0621 | 44596656 info@ruhl-consulting.de

Referenz Ansprechpartner: Prof. Dr. Nikolaus Marx, Direktor Medizinische Klinik I, Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin, 2015

Ziel Arztassistenz

Spezialisierung, Arbeitsverdichtung und Komplexität in der Versorgung der Patienten nehmen zu. Ebenso die Personalnot, auch im Arztdienst. Immer besser ausgebildetes Pflegepersonal, das qualifizierte Tätigkeiten ausüben will, wirft die Frage der Organisation der Arztassistenz jenseits machtpolitischer Fragen neu auf. Langfristig gilt hier zu klären, wie der Weg gangbar ist: Delegation, Substitution oder Umallokation ärztlicher Tätigkeiten?

Im Pilotprojekt war das Anliegen, dass alle Beteiligten sich durch abgestimmte Zusammenarbeit so effektiv wie möglich für das gemeinsame Ziel einbringen. Während in der Pflege zur Entlastung von organisatorischen und administrativen Aufgaben schon länger spezialisiertes Personal einsetzt wurde, gab es ähnliche Konzepte an der Universitätsklinik im ärztlichen Dienst bislang nicht. Im Projekt sollte nun nichtärztliches Personal eingestellt werden, um gezielt Ärzte in ihren Abläufen zu entlasten. Ausgang des Projekts war, dass Ärzte heute sehr viele Tätigkeiten übernehmen, die weder ärztliche Vorbehaltsaufgabe sind noch ärztliches Wissen erfordern. Doch binden diese erhebliche Arbeitszeit. Bei jeder Arztrotation wird die Routine gestört und muss aufwändig von Neuem aufgebaut werden.

Umsetzung Arztassistenz

Zu Projektbeginn wurde zuerst das künftige Aufgabenprofil der neuen Funktion umrissen. Um die Funktion auch begrifflich von bereits vorhandenen wie z.B. StationssekretärIn, StationsassistentIn und Case- bzw. BettenmanagerIn abzugrenzen und den Fokus auf die Unterstützung der Ärzte zu betonen, wurde die Bezeichnung Arztassistenz gewählt. In mehreren Sitzungen wurde ein Handbuch für diese erarbeitet. Die einzelnen künftigen Aufgaben wurden priorisiert, mit den Tätigkeiten der anderen Funktionen und Berufsgruppen abgestimmt und verzahnt. Auch wurde vor der Einstellung ein Leitfaden zur Einarbeitung mit relevanten Inhalten für den ersten Monat in der neuen Funktion als Arztassistenz erstellt. Auswahl-, Instruktions- und Überwachungspflichten des verantwortlichen Oberarztes und der Organisation wurden aufgesetzt.

Ausgehend von dem künftigen Aufgabenprofil und dem Arbeitsaufkommen wurde der Bedarf an Vollkräften Arztassistenz ermittelt. Es ergab sich inkl. Vertretungskonzept ein Bedarf von vier Mitarbeitern, d.h. eine Arztassistenz je Pflegestation. Bedeutung wurde dem Auswahlprozess der künftigen Mitarbeiter gegeben. Vorab wurden relevante fachliche und persönliche Qualifikationen gesammelt und die Auswahl so gestaltet, dass beide Seiten einen guten Eindruck erhalten konnten.

Ergebnis Arztassistenz

Nach 6 Monaten haben sich die Arztassistenzen gut in die Abläufe der Stationen integriert. Die Ärzte berichten trotz Casemix- und Leistungsausweitung von einer spürbaren Entlastung. Auch die Arztassistenzen sind mit ihrer Funktion zufrieden. Für nichtärztliches Personal wie Pflegekräfte, Arzthelferinnen oder MFAs stellt die Funktion Arztassistenz ein attraktives Aufgabenfeld an der Schnittstelle zwischen Arzt und Patient dar.

Während die Ärzte zur Ausbildung aufgrund der Rotation auf Station regelmäßig wechseln und jeder Stationsarzt nur einen Teil der Patienten auf Station versorgt, sorgen die Arztassistenzen für Kontinuität in der Versorgung. Sie übernehmen Verantwortung für die Prozesse und haben dabei die gesamte Station im Blick. Die Pflege kompensiert weniger die Defizite im Stationsbetrieb, da die Aufgaben weiter geklärt sind. Dies trägt erheblich zur Entlastung auf Station bei.

Referenz

ProjektEinführung einer Arztassistenz, Uniklinik RWTH Aachen, Medizinische Klinik I
Ansprechpartner: Prof. Dr. Nikolaus Marx, Direktor der medizinischen Klinik I, Universitätsklinikum Aachen
Zeitraum: 2015