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Konditionierung der Affen im Käfig: Widerstand gegen Veränderung

von Nov. 1, 2014Impulsgeschichten

Treffen wir in einem System auf unerwartet starke Widerstände gegen Veränderungen, können implizite kollektive Gewohnheiten und Glaubenssätze dahinterstehen, wie die Parabel von den Affen und Bananen zeigt.

Kulturelle Identität entwickelt sich überwiegend unbewusst. Sie wird nicht beschlossen, sondern wächst oft über Generationen in gemeinsamen Erfahrungen, Erzählungen und Alltagspraktiken. Ihren Kern bildet eine kollektive Überzeugung, ein Mythos darüber, wer „wir” sind und was uns ausmacht. Aus dieser Grundüberzeugung leiten sich Traditionen ab. Ebenso entstehen daraus Werte und Tabus: Was einer Gemeinschaft wertvoll ist, wird durch klare Grenzen geschützt, indem bestimmte Handlungen als undenkbar gelten. Wo diese Grenzen nicht von selbst wirken, greifen Regeln, die das Verhalten verbindlich ordnen, und Sanktionen, die Abweichungen spürbar machen. So bildet sich Schicht um Schicht ein stabiles Gefüge, das Orientierung gibt und Zugehörigkeit stiftet. Seine Wirkung wird den Mitgliedern aber meist erst dann bewusst, wenn sie auf eine andere Kultur treffen oder die eigene sich verändert.

Wenn Sie in einem System auf Widerstände unvermuteter Wucht treffen, könnte es an impliziten kollektiven Gewohnheiten und Glaubenssätzen liegen. Widerstände schützen die eigenen Grenzen; sie zeigen, dass Tabus verletzt wurden. Auch wenn den Menschen u.a. seine Empathie und Selbstreflexion vom Affen unterscheiden, das ihn sein Verhalten moralisch hinterfragen lässt – die Parabel beschreibt anschaulich, wie durch Konditionierung tiefe Muster im System entstehen könnten: [*]

Experiment im Affenkäfig

Es geht um ein Experiment über die Teamfähigkeit von Affen. Der Aufbau war einfach: In einem Käfig befanden sich fünf Affen und eine Leiter. Oben auf der Leiter hingen Bananen. Als die Affen sie gesehen hatten, versuchten sie, sich die Bananen zu holen. Sobald ein Affe aber die Leiter bestieg, wurden die anderen vier mit Hochdruck mit kaltem Wasser bespritzt. Durch das Geschrei aufgeschreckt, ließ jeder Affe auf der Leiter unmittelbar von seinem Vorhaben ab. Den Affen wurde schnell bewusst, dass sie unangenehm begossen würden, sobald einer aus ihrer Gruppe auf die Leiter ging. So begannen die Affen, jeden Versuch eines anderen Affen dazu zu unterbinden. Wie? Ganz einfach: Man schlug ihn grün und blau. Nach mehreren Prügeln dieser Art verging auch dem letzten Affen die Lust, an die Bananen zu gelangen. Die Gruppe hatte sich daran gewöhnt, dass die leckeren Dinge unerreichbar sind.

Jetzt wurde der Aufbau des Experiments verändert. Man stellte das Wasser ab und tauschte einen der Affen aus. Der neue Affe versuchte an die Bananen zu gelangen. Was ihm schlecht bekam, denn er wurde sofort von den anderen Affen abgehalten und verprügelt. Der Neue versuchte es noch einige Male; doch immer mit demselben Ergebnis. So gab auch er die Bananen auf. Den Grund für die Prügel kannte er nicht. Ein weiterer Affe wurde ausgetauscht. Dem Neuen erging es ähnlich. Sein Vorgänger prügelte übrigens fleißig mit, obwohl er ja gar nicht wusste, warum er dies tat. Nach und nach tauschte man dann alle Affen aus – mit immer demselben Ergebnis. Alle Neuen wurden verprügelt und die Vorgänger prügelten mit. Am Ende waren fünf Affen im Käfig, die nie mit kaltem Wasser bespritzt worden sind. Nichts desto trotz kletterte keiner von ihnen auf die Leiter und holte sich die Bananen. 

Kritische Distanz

Wenn Affen wie Menschen redeten, hätte sie auf die Frage, warum sie jeden verprügeln, der an die Bananen will, sicher etwas wie folgt geantwortet: “Keine Ahnung. Das macht man hier eben so”. Machen wir uns nicht „zum Affen“. So effektiv die kulturelle Weitergabe von Wissen, Tradition und Erfahrung ist, es braucht auch das Hinterfragen der Dinge aus kritischer Distanz durch jemanden, der die Wucht des Widerstandes auf sich nimmt. Weil es der kollektiven Weiterentwicklung dient… und dann die leckeren Dinge erreichbar werden.

 

[*] Vgl. http://www.amazon.com/Competing-Future-Gary-Hamel/dp/0875847161. Wir weisen explizit darauf hin, dass wir uns hier voll und ganz an der „spaßigen“ Seite der Geschichte erfreuen können: Bei dem von Hamel/ Prahalad beschriebenen Experiment handelt sich um ein reines Gedankenexperiment, bei dem kein Tier von Wissenschaftlern gequält wurde und somit keine Gewalt ausgeübt wurde.