Playbook Psychologische Sicherheit: Wirksamer führen durch mehr Menschlichkeit.
Verlag Franz Vahlen, München.
Unter wachsendem Sparzwang tragen leere New-Work-Fassaden immer weniger. New Work wird pragmatisch in puncto Effizienz und Krisenfestigkeit weiterentwickelt. Es dreht sich im Kern immer mehr darum, dass Teams wirksam arbeiten können. Dass Psychologische Sicherheit der am stärksten erklärende Faktor für die Performance eines Teams ist, ist von Amy C. Edmondson und vielen empirischen Anschlussstudien hinlänglich belegt. Mitarbeiter und Teams können in einem Zustand das Beste geben, in dem sie sich sicher, unterstützt, respektiert fühlen. Dieses Buch liefert den Weg dahin in einen gut lesbaren Leitfaden mit praktischen, fast spielerischen Werkzeugen, die sofort und leicht umsetzbar sind. Und zeigt so wie jede Führungskraft den Rahmen für das Erleben Psychologischer Sicherheit gestalten kann. Denn zur Stabität in instabilen Zeiten braucht es genau solche Führungskräfte.
Der Begriff Playbook („Spielbuch“) stammt u.a. aus dem American Football. Dort ist ein Playbook die wichtigste Mappe des Teams: Es enthält die „Spielzüge“ (Plays), Taktiken und Strategien, die im Training einstudiert wurden und im Spiel wie auf Knopfdruck abrufbar sind. Jeder weiß dadurch genau, was er in einer bestimmten Situation zu tun hat. In diesem Buch wird der Begriff aus vielerlei Gründen verwendet:
- Wie ein Trainer, der für die Spielsituation einen Spielzug wählt, kann eine Führungskraft das Buch aufschlagen und gezielt einen situativ dienlichen Spielzug heraussuchen.
- Psychologische Sicherheit ist ein aktives Zusammenspiel im Team. Die Metapher verdeutlicht, dass Führungskraft und Team an ihren gemeinsamen Verhalten arbeiten.
- Fokus auf konkrete Spielzüge für die Praxis, die man wie eine Anleitung direkt im Arbeitsalltag umsetzen kann.
Die Spielzüge (Plays)
Das Playbook stellt auf 164 Seiten 25 Spielzüge vor, die psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz stärken und so dem Team helfen, Spitzenleistungen hervorzubringen. Je 5 Spielzüge sind zu einem „Spiel“ zusammengefasst und bilden damit ein Handlungsfeld ab. Jeder Spielzug ist klar strukturiert aufgebaut: Er enthält eine Erklärung zu Hintergrund und Wirkung (WARUM), eine Schritt-für-Schritt Anleitung, WIE man ihn konkret durchführt sowie eine kurze Zusammenfassung für den Alltagstransfer. So stellt jeder Spielzug eine in sich geschlossene, sofort anwendbare Mikro-Übung zum Verhalten dar.
