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Scharmer, Claus Otto (3. Auflage 2013)

von Jul 1, 2014Buchtipps

Theorie U. Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik. Carl-Auer-Verlag, Heidelberg.

 

“Theorie U. Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik.” ist eine interessante Führungstheorie. Sie liefert viele Grundlagen für die Herausforderungen von Leitung, Führung und Management im 21. Jahrhundert. Entwickelt wurde sie über mehr als zehn Jahre von Otto Scharmer, dem Forscher am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). In der Theorie U hat er die über viele Jahre gewachsenen Erkenntnisse zusammengefasst.

Im Kern geht es ihm in unterschiedlichen Facetten immer wieder um die Überzeugung (vgl. Theorie U, S. 18): „Führung findet auf allen Ebenen statt, nicht nur an der Spitze eines Systems, denn jede wichtige Innovation hat etwas damit zu tun, die Dinge anders als in der Vergangenheit zu tun und nicht nur über neue Ideen zu reden… Führung setzt oft dann ein, wenn Menschen beginnen, sich mit dem zu verbinden, was sie wirklich sind, um ihre Rolle in der entstehenden Zukunft wahrzunehmen….“

So besagt die Theorie U: Wer die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen will, muss von der Zukunft lernen. Nach Scharmer neigen wir Menschen in Phasen des Umbruchs dazu, uns an alten Traditionen festhalten zu wollen. Wir lernen orientiert an der Vergangenheit. Das menschliche Denken setzt auf Gewohnheiten. Was einmal Erfolg hatte, bietet für die Zukunft Orientierung. Doch bei sich immer stärker ändernden Bedingungen und steigender Komplexität funktioniert Herkömmliches selten. Wer mehr vom gleichen macht, wird immer wieder das gleiche Ergebnis erhalten. Scharmer beschreitet daher einen anderen Weg. Seiner Theorie nach ist es möglich und nötig, aus der Zukunft und ihren Möglichkeiten zu lernen. Aus der sich gerade entwickelnden Zukunft. Was denkbar ist, ist erreichbar. Für dieses Lernen hat er einen eigenen Begriff entwickelt: „Presencing“. Presencing setzt sich zusammen aus „Presence“ (Anwesenheit) und „Sencing“ (Spüren). Die Grundlagen dafür beschreibt er ausführlich im 1. Teil seines Buches „Begegnung mit dem blinden Fleck”.

Im 2. Teil „Eintreten in das U-Feld“ beschreibt er die einzelnen Phasen des U-Prozesses. Der U-Prozess ist keine Art von Innovation oder Methode. Er ist ein Lernprozess, der sich in Schritten manifestiert. Diese Schritte können an einem U verdeutlicht werden. Sie umfassen das, was Individuen und Gruppen hilft, Muster der Vergangenheit loszulassen, eine im Entstehen begriffene Zukunftsmöglichkeit wahrzunehmen und aus dieser Wahrnehmung heraus zu handeln. In 7 Unterkapiteln beschreibt Scharmer die einzelnen Phasen durch das U-Feld:

  1. Downloaden – Abspulen alter Muster bewegen, einmal Bewährtes wird nicht mehr hinterfragt.
  2. Seeing – Hinsehen: Infragestellen des Bekannten.
  3. Sensing – Hinspüren: das Erspüren eines möglichen Neuen am Ende der Abwärtsbewegung.
  4. Presencing – Vergegenwärtigung: am Wendepunkt des U’s entsteht neues Wissen, losgelöst von alten Gewohnheitsmustern.
  5. Kristallisieren – Verdichten am Anfang der Aufwärtsbewegung des U’s.
  6. Prototyping – Erproben: Loslegen ohne große Konzepte vorab, ganz nach Schamers Grundsatz: frühes Scheitern führt zu schnellerem Lernen
  7. Performing – in die Welt bringen: steht am Ende des U’s

