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Referenz Ansprechpartner: Hr. Dr. Ingo Spitczok von Brisinski, Fr. Dr. Freia Hahn und Fr. Ursula Robertz, Chefärzte, LVR Kinder- und Jugendpsychiatrie KJP Viersen, 2021-2022.

Ziel

Die 1961 eingerichtete Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie (kurz KJP) an der LVR-Klinik Viersen wurde zur größten ihrer Art in Deutschland. Dabei war die Vision der Gründer ein Zentrum überregionaler Versorgung für Kinder und Jugendliche mit differenzierten Angeboten für alle Krankheits- und Störungsbilder der KJP zu schaffen. Tagesabläufe, die Normalität vermittelten, sollten die Bedürfnisse der jungen Patienten in den Blick nehmen. Damals ein Novum. Nach und nach wurden Psycho-, Spiel- und Familientherapie in der KJP Viersen etabliert. Das „Viersener Therapiekonzept“ steht bis heute synonym für den Systemischen Therapieansatz.

Heute prägen bundesweit einzigartige Angebote das Spektrum der Klinik. Drei Chefärzte tragen das Erbe der KJP Viersen mit integrierten modernen Konzepten weiter in die Zukunft: Dr. Ingo Spitczok von Brisinski, Fr. Dr. Freia Hahn und Frau Ursula Robertz. Gerade Kinder verdienen soziale Zuwendung. Sie sind die Zukunft der Gesellschaft. Ihre psychischen Erkrankungen sind ihr trauriges Abbild. Veränderte Strukturen von Familien und sozialer Sicherung, aber auch Isolierungen durch Corona zeigen Wirkung. Mit heute 460 Betten, über 5.000 voll- und über 650 teilstationären sowie über 70.000 ambulanten Fällen p.a. arbeitet die KJP Viersen an der Auslastungsgrenze. Der Versorgungsbedarf ist hoch und die Wirksamkeit der Therapie bei Kindern und Jugendlichen unbestritten.

Im Psychiatrie Studium ist der Bereich der KJP bis heute nur eine Randnotiz.

Ärzte, die in der KJP arbeiten, haben sich aktiv für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entschieden. Diese Haltung ist im Tagtäglichen spürbar. Trotzdem ist gerade unter der stetig gestiegenen Belastung die Unzufriedenheit der Ärzte gewachsen. Überlastung erzeugt v.a. die Organisation des so g. Arztes vom Dienst auf dem Hauptgelände. Die Chefärzte wollten handeln. Da eine einfache Sachlösung, die zur allgemeinen Verbesserung der ärztlichen Situation dient, nicht auf der Hand lag, beauftragten sie 2021 ein Projekt „Neuorganisation der KJP-Dienste als partizipative Moderationslösung“. In dessen Zentrum steht eine gründliche Zufriedenheitsbefragung im ärztlichen Dienst.

Umsetzung in der KJP als ganzes und ihren drei Abteilungen

Die Befragung zur Zufriedenheit wurde 2021/ 2022 als Einzelinterviews mit den Ärzten der KJP durchgeführt. Teils in Präsenz, teils online. Sie fiel in eine Zeit, in der die Belastung und die Ausfälle in der KJP durch Corona sehr hoch waren. Die Beteiligung lag bei 59 %. Die Chefärzte haben persönlich um Teilnahme gebeten. Zugleich wurde die Freiwilligkeit betont  und dass die abzuleitenden Maßnahmen zügig in die Umsetzung gehen sollten. Insgesamt weisen die Ergebnisse als zentralen Schmerzpunkt auf die gestiegenen ad hoc Ausfälle, die massiv für ein kurzfristiges Einspringen in den Arzt vom Dienst sorgen. Zu wenige Ärzte nehmen aktiv am Dienstsystem teil, so dass dies den jeweiligen aktiven Arzt vom Dienst überlastet. Dies beeinträchtigt die Zufriedenheit und das gute Miteinander aller. Bei den kleinen Teams der Außenstellen ist die Last auch hoch, sodass hier keine vermehrte Unterstützung möglich ist.

Um die Zufriedenheit und Personalbindung der Ärzte in Weiterbildung am Standort weiter zu stärken, haben sich die Chefärzte der drei Abteilungen intensiv gemeinsam mit den Ergebnissen auseinandergesetzt. Sie haben zentrale Strukturen im Bereich der Personalaufgaben über die Kliniken der KJP beschlossen und diese definiert in die Hände ihrer drei Leitenden OberärztInnen gegeben. Information, Austausch, Transparenz und Klarheit soll dadurch gefördert werden. Ebenso soll auch dem Bedürfnis der Assistenten nach Anleitung und transparenter Struktur in einer Großklinik wie der KJP Viersen weiter Rechnung getragen werden.

V.a. standen dabei abteilungsübergreifend fünf Themenfelder im Fokus: von der Einarbeitung, Fort- und Weiterbildung, Urlaubsplanung und Rotation bis zur Begleitung inkl. Einführung in den Arzt vom Dienst, Dienstplan, Schulungen für den Arzt vom Dienst. Die konzeptionelle Ausarbeitung wurde von den den Leitenden Oberärztinnen vorgenommen unter Partizipation des Assistentenkreises in zwei Workshops.

Ergebnis der KJP

Die Kontinuität und der Prozess der Beteiligung ist Teil der Lösung. Über die gesamte Projektlaufzeit trafen sich die drei Chefärztinnen mit ihren unterschiedlichen Profilen abteilungsübergreifend in zweiwöchentlichen Strategiesitzungen. Das Thema Personal und die Identifikation der unterschiedlichen Generationen mit der KJP Viersen ist für sie das zentrale Anliegen. So stimmen sie sich in ihrer gemeinsamen Haltung und ihrer Zukunftsvision für die KJP Viersen ab. Zugleich lassen sie die Entscheidungen für die Alltagsorganisation im Tagesgeschäft. Es gelingt ihnen gemeinsam, es der Selbstorganisation ihrer Teams und ihrer jeweils leitenden Oberärzte überlassen, zentrale, fachübergreifende Strukturen der Personalführung zu implementieren. Mit ihren Oberärztinnen haben sie dazu die passenden Integrationsfiguren.

Referenz

ProjektArzt vom Dienst, Neuorganisation der KJP-Dienste als partizipative Moderationslösung.
Ansprechpartner: Hr. Dr. Ingo Spitczok von Brisinski, Fr. Dr. Freia Hahn, Fr. Ursula Robertz, Chefärztinnen, LVR Kinder- und Jugendpsychiatrie KJP Viersen.
Zeitraum: 2021-2022