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Der andere Blick auf Leistung: Der Sprung in der Schüssel

von Feb 12, 2018Impulsgeschichten

Die Geschichte vom Sprung in der Schüssel transportiert schön, dass es soziale Leistung jenseits von Perfektion und Hochleistung gibt…

Wenn jemand zu uns sagt, dass wir einen Sprung in der Schüssel haben, dann ist das erst einmal alles andere als ein Kompliment. Die Redewendung will sagen, dass jemand nicht mehr ganz klar bei Verstand ist, nicht ganz dicht. Es liegt nahe, dass hier das Bild einer Keramikschüssel zugrunde liegt: Die Schüssel mit Sprung läuft aus bis sie leer ist – so wie dem anderen attestiert wird, nichts im Kopf zu haben. Für die technisierte Gesellschaft ist sowas doch kaum zu gebrauchen.

Doch der Schluss ist ja keine Notwendigkeit, sondern eine Haltung. Woran machen wir Sinn und Leistung fest? In der Regel wird Erfolg an sichtbare Ergebnisse geknüpft. Und mit sichtbar meinen wir oft messbar. Nach ihren messbaren Resultaten werden die Mitarbeiter beurteilt. So sind die Begriffe High- oder Low-Performer in der Welt des Managements gang und gäbe. Die Leistung – und da denken wir zuerst an Hochleistung und Perfektion – sichert die Zukunft der Organisation. Von daher rührt der Fokus auf die mess- und vergleichbare Leistung. Doch wenn wir nur auf Zahlen, Daten und Fakten blicken, versperren wir uns den Blick auf Qualitäten und Potenziale entlang des Weges. Wir versperren uns den Blick auf Talente, die positive Stimmung, das schöne Ambiente und vieles mehr. Auf die vielen kleinen Unterschiede, die am Ende des Tages einen immensen Unterschied machen.

Lassen Sie sich von folgendem Gleichnis vom Sprung und der Schüssel zu einem anderen Blick inspirieren:[1]

Sprung in der Schüssel

 Eine alte chinesische Frau trug eine Stange über ihren Schultern, an deren Enden zwei große Schüsseln hingen. Eine der Schüsseln hatte einen Sprung. Die andere war makellos und fasste stets eine volle Portion Wasser. Am Ende der Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau, war die Schüssel mit dem Sprung nur noch halb gefüllt. Zwei Jahre lang ging die Frau täglich mit ihren beiden Schüsseln zum Fluss, um Wasser zu schöpfen. Und jeden Tag brachte sie eine und eine halbe Schüssel Wasser mit nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich stolz auf ihre Leistung. Die Schüssel mit dem Sprung aber schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war. Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Frau: „Ich schäme mich so, wegen meines Sprungs, durch den den ganzen Weg bis zu deinem Haus Wasser rinnt.“

Die alte Frau lächelte und sprach weise: „Das Wasser im Haus genügt mir. Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, auf der anderen Seite aber nicht? – Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumen ausgesät, weil ich mir deines Sprungs bewusst war. Nun wässerst du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. In diesen zwei Jahren konnte ich wunderschöne Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und könnte nicht mein Haus beehren.“

Machen wir etwas Gutes mit dem „Sprung in unserer Schüssel“.

Das macht uns nicht zu einer perfekten Maschine, aber zu einem liebenswerten Menschen. Kein Mensch ist absolut perfekt. Der größte Fehler ist, sich für sein Unperfektsein zu schämen und die damit verbundene Aggression gar noch gegen sich selbst zu richten. Sehen wir lieber das Positive, das Menschliche in unseren vermeintlichen Defiziten.

Und erinnern wir uns daran, dass das Kintsugi („Goldflicken“), das Reparieren eines kaputt gegangenen Gefäßes mit Gold – nicht etwa mit einem durchsichtigen einfachen Kleber -, bei den Japanern seit mehr als sechs Jahrhunderten Tradition hat. So wird das Gefäß durch die Reparatur in seiner Geschichte gewürdigt und dadurch noch wertvoller. So wie auch das Leben immer Ganzheit und Bruch zugleich ist. Finden sich in unseren vermeintlichen Schwächen nicht allzu oft ebenso ganz einmalige Stärken… ? Und wenn Sie schwer mit Messbarkeit von Leistung klar kommen, könnten da Wege- bzw. Motto- oder Haltungsziele aktuell besser zu Ihrer Lage passen?Bei aller Reflexion sollten wir es nie verpassen, zu sein wie wir sind und den Duft und die Schönheit der Blumen auf unserem Pfad zu genießen.[3] Vor allem wenn mal wieder jemand meint, wir hätten einen Sprung in der Schüssel…

 

[1] Verfasser unbekannt.

[2] Vgl. auch die Schule der Tiere und die Leistungsformel.

[3] Vgl. Nöllke, Mathias (2011): In den Gärten des Managements. Für eine bessere Führungskultur. Haufe, Freiburg; Seligman, Martin (2012): Flourish. Wie Menschen aufblühen. Die positive Psychologie des gelingenden Lebens, Kösel-Verlag, München.

 


 

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