene tun uns damit schwerer. Alle wollen erfolgreich sein – Rückschläge, Scheitern und Versagen einzugestehen, das passt nicht in dieses Bild. Und dabei kennen wir es doch alle. Jeder von uns hat Erfahrungen mit dem Scheitern gemacht. Sei es im Beruf, im Privatleben oder im Zusammenspiel von beiden. Rückschläge sind normal. Und diese Erfahrungen, behaupte wir, sind auch gut so für uns. Entwicklung erfolgt in Spiralen, nicht einem steilen Aufwärtspfad. Und aus den Erfahrungen des Selbst-Wideraufstehen-Könnens entsteht ein wahres Energiepotenzial.

Auch in Veränderungen in Ihrer Organisation. Da sehen wir oft Ähnliches, wie das, was wir beim Kleinkind beobachten. Nämlich, dass Menschen während der Veränderung ein unterschiedliches Maß an Vertrauen in sich selbst haben, das Ziel zu erreichen. Gerade nach der ersten Umsetzungsphase und den ersten Rückschlägen, fällt das Selbstvertrauen in den Keller. Wenn z.B. bei einer neuen Operations-Methode Unsicherheit im Zusammenspiel des OP-Teams entsteht. Das ist die kritischste Phase im Projekt. Dann ist die Frage: Wie gehen die Protagonisten damit um? Stehen sie wieder auf und bleiben dran? So wenig wie wir die Rückschläge wollen, so wichtig sind sie. Wenn wir sie erwarten und in einer positiven Haltung annehmen, dann sind wir mitten in der Veränderung und lassen uns in der Tiefe auf sie ein. So funktioniert Veränderung.

Mit diesem Verständnis können wir Scheitern aus seiner geistigen Verbannung befreien. So, wie das Kind sein Ziel nicht aus den Augen verliert, dürfen auch wir neuen Anlauf nehmen. Uns wieder und wieder an den Tischkanten des Lebens hochziehen. Veränderung braucht Zeit. Wenn wir uns dessen bewusst sind, braucht sie vermutlich weniger Zeit. Und am Ende werden wir wissen, wie wir es schaffen, fest zu stehen.

Selbstreflexion zum Change

Nehmen Sie den gerade gelesenen Impuls auf und denken Sie an einen eigenen Konflikt, der Ihnen zeigt, hier will sich etwas entwickeln.
Gehen Sie dann zum Fragenkatalog und wählen Sie sich eine aus den vier Fragen zum Thema. Beantworten Sie sie schriftlich auf einem leeren Blatt. Wenn Sie gut im Schreibfluss sind, nehmen Sie auch noch eine zweite Frage zum Impuls vor. Sie sollten etwa 5-10 Minuten Zeit ohne Störung haben. Lassen Sie Ihre Gedanken frei fließen und notieren Sie, was Ihnen in den Sinn kommt ohne zu bewerten. Dann legen Sie das Blatt weg. Tauschen Sie sich in den nächsten Tagen mit jemanden dazu aus (so fassen Sie Ihre Gedanken in Worte). Und dann warten Sie ab, was das Unterbewusstsein für Sie über die Woche an die Oberfläche spült…