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# 10. Das Spannungsfeld der Pole

von Jan 1, 2019Change Kompetenzen

Lernen von den alten Märchen: Bringen Sie im Dualismus die simplen Gegensätze auf den Punkt. Wie Märchen ausgehen, wissen Sie ja: Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage!

# 10. Das Spannungsfeld im Dualismus

Die böse Hexe, die gute Fee. Der hinterlistige Zauberer, der dienstbare Geist. In den alten Märchen – da ist die Welt in klarer Ordnung. Da gibt es Gut und Böse. Hell und Dunkel. Und nichts dazwischen. Ganz einfach, ganz klar.

Sie und wir wissen: das wahre Leben ist differenzierter als im Dualismus. Licht und Schatten bedingen einander. Zwischen Schwarz und Weiß gibt es unzählige Farbtöne. Und doch hilft das Polarisieren gerade in das Chaos des Wandels Orientierung zu bringen. Modelle. Landkarten, Polaritäten sind nicht Realitäten, sondern Abgrenzungen. Unser Denken und Bewusstwerden funktioniert in Begriffen und Definitionen – das sind immer Abgrenzungen. Sie heben durch die Reduktion der Realität einen Aspekt hervor und machen Dinge dadurch fassbar. Wer Veränderungen auslösen will, braucht auch Mut zum Reduzieren. Im Extrem der Pole entsteht Erkenntnis. Ein Weg lässt sich klarer vor sich sehen. Ist das nicht populistisch? Stammtisch Stil? Schubladendenken auf die Spitze getrieben? Das ist es! Und es orientiert ungemein. Nicht zuletzt ist das ja auch der Sinn von Märchen.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einem Problem. Die Gründe sind schnell analysiert. Viele gute Gründe, warum die Situation ist, wie sie ist. Solange wir aber nur analysieren, kommen wir nicht ins Tun und es ändert sich nichts. Was wir dazu brauchen, ist eine deutliche Polarisierung, die uns emotional antriggert, und uns unbewusst ins Tun bringt. Z.B. wie gut sich die Lösung anfühlen wird. Da wollen wir hin! Das ist der Pol, der anzieht. Ein  “Schatten” Pol macht uns auf die anderen Seite aufmerksam, auf die wir unmerklich zusteuern – da wollen wir auf keinen Fall hin! Wenn die Pole klar und stark genug sind, treffen wir eine klare Entscheidung, die dem Unterbewusstsein den Weg ins Tun weist. Wir haben klar, was wir wollen und was nicht. Damit fangen wir an. Es geht dabei nicht um übergroße Schritte, nicht um 100%, sondern um Entschiedenheit mit Konsequenz und Dauer. Darum, die Dualität deutlich vor Augen zu haben – und sie zugleich im Handeln zu überwinden, so kommen wir in ein rechtes Maß. So wie bei Yin und Yan, Schwarz und Weiß. Das Gutes kann ja erst durch sein Fehlen erkannt werden. Man könnte sagen: Beide Pole sind nur extreme Ausprägungen auf der gleichen Skala.

Wenn wir Neues schaffen wollen, müssen wir wissen, was wir an Zuviel loslassen. Es hatte bis gestern seine guten Gründe. Wenn Sie mit Ihrem Team ins Morgen starten möchten, dann dürfen Sie bewusst haben, was Sie vom Gestern hinter sich lassen. Eine Veränderung wird nur dann gelingen, wenn sie einen klaren Unterschied macht zwischen dem Start und dem Ziel. Nur dann lässt sich ein Weg aufzeigen. Es geht darum, sich auf den Weg zu den Dingen hin zu machen. Und für den Anstoß braucht es gelegentlich gekonnte Schwarz/ Weiß Malerei. Bringen Sie die Gegensätze auf den Punkt! Wie Märchen ausgehen, wissen Sie ja: Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage…

Selbstreflexion zum Change

Nehmen Sie den gerade gelesenen Impuls auf und denken Sie an einen eigenen Konflikt, der Ihnen zeigt, hier will sich etwas entwickeln.
Gehen Sie dann zum Fragenkatalog und wählen Sie sich eine aus den vier Fragen zum Thema. Beantworten Sie sie schriftlich auf einem leeren Blatt. Wenn Sie gut im Schreibfluss sind, nehmen Sie auch noch eine zweite Frage zum Impuls vor. Sie sollten etwa 5-10 Minuten Zeit ohne Störung haben. Lassen Sie Ihre Gedanken frei fließen und notieren Sie, was Ihnen in den Sinn kommt ohne zu bewerten. Dann legen Sie das Blatt weg. Tauschen Sie sich in den nächsten Tagen mit jemanden dazu aus (so fassen Sie Ihre Gedanken in Worte). Und dann warten Sie ab, was das Unterbewusstsein für Sie über die Woche an die Oberfläche spült…