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Watzlawick, Paul (Buchklassiker von 1983, neuveröffentlicht ab 2007)

von Nov 1, 2012Buchtipps

Anleitung zum Unglücklichsein. Das Kultbuch von Paul Watzlawick mit Millionen-Auflage hält sich seit 1983 in den Bestsellerlisten. Piper Verlag GmbH, München.

 

Von Paul Watzlawick, einem der populärsten Theoretiker der menschlichen Kommunikation, stammen u.a. die 5 Grundaxiome der Kommunikation, die die menschliche Kommunikation erklären und ihre Paradoxie zeigen. „Man kann nicht nicht kommunizieren“ etwa lautet das erste der fünf Axiome.

Paul Watzlawick absolvierte seine psychologische Ausbildung bei C.G. Jung, ging dann aber nach Indien, wo er auf Jiddu Krishnamurti traf, durch den er zum Yoga fand und sich mehr der gegenwartsbezogene Sicht zu- und von der Psychoanalyse abwandte. Jungs Arbeit mit dem Unbewussten verknüpfte er mit der Gegenwartsbetrachtung. Als Paul Watzlawick 1960 in die Palo-Alto-Gruppe geholt wurde, kam mit Gregor Bateson und Juergen Ruesch zusammen, die sich schon länger mit paradoxer menschlicher Kommunikationen beschäftigten. In der Gruppe begann Watzlawick in der Arbeit mit schizophrenen Patienten an Kommunikation und systemischer Familientherapie zu arbeiten. Der neue systemische Ansatz hatte für ihn einen starken Reiz, v.a. in Bezug darauf,

  • auf der Situation im Jetzt und Hier zu basieren, wie die Menschen miteinander kommunizieren und dabei in Missverständnisse kommen können.
  • Symptome zu utilisieren und ihnen eine Funktion im System zu geben.
  • in Relationen und in der Arbeit an Beziehungen zu denken.

Auf dieser Basis entwickelte Paul Watzlawick bedeutende Beiträge zum gegenwartsbezogenen radikalen Konstruktivismus und zur Kommunikationstheorie. Seine konstruktivistischen Theorie lässt sich als ein System von sich gegenseitig beeinflussenden und wachsenden Beziehungen beschreiben. Kommunikation muss danach nicht nur Inhalt, sondern stets Kontext und Beziehungen zwischen den Beteiligten einbeziehen.

Der Klassiker von Paul Watzlawick (1921-2007) ist die „Anleitung zum Unglücklichsein“. Sie ist nicht nur ein Lesespaß, sondern ein Schatz an Metaphern, Witzen, hintergründigen Anekdoten, die zum Nachdenken  und Überdenken anregen. Lesen Sie dieses Buch von Paul Watzlawick genau mit dieser Perspektivenbrille.

Anbei zwei kleine Kostproben aus der Anleitung zum Unglücklichsein von Paul Watzlawick, die heute schon zum Allgemeingut zählen:

Die Geschichte mit dem Hammer

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüber zu gehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur flüchtig. Vielleicht war er in Eile? Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich? Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ICH gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er den Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich…

So stürmt der Mann hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: “Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“.

Daran anschließend stellt Paul Watzlawick eine Reihe von Übungen vor, um es in dieser negativen Imagination zur wahren Meisterschaft zu bringen. Das Kapitel endet mit den Worten:

Wer sich diesen Übungen gewidmet hat, kommt zur Einsicht, dass nicht nur der Mann mit dem Hammer, sondern auch der Durchschnittsbürger es fertigbringen kann, durch das besondere geistige Training zu einem Punkt zu gelangen, wo er eine schwierige Situation selbst erschafft, und doch keine Ahnung hat, sie selbst erschaffen zu haben. Hilflos dem Spiel unbeeinflussbarer Vorgänge ausgeliefert, kann er völlig glaubwürdig nach Herzenslust an ihnen leiden.

Wir halten unsere Gedanken für Tatsachen und konstruieren so unser Chaos in der Welt.

Die verscheuchten Elefanten

Hier beschreibt Paul Watzlawick einen Mann, der alle zehn Sekunden in die Hände klatscht. Nach dem Grund für sein merkwürdige Verhalten befragt, erklärt der Mann: „Um die Elefanten zu verscheuchen.“ Auf den Hinweis, es gebe hier doch gar keine Elefanten, antwortet der Mann: „Na, also sehen Sie!“ Der konsequente Versuch, ein Problem – z.B. mit Elefanten – zu vermeiden verewigt es im Unterbewussten nur.

Paul Watzlawick (2009):
Anleitung zum Unglücklichsein, 15. Auflage, Piper Verlag GmbH, München.

 


 

Buchtipp – für noch mehr Inspiration

Sich immer wieder fort- und weiter zu bilden ist v. a. für Kopfarbeiter wichtig. Zum einen wird in der vernetzten Welt Wissen in z.T. höchster Qualität offen im Web geteilt. So kann es in kürzester Zeit in diversen Kontexten neu verknüpft werden. Dazu leisten auch wir bewusst einen Beitrag. Zum anderen wird die Kommunikation von Mensch zu Mensch zentraler Anker. Das gibt dem Menschen Würde und lässt Wissen in die Umsetzung bringen.

Führungskräfte sind für die Entwicklung von Teams verantwortlich. Gerade sie leben daher von Nähe und Distanz, Reflexion und von immer neuen Anregungen. Wie z.B. davon, von Zeit zu Zeit ein Buch in die Hand zu nehmen. Für einen oft kleinen Preis erhalten Leser die über oft lange Jahre entfalteten Gedanken von Autoren zu einem Thema. Das ist ein Geschenk! Also lassen Sie sich von unserem Buchtipp inspirieren und persönlich bereichern. Z.T. genügt dafür schon eine Randnotiz. Z.T. ist aber gerade die vertiefte Einordnung der Texte, ihrer Autoren und deren Denkmodelle erhellend. Irrlehren verstricken sich in Widerspruch zu sich selbst. Und so trainieren Bücher im Zweifel den wachen Geist. Je freier der Kopf beim Lesen ist, umso leichter fällt es dabei, sich auf neues Denken einzulassen. Und umso leichter können daraus weitere Gedanken gedeihen. Davon hängt Verstehen ab. Vorgefasste Meinungen, ererbte und erworbene Ideen sind nicht einfach abzulegen. Dazu bedarf es der Offenheit dem Buch und dem Autor gegenüber. Wenn sich der Leser bewusst einlässt, wird sich sein Blickfeld weiten. Dazu braucht es auch Ruhe und Muse beim Lesen. Die einzelnen empfohlenen Bücher haben wir zum Reinlesen direkt mit den Buchansichten verknüpft. Viele Bücher sind heute übrigens auch als Hörbücher verfügbar… Viel Spaß und Freude mit unserem Buchtipp.

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