Bregman, Rutger (2024): Moralische Ambition: Wie man aufhört, sein Talent zu vergeuden, und etwas schafft, das wirklich zählt, Rowohlt-Verlag, Hamburg
Rutger Bregman, geboren 1988, Historiker und Journalist, gilt als einer der prominentesten jungen Denker Europas. Bekannt ist er v.a. durch seine Spiegel Bestseller „Im Grunde gut, eine neue Geschichte der Menschheit.“ In „Moralische Ambition“ ruft der Autor dazu auf, die eigene Karriere an den drängenden Herausforderungen unserer Zeit auszurichten. Er rechnet mit einem zwinkernden Auge damit, die Generation Z damit wohl leichter zu erreichen als die älteren Generationen. Der Buchtitel, ist vom Autor als Mittel gegen die schlimmste Verschwendung unserer Zeit gemeint – nämlich gegen die Verschwendung des eigenen Talents im Job. Es ist ein Wille, mit Mut, Verantwortung und Sinn etwas zu bewirken und zu hinterlassen, was wirklich zählt.
Denn wie wir unsere Lebenszeit verbringen, ist eine unserer wichtigsten moralischen Fragen. Was wollen wir durch uns zu der Transformation beitragen, die Welt zu einem lebenswerten Ort zu machen? Ein eindrücklicher Appell. Dabei will Bregman mit seinem Buch mit radikalen Zielen und pragmatischen Umsetzungen helfen. Es gilt zu erkennen, was man wirklich kann, wo man gebraucht wird und wie man jetzt gleich aktiv werden kann. Dazu sind die Überschriften der 10 Buchkapitel im Imperativ formuliert.
Glücklich sein als Lebensziel?
Der Prolog beginnt mit einem Beitrag zur Hirnforschung: Die Neurowissenschaft hat 2001 im MRT das bis dahin höchstfrequente Niveau von Gammawellen gemessen. Diese deuten auf einen Zustand erhöhter Gehirnaktivität im Zustand erhöhten Bewusstseins. Der linke präfrontale Kortex (Glücksgefühl) brodelte vor Aktivität, während der rechte (negative Gedanken) inaktiv war. Dem Mönch Matthieu Ricard wurde daraufhin attestiert, das höchste unter Menschen bekannte Level der Gedankenkontrolle zu besitzen und der glücklichste Mann der Welt zu sein. Und das hat er sich redlich erarbeitet: 30 Jahre hat er sein Leben im Himalaja v.a. mit Meditationen und reinen Gedanken des Mitgefühls und der Nächstenliebe verbracht.
Rutger Bregman kommentiert es in Anlehnung an den Schriftsteller Leo Rosten (1908-1997) als nicht erstrebenswert, sein Leben damit zu verbringen, so wenig für andere und die Welt beizutragen. Das ist für Ihn Verschwendung von Lebenszeit. Einsatz zu zeigen sei unbequemer und enthalte oft weniger Trost. Doch dann könnte moralische Ambition entstehen. Wenn man sein Talent nicht nur zur Selbstverwirklichung widme. Oder zum Anhäufen von Reichtum in einem ausbeuterischem Kapitalismus. Sondern wenn man sich einer Aufgabe mit tieferem Sinn widme. Etwas für andere, für die Welt und ihre Zukunft beizutragen. Und da moralische Ambition ansteckend sei, genügten wenige Menschen, um Bemerkenswertes zu bewirken. Wer aufgefordert werde mitzuwirken, lasse sich überraschend leicht dafür gewinnen. Denn es füllt das eigene Leben.
Moralische Ambition ist sinnstiftend
Mit moralischer Ambition setzt man sein Talent bewusst dort ein, wo es echten Unterschied macht. Und man läuft nicht Gefahr, im „Bermuda Dreieck“ der Karriere zu enden. Viele Berufstätige stellten am Ende fest, immer nur den falschen Zielen anderer gefolgt zu sein.
Die gute Absicht alleine, Wesentliches zu fokussieren, genügt ihm nicht. Bregman geht geht es immer wieder um Handeln und Wirksamkeit.
Um zu inspirieren und seine Appelle mit einer Anleitung zu versehen, stützt sich Bregman auf Anekdoten historischer Persönlichkeiten, die für moralische Ziele kämpften. Die vielen Beispiele – von der Abschaffung der Sklaverei bis hin zu effektiven Maßnahmen gegen Malaria – geben dem Buch seine Substanz. Sie zeigen, wie klein diese Helden angefangen haben. Sie sind lediglich im rechten Morment entscheidende kleine Schritte gegangen, aus denen später Großes entstehen konnte. Man wird ganz einfach nur ein guter Mensch, weil man gute Dinge tut. Und so ist Bregmas Rat: die Schwelle zum Tun mit einfachen ersten Schritten herabsetzen; sich mit engagierten Gruppen zusammen tun; sich an der Wirkungen seiner Taten messen und seine Talente einsetzen, wo sie gebraucht werden. Man soll radikal bei der Zielsetzung und pragmatisch bei der Umsetzung sein.
Fazit
Max Roser attestiert dem Buch, das beste Mittel zu sein „gegen die Pessimisten und Zyniker, die glauben machen wollen, dass man gegen die Probleme unserer Zeit nichts ausrichten kann“. Bregman selbst meint, dass das Buch das Leben nicht leichter machen wird. Denn nach dem Lesen könne man nicht anders, als sein Leben zu ändern.
Rutger Bregman (2024): Moralische Ambition: Wie man aufhört, sein Talent zu vergeuden, und etwas schafft, das wirklich zählt, Rowohlt-Verlag, Hamburg.
