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Lerneinheit New Work – Von Erfolgsverhinderern Faulheit, Feigheit, Eitelkeit lösen

von Mrz 25, 2019Blogs

Warum bildet die Trias Faulheit, Feigheit und Eitelkeit gängige Erfolgsverhinderer für den Menschen dar? Sind die Ansätze von New Work dazu geeignet, diese hinter uns zu lassen und gemeinsam mehr im Sinne des Ganzen zu erreichen?

Würdigung des Sinns und Unsinns klassischer Erfolgsverhinderer

Bereits Immanuel Kant monierte die selbst verschuldete “Unmündigkeit” des unaufgeklärten Menschen, zu der er durch Faulheit und Feigheit verleitet werde:[1]

Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienenSelbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen… Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen, … dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.“ 

Die so offensichtlich „unsinnigen“ – da irrationalen – Erfolgsverhinderer von gemeinsamer Weiterentwicklung (zur Entfaltung des ganzen Potenzials) haben sich über die Jahrhunderte nicht verändert: Faulheit, Feigheit, Eitelkeit.

  • Aus Faulheit bzw. Bequemlichkeit vermeiden wir schwierige Themen und unliebsame Entscheidungen oder Taten lieber. Doch gerade außerhalb der Komfortzone der Gewohnheit findet Lernen statt.
  • Aus Feigheit bzw. mangels Mutes plappern wir Mehrheiten nach statt eigenen Überzeugungen zu folgen. Selbst zu reflektieren kostet Kraft, doch gibt es keine Abkürzung zur Weiterentwicklung, nur das Risiko zur Selbstverleugnung.
  • Aus Eitelkeit werden eigenen Interessen und Bedürfnisse – allen voran Sicherheit und Kontrolle – über die des Ganzen gestellt und Widerstand gegen Wandel forciert.

Vermeidung, Verleugnung, Widerstand werden häufig dann verwendet, wenn Unwille zum Wandel vermutet wird. Oft schwingt dabei mit, das sei falsch. Es klingt dann so, als fehle den Menschen (noch) etwas oder etwas sei mit ihnen nicht in Ordnung. Und die „richtige“ Art des Umganges mit schwierigen Themen, Entscheidungen oder Handlungen ist es nach dieser Auffassung, seine Komfortzone und die Angst zu verlassen und mutig über den eigenen Schatten zu springen, Faulheit, Feigheit, Eitelkeit zu überwinden.

Wer die Erfolgsverhinderer nicht zuerst auf sich selbst bezieht, steckt mitten in der Falle der eigenen Eitelkeit fest und der wird auch nicht empfinden können, welche Botschaft das Verhalten sendet und welche Bedürfnisse sich Menschen damit erfüllen. Wo also emotional der Sinn liegt. Faulheit, Feigheit, Eitelkeit als Wesenszüge, die der Selbsterhaltung dienen, bezeugen doch: Menschen möchten die bestehende Ruhe, Gelassenheit oder Entspannung bewahren und schützen diese Bedürfnisse. Meist benötigen sie einen sicheren Rahmen, um Ängste und Sorgen an sich heran zu lassen und sich etwaigen Veränderungen zu stellen. Einen Rahmen, in dem sie Vertrauen haben, dass das Gedachte und Gefühlte anerkannt und respektiert wird. Wo Verhalten positiv gewürdigt und kontextabhängig als Reaktion gesehen wird. Es braucht jemanden, der einen Raum des Vertrauens hält, damit Wandel möglich wird. Der nicht ein statisches und  pessimistisches Bild von faulen, feigen, eitlen Menschen hat.

Führungskunst in schnelllebigen Zeiten mit abflachenden Hierarchien

Führung gestaltet Räume des Miteinanders. Führung ist darum eine Kunst. In der Dynamik des praktischen Alltag braucht es flache Hierarchien, Begegnung, Kommunikation, Zusammenarbeit, um das eingeschliffene Inseldenken zu überwinden, das dem Erfolg des Ganzen im Wege steht:

  • Jede Abgrenzung von Teams – so als ob Rahmenstrukturen statisch wären – führt aus Sicht des Ganzen zu Friktionen in der Wertschöpfung bis hin zu kontraproduktivem Silodenken
  • Jede Schnittstelle schafft Reibungsverluste und benötigt Abstimmung

Daher verspricht sich die neue Arbeitswelt, neudeutsch New Work, viel von Bereichen übergreifenden Projekten und Netzwerken. Flache Strukturen alleine aber ändern keine Haltungen in der Zusammenarbeit und schaffen nicht automatisch den Erfolg.

New Work

Faktisch experimentieren Unternehmen mit den verschiedensten Spielarten einer neuen Arbeitswelt, deren gemeinsamer Nenner häufig ist

  • Abbau von Hierarchie und statischer Organisationsstrukturen durch partizipative Arbeitsweisen, v.a. durch agile und projektbasierte Organisationsformen.
  • Selbstorganisation und Dezentralisierung sowie ein hoher Fokus auf den Sinn der Arbeit.
  • Zeitliche und räumliche Flexibilisierung von Arbeit mit einer stärker ergebnis- statt zeitorientierten Bewertung von Arbeit.

Jeder Abbau von Hierarchie erhöht die Komplexität und braucht reifes Entscheiden und Handeln mündiger Einzelpersonen frei von Eigeninteressen, das sich an einem höheren gemeinsamen Sinn ausrichtet. Es braucht redliche Charaktere, die andere Menschen in Wort und Tat unterstützen statt ihnen zu schaden. Das Für- und Miteinander wäre völlig anders. Und ist es das nicht gerade, was die junge Generation sich wünscht? Wenige gut durchdachte Prozesse und Sanktionen als Rahmen statt so kleinteiligen Regeln und Vorschriften wie heute. Nicht frei interagierende Substrukturen verkörpern verhinderten Erfolg durch Zusammenarbeit – Faulheit, Feigheit, Eitelkeit.

Das bedeutet in der Führungskunst – als Leiter oder Teammitglied – sich aktiv einzusetzen, mutig, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich in den Dienst des Ganzen zu stellen. Oder um in den vier klassischen Tugenden der Antike zu sprechen:[2] Es braucht in der Führungskunst Tapferkeit, Weisheit, Gerechtigkeit und ein rechtes Maß. Das moderne New Work prangert so uralte Probleme an – wenn wenn auch in neuem Klein, mit neuem Bewusstsein und Nachdruck.

Und hat am Ende recht damit: Die alte Hierarchie stabilisiert die klassischen Erfolgsverhinderer durch die Übersimplifizierung von Entscheidungen und Diskussionen. Es gibt daher gar keine Alternative dazu, der alten Hierarchie ihre “Macht über Menschen” zu nehmen und eine Struktur einzusetzen, die Erfolg “mit den Menschen” möglich macht…

 

[1] Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung”, erschienen 1784.

[2] Tugenden beziehen sich auf innere Haltungen und Einstellungen. Paulus hat die vier Kardinaltugenden um die drei bekannten theologische Tugenden im Christentum ergänzt: Glaube, Liebe, Hoffnung. Psychologisch ist das die innere Haltung, mit der existenzielle Ängste überwunden werden können.


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