0621 | 44596656 info@ruhl-consulting.de

# 7. Raus aus der Klemme der Entscheidung

von Jan 1, 2019Change Kompetenzen

Lernen vom Wocheneinkauf: Wie helfen klare Regeln zur Entscheidung im Alltag? Nach dem Motto: Je weniger Optionen, umso weniger in der Klemme, desto weniger Stress!

# 7. Raus aus der Klemme der Entscheidung

Wieder Samstag. Wieder ist der Kühlschrank leer und für die Woche zu füllen. Finden Sie wöchentliche Großeinkäufe auch stressig? Eine Stunde lang den Einkaufswagen füllen? Da können andere noch so oft sagen, das sei eine Freude. Mich stresste früher allein schon der Gedanke. So ein Einkauf bedeutet ja nicht, entspannt zu bummeln. Wenn ich samstags unterwegs war, empfand ich wenig Muße. Im Gegenteil. Es sind Duzende von Entscheidungen zu fällen: die Milch von Landliebe, Bärenmarke oder doch die von Schwälbchen im Angebot? Der Joghurt mit der Ecke, den supersahnigen oder den mit Biosiegel? Entscheidungen über Entscheidungen. Die Werbespots laufen parallel im Kopf ab. Viele Wahlmöglichkeiten – und richtig gute noch dazu – erschöpfen. Am Ende brachte ich den Einkauf als Pflicht zu Ende. Und hatte mir selbst wieder bewiesen: „einfache“ Wocheneinkäufe sind einfach anstrengend.

Das Leben besteht in Wahrheit aus Folge von Wahlmöglichkeiten in jedem Moment aus Entscheidung. Diese Optionen weisen uns auf unsere Freiheit und zugleich unsere Selbstverantwortung hin. Was bedeutet das für Führungskräfte, die andere zum Wandel bewegen wollen? Vielleicht wollen Sie z.B. eine verbindliche Vereinbarung zur Visite durchsetzen. Ihre Mitarbeiter aber sind tagtäglich schon gestresst, weil z.B. neben der Visite das Telefon klingelt und Patienten ad hoc zu Untersuchungen abgerufen werden. Weil der Transportdienst zwei Stunden verspätet eintrifft und just in die Visite reinplatzt. Gleichzeitig kann die Visite nicht pünktlich starten, weil der Stationsarzt noch nicht mit der Durchsicht der Entlassbriefe fertig ist. Jede Störung fordert von dem betroffenen Mitarbeiter erneut eine Entscheidung: wie will er sich dazu positionieren? Auf der einen Seite steht die neue Vereinbarung. Auf der anderen Seite muss der Alltag souverän bewältigt werden. Jeder hat andere Erwartung.

Der Mitarbeiter erlebt den gleichen Stress wie ich beim Großeinkauf am Samstag: Eine Entscheidung nach der anderen. Dauernd muss er ad hoc Entscheidungen treffen. Und am Ende kostet das viel Kraft. Irgendwann wird Ihr Mitarbeiter den Wandel in Frage stellen, weil es einfach nicht von alleine geht. Denn nur der Status quo gibt ein Gefühl von Routine und Flow. Es fühlt sich vertraut an, spart Energie. Und zurückgekehrt zur Gewohnheit, muss ich mir keine Gedanken um die Alternativen machen und kann den Kopf ausschalten. Dann muss ich keine Wahl treffen. Das ist  einfach weniger anstrengend. Die Führung kann daher im Wandel erst einmal klare Wegweiser zum Verhalten geben. Das entlastet. Und deutlich machen, wo müssen wir wozu wie hin? Welche Schritte gehen wir? Um es im Alltag leicht zu machen, sich in die neue Richtung zu bewegen. Dazu braucht es klare Richtlinien, eindeutige Prioritäten, festgelegte Schritte. Mit solchen Regeln fallen die nötigen Entscheidungen leicht und sind erstaunlich wenig ermüdend.

So gehe ich heute den Wocheneinkauf viel spielerischer an. Z.B. mit klaren Prinzipien für jede Entscheidung, wie so wenig Verpackungsmüll, Plastik und Zucker wie möglich in Kauf zu nehmen. Lieblingsprodukte für jedes Familienmitglieder zu finden. Je weniger Optionen, desto weniger Stress. Am Ende des Tages ist es doch nur ein Einkauf…

Selbstreflexion zum Change

Nehmen Sie den gerade gelesenen Impuls auf und denken Sie an einen eigenen Konflikt, der Ihnen zeigt, hier will sich etwas entwickeln.
Gehen Sie dann zum Fragenkatalog und wählen Sie sich eine aus den vier Fragen zum Thema. Beantworten Sie sie schriftlich auf einem leeren Blatt. Wenn Sie gut im Schreibfluss sind, nehmen Sie auch noch eine zweite Frage zum Impuls vor. Sie sollten etwa 5-10 Minuten Zeit ohne Störung haben. Lassen Sie Ihre Gedanken frei fließen und notieren Sie, was Ihnen in den Sinn kommt ohne zu bewerten. Dann legen Sie das Blatt weg. Tauschen Sie sich in den nächsten Tagen mit jemanden dazu aus (so fassen Sie Ihre Gedanken in Worte). Und dann warten Sie ab, was das Unterbewusstsein für Sie über die Woche an die Oberfläche spült…