| Spiel | Nr. | Spielzug |
1 – Mutig | 1 | Andere Sichtweisen willkommen heißen: »Was übersehe ich?« |
| 2 | Vielfältige Perspektiven erfragen: »Das ist eine Sichtweise. Wie könnte man es anders sehen?« | |
| 3 | Sich öffnen: Bringen Sie Ihre eigenen Emotionen zum Ausdruck | |
| 4 | Die Maske der Perfektion abnehmen: »Ich weiß es noch nicht.« | |
| 5 | Den Sinn für Humor bei der Arbeit fördern: Lachen Sie mehr (v.a. über sich selbst) | |
2 – Die Kunst | 6 | Zuhören, um zu verstehen: Entwickeln Sie die Gewohnheit, keine Antwort vorzubereiten |
| 7 | Wirklich präsent sein: Zähmen Sie Ihren herumwandernden Geist | |
| 8 | Das eigene Verständnis klären: Benennen Sie, was Sie gehört haben | |
| 9 | Auf Gefühle achten: Hören Sie, was nicht gesagt wird | |
| 10 | Neugierig bleiben: »Erzählen Sie mir mehr« | |
3 – Mit den | 11 | Raus aus der Verteidigungshaltung: Drücken Sie die Pause-Taste |
| 12 | Produktiv reagieren: Benennen Sie Ihre Emotionen | |
| 13 | Auf blinde Flecken achten: »Welche Geschichten erzähle ich mir selbst?« | |
| 14 | Die Herausforderung wertschätzen: Danken Sie anderen für ihren Mut | |
| 15 | Auf den Ideen anderer aufbauen: »Ja, und« | |
4 – Risiko & | 16 | Scheitern normalisieren: »Das ist neu für uns, also werden wir Misserfolge erleben« |
| 17 | Misserfolge als Lernchancen verstehen: »Interessant! Was können wir daraus lernen?« | |
| 18 | Unbehagen annehmen: Schwierige Emotionen willkommen heißen | |
| 19 | Lernverhalten vorleben: Fehler eingestehen und aus ihnen lernen | |
| 20 | Kontinuierliches Lernen feiern: Misserfolge ohne Schuldzuweisungen analysieren | |
5 – Inklusive Rituale gestalten
| 21 | Meetings effektiver gestalten: Bestimmen Sie einen »Inklusions-Booster« |
| 22 | Alle Stimmen respektieren: Stellen Sie die Regel auf, dass niemand unterbrochen wird | |
| 23 | Sich abwechseln: Keiner spricht ein zweites Mal, bevor nicht jeder ein erstes Mal gesprochen hat | |
| 24 | Die psychologische Sicherheit überprüfen: Feedback nach Meetings einholen | |
| 25 | Das Team wertschätzen: Dankbarkeit ausdrücken |
Drei Übungen als Impulse
Man muss das Buch nicht zwingend von vorne bis hinten lesen, sondern kann sich auch direkt einzelne Übungen herausgreifen. Lassen Sie sich von folgenden drei Impulsen Lust auf mehr machen….
| Spielzug | Spiel | Übung | Effekt |
Nr. 6 | Zuhören
| Achten Sie bei den nächsten Gesprächen & Meetings bewusst auf Ihre inneren Impulse, sobald jemand spricht. Legen Sie sich im Kopf schon ein Gegenargument, eine Lösung oder eigene Anekdote zurecht? Stoppen Sie den Impuls aktiv. Konzentrieren Sie sich nur darauf, die Perspektive des anderen zu erfassen, um ihn ganzheitlich zu verstehen. Pausiere Sie dann kurz (z.B. 3 Sekunden), bevor Sie antworten. | Es schafft Raum für den Sprechenden und seine Gedanken und verhindert das Gefühl bei ihm, abgekanzelt zu werden.
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Nr. 11 | Reaktionen
| Wenn Sie mit einem Fehler, Scheitern oder einer anderen schlechten Nachricht aus dem Team konfrontiert werden, steuern Sie ihre unmittelbare emotionale Reaktion: Bevor Sie etwas im Affekt sagen oder Ihnen Ihre Mimik entgleist, drücken Sie bewusst die Pause-Taste, atmen Sie tief durch und wählen Sie als Erstreaktion einen Standardsatz wie „Danke, dass Sie mir das so offen und frühzeitig sagen. Lassen Sie uns gemeinsam schauen, wie wir das lösen.“ | Die Erstreaktion der Führung prägt die Verteidigungshaltung der anderen Seite und ob Mitarbeiter in Zukunft Probleme gleich melden oder sie aus Angst lieber vertuschen.
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Nr. 21 | Inklusions-Rituale
| Jedes Team-Meeting mit einer kurzen Check-in-Runde (maximal 1–2 Minuten pro Person) beginnen, in der jeder reihum eine kurze Frage beantwortet. Z.B. „Was beschäftigt dich gerade?“ Wichtig ist, dass es keine Diskussionen oder Kommentare der anderen dazu gibt. | Jede Stimme wird direkt einmal gehört. Das baut Barrieren ab, sich im Weiteren aktiv einzubringen.
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Helbig, Karolin | Norman, Minette (2024): Playbook Psychologische Sicherheit: Wirksamer führen durch mehr Menschlichkeit. Verlag Franz Vahlen, München.