Im 3. Kapitel „Presencing – eine soziale Technik für die Führung von Innovationen“ geht Scharmer auf die Umsetzung von Presencing ein und verdeutlicht dies an praktischen Beispielen. So müssen Unternehmen z.B. Möglichkeitsräume schaffen, um neues Wissen zu generieren. Es ist die Verbindung zwischen explizitem  und impliziten Wissen, das im offenen Dialog Zukunftsräume schaffen kann. Dazu braucht es eine andere Art des Austausches. So verdeutlicht er am Beispiel Kommunikation die unterschiedlichen Schritte in das U hinein:

  1. Downloading: Im formellen Austausch wird gesagt, was erwartet wird und nicht, was man denkt. Alte Gedankenmuster werden bestätigt, es ändert sich nichts.
  2. Debatte: Fakten, Meinungen und Argumente werden ausgetauscht. Oft fehlt die Offenheit auf den anderen zuzugehen, um wirklich etwas zu ändern.
  3. Dialog: Bedeutet, die Welt aus der Perspektive des anderen wahrzunehmen und empathisch offen zu sein für den anderen. Gekoppelt mit der eigenen Wahrnehmung entstehen neue Möglichkeiten.
  4. Presencing: Neue Zusammenhänge werden erkannt und neue  Optionen zeichnen sich ab. Über die Grenzen der Organisation hinweg wird die Umwelt einbezogen.

Die methodische Aufbereitung einer Theorie für tiefe soziale Veränderungen ist ein Geschenk zur Bewältigung der Herausforderungen in der Postmoderne. Allerdings liefert Scharmer keine leichte Kost. Sein Buch „Theorie U: Von der Zukunft her führen“ verdichtet seinen über viele Jahre andauernden Forschungsprozess auf über 500 Seiten. Die Lektüre des Grundlagenwerkes ist komplex und abstrakt, so dass es für die meisten Führungkräfte wohl nicht leicht ohne Übersetzung in die Praxis umsetzbar ist.

Es gibt doch in jedem  Fall spannende Impulse für alle Führungskräfte, die offen sind für neue Wege jenseits bekannter Fakten. Vielfältige Unterlagen zum freien Download und weitere Informationen zur Theorie U finden Sie übrigens unter www.presencing.com.

Scharmer, C.O: Theorie U. Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik. Carl-Auer-Verlag, Heidelberg, 4. Auflage 2014.

 


 

Buchtipp – für noch mehr Inspiration

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Führungskräfte sind für die Entwicklung von Teams verantwortlich. Gerade sie leben daher von Nähe und Distanz, Reflexion und von immer neuen Anregungen. Wie z.B. davon, von Zeit zu Zeit ein Buch in die Hand zu nehmen. Für einen oft kleinen Preis erhalten Leser die über oft lange Jahre entfalteten Gedanken von Autoren zu einem Thema. Das ist ein Geschenk! Also lassen Sie sich von unserem Buchtipp inspirieren und persönlich bereichern. Z.T. genügt dafür schon eine Randnotiz. Z.T. ist aber gerade die vertiefte Einordnung der Texte, ihrer Autoren und deren Denkmodelle erhellend. Irrlehren verstricken sich in Widerspruch zu sich selbst. Und so trainieren Bücher im Zweifel den wachen Geist. Je freier der Kopf beim Lesen ist, umso leichter fällt es dabei, sich auf neues Denken einzulassen. Und umso leichter können daraus weitere Gedanken gedeihen. Davon hängt Verstehen ab. Vorgefasste Meinungen, ererbte und erworbene Ideen sind nicht einfach abzulegen. Dazu bedarf es der Offenheit dem Buch und dem Autor gegenüber. Wenn sich der Leser bewusst einlässt, wird sich sein Blickfeld weiten. Dazu braucht es auch Ruhe und Muse beim Lesen. Die einzelnen empfohlenen Bücher haben wir zum Reinlesen direkt mit den Buchansichten verknüpft. Viele Bücher sind heute übrigens auch als Hörbücher verfügbar… Viel Spaß und Freude mit unserem Buchtipp.

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