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Singer, Tania | Bloz, Matthias (2013)

von Mai 1, 2014Buchtipps

Mitgefühl in Alltag und Forschung. Trainingsprogramme, Stand der Wissenschaft und Erfahrungen der Praxis. EBook Max Planck Society, München.

Der Bewusstseinswandel hin zu empathischer Führung von sich selbst, anderen und Organisationen als Ganzes, ist uns bekanntlich ein Anliegen. Diesmal können wir Ihnen zu dem Thema ein interessantes Online-Buch vorstellen. Es ist das Ergebnis des Workshops „How to train Compassion“, der im Juli 2011 im Studio des Künstlers Olafur Eliasson in Berlin stattfand. Organisiert wurde der Workshop von der Abteilung Soziale Neurowissenschaft des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften unter der Leitung von Prof. Dr. Tania Singer. Forscher, Psychotherapeuten, buddhistische Mönche und Künstler kamen zusammen, um Mitgefühlstraining in all seiner Relevanz für die heutige Zeit und in verschiedensten Bereichen zu diskutieren. Am Ende des Workshops entwickelte sich der Wunsch der Beteiligten, das im Workshop zusammengetragene Wissen für die Öffentlichkeit frei verfügbar zu machen. Über diesen Link können Sie daher das entstandene eBook kostenfrei erhalten.

Das Buch beschreibt verschiedene Mitgefühlspraktiken aus unterschiedlichsten Perspektiven. Neben Erfahrungen in Schulen, in der Psychotherapie oder im Coaching gibt es auch ein Kapitel zu Erfahrungen in der Sterbebegleitung („Beeing with Dying“ vgl. S. 112). Auch enthält es einen Abschnitt zu Mitgefühl im Klinischen Umfeld („Mitgefühl im Klinischen Umfeld verstehen und kultivieren“ vgl. S. 219). Es werden zugrunde liegende theoretische Ansätze u.a. aus dem Buddhismus, der Psychologie oder aus evolutionärer Sicht vorgestellt. Die neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse werden präsentiert und Trainingsprogramme von Mitgefühl dargestellt. Das eBook beinhaltet nicht nur diverse von den Teilnehmern geschriebene Kapitel, sondern auch zahlreiche Videos der Autoren, Sound Collagen von Nathalie Singer und künstlerische Fotos von Olafur Eliasson und bietet somit ein lebendiges Lese- und Hörerlebnis.

Eine Grundthese des 1. Kapitels zu den Erfahrungen mit Mitgefühlstrainings ist, dass Mitgefühl – in unserem Verständnis synonym für Empathie – fast für jeden mehr oder weniger trainierbar ist. Dabei geht es weniger um die Schulung von etwas Neuem, als mehr um eine Möglichkeit, bereits in uns Vorhandenes wieder zu entdecken. Um sich dann mit sich und anderen zu verbinden. Zudem werden Werkzeuge für praktiziertes Mitgefühl vorgestellt.

Das 2. Kapitel befasst sich mit Konzepten von Mitgefühl. Ein Unterkapitel handelt z.B. von der Buddhistischen Perspektive auf Mitgefühl als der Weg zur Freiheit von Leid (alles ist mit allem verbunden). Besonders interessant ist auch das Kapitel über Mitgefühl im Klinischen Alltag und die Auseinandersetzung mit der in der westlichen Welt geprägten Kultur, Heilung ohne Zuwendung anzubieten. Dieses Unterkapitel stellt drei Perspektiven bezüglich Mitgefühl vor, die Ärzte laut der Autorin in der Ausbildung in mitfühlender Sterbebegleitung vermittelt werden können. Dabei werden zunächst verschiedene Arten des Mitgefühls beleuchtet, die für Ärzte und andere Berufsgruppen im klinischen Umfeld relevant sind.

Der 3. Teil des Buches widmet sich der wissenschaftlichen Perspektive auf Mitgefühl. Hierbei geht es u.a. um die Kunst des Selbstmitgefühls, das sich im inneren Dialog ausdrückt und wesentlich auf Achtsamkeit basiert sowie die Wahrnehmung der eigenen Grenzen und Bedürfnisse. Es wird aufgezeigt, wie positive Emotionen die seelische Gesundheit stärken und Mitgefühl als emotional/ motivierende Kraft in Balance bleibt.

Das 4. Kapitel schließt die Betrachtung mit konkreten Trainingsprogrammen für Mitgefühl und einem Appell: statt zu helfen und zu reparieren, gilt es, zu dienen und das Leben als Ganzes zu betrachten.

Tania Singer, Matthias Bloz (Hrsg.): Mitgefühl in Alltag und Forschung, eBook Max Planck Society, München. 1. Ausgabe 2013.

 


 

Buchtipp – für noch mehr Inspiration

Sich immer wieder fort- und weiter zu bilden ist v. a. für Kopfarbeiter wichtig. Zum einen wird in der vernetzten Welt Wissen in z.T. höchster Qualität offen im Web geteilt. So kann es in kürzester Zeit in diversen Kontexten neu verknüpft werden. Dazu leisten auch wir bewusst einen Beitrag. Zum anderen wird die Kommunikation von Mensch zu Mensch zentraler Anker. Das gibt dem Menschen Würde und lässt Wissen in die Umsetzung bringen.

Führungskräfte sind für die Entwicklung von Teams verantwortlich. Gerade sie leben daher von Nähe und Distanz, Reflexion und von immer neuen Anregungen. Wie z.B. davon, von Zeit zu Zeit ein Buch in die Hand zu nehmen. Für einen oft kleinen Preis erhalten Leser die über oft lange Jahre entfalteten Gedanken von Autoren zu einem Thema. Das ist ein Geschenk! Also lassen Sie sich von unserem Buchtipp inspirieren und persönlich bereichern. Z.T. genügt dafür schon eine Randnotiz. Z.T. ist aber gerade die vertiefte Einordnung der Texte, ihrer Autoren und deren Denkmodelle erhellend. Irrlehren verstricken sich in Widerspruch zu sich selbst. Und so trainieren Bücher im Zweifel den wachen Geist. Je freier der Kopf beim Lesen ist, umso leichter fällt es dabei, sich auf neues Denken einzulassen. Und umso leichter können daraus weitere Gedanken gedeihen. Davon hängt Verstehen ab. Vorgefasste Meinungen, ererbte und erworbene Ideen sind nicht einfach abzulegen. Dazu bedarf es der Offenheit dem Buch und dem Autor gegenüber. Wenn sich der Leser bewusst einlässt, wird sich sein Blickfeld weiten. Dazu braucht es auch Ruhe und Muse beim Lesen. Die einzelnen empfohlenen Bücher haben wir zum Reinlesen direkt mit den Buchansichten verknüpft. Viele Bücher sind heute übrigens auch als Hörbücher verfügbar… Viel Spaß und Freude mit unserem Buchtipp.

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