0621 | 44596656 info@ruhl-consulting.de

Salutogenese: Verstehen, Bewältigen, Sinn finden

von Jan 14, 2022Impulsgeschichten

Die Salutogenese nach Antonovsky erforschte, was Menschen resilient und gesund hält. Zentral dabei ist Stimmigkeit bzw. Kohärenz – durch Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit und Sinnhaftigkeit.

Antonovskys Modell der Salutogenese

Im Jahre 1970 führte der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky eine Untersuchung durch, die die Adaption von Frauen verschiedener ethnischer Gruppen in Israel an das Klimakterium beinhalten sollte. Aus dieser Studie wurde die Lehre der Salutogenese geboren. In der befragten Gruppe waren Frauen, die 1914-1923 in Mitteleuropa geboren worden waren und so 1939 zwischen 16-25 Jahre alt waren. Antonovsky hatte eher zufällig eine simple Ja/ Nein Frage zur Inhaftierung in einem Konzentrationslager (KZ) gestellt. Wie die Ergebnisse zeigten, verfügten 29 Prozent der Frauen, die ein KZ überlebt hatten, über eine gute psychische Gesundheit.

Antonovsky beschreibt: „Den absolut unvorstellbaren Horror des Lagers durchgestanden zu haben, anschließend jahrelang eine deplatzierte Person gewesen zu sein und sich dann ein neues Leben in einem Land neu aufgebaut zu haben… und dennoch in einem angemessenen Gesundheitszustand zu sein! Dies war für mich die dramatische Erfahrung, die mich bewusst auf den Weg brachte, das zu formulieren, was ich später als das salutogenetisches Modell bezeichnet habe […].“*

Diese Erfahrung brachte Antonovsky dazu sich auf Gesundheit zu konzentrieren. Salutogenese sollte erforschen, was dazu führt, dass Menschen sich auf der positiven Seite des Kontinuums von Gesundheit und Krankheit befinden.

Kohärenz: Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit, Sinnhaftigkeit

Antonovsky fand als Antwort: Ein starkes Gefühl von Stimmigkeit bzwKohärenz befähigt einen Menschen dazu, sich an die Umstände anzupassen und seine Ressourcen optimal auszuschöpfen. Antonovsky definiert Kohärenz über das Zusammenwirken folgender drei Komponenten:

  1. Verstehbarkeit: Ein Mensch, für den seine Umwelt kognitiv verstehbar ist, erlebt sie als geordnet, konsistent, erklärbar. Menschen, die Begründung finden, gehen davon aus, dass auch künftig überraschend eintretende Ereignisse rational eingeordnet und erklärt werden können.
  2. Bewältigbarkeit: Wie ein Mensch davon ausgeht, dass er selbst oder sein soziales Umfeld die Gegebenheiten bewältigen und verändern kann.
  3. Sinnhaftigkeit: Den Sinnbezug in der Einordnung in einen größeren Kontext sieht Antonovsky als entscheidend für die Stärke des Kohärenz. Menschen mit einem hohen Kohärenzgefühl haben Bereiche in ihrem Leben, in die zu investieren, ihnen wichtig ist.

Diese Kohärenz ist für die Gesundheit des Einzelnen nach traumatischen Erlebnissen bedeutend.

Zudem geben die 3 Prinzipien der Kohärenz auch Perspektiven an die Hand, um Menschen Vertrauen für Schritte ins Unplanbare und Unbekannte zu geben.

  1. Ist das Vorgehen verstehbar, erklärbar und vorhersehbar? 
    Gerade im Wandel ist die Verstehbarkeit des Was und Wie und die Hintergründe der Veränderung zentral. Wissen darüber gibt Orientierung.
  2. Sind Gestaltungsraum und Ressourcen zur Bewältigung vorhanden?
    Gestaltungsraum, Einflussmöglichkeiten, Ressourcen und Kompetenzen sowie Möglichkeiten, diese weiterzuentwickeln, machen handlungsfähig.
  3. Und das Wichtigste: Lohnt sich die Anstrengung? Macht es Sinn?
    Sind Sinnhaftigkeit und Bedeutsamkeit der Veränderung greifbar und anschlussfähig, dann lassen sich auch widrige Umstände besser ertragen.

Dahinter steht, sich mit seinen an- und unangenehm Gefühlen verbinden zu können, ohne sich von Ihnen abhängig zu machen oder zerstören zu lassen. Ohne das Kranke ist das Gesunde nicht zu erkennen, ohne das Dunkle nicht das Helle, ohne den Schmerz nicht das Glück. Nach der cusanischen Philosophie (Nikolaus von Clues, 1401-1464) fallen darum die Gegensätze auf einer höheren Ebene zusammen. Wie im Wertequadrat von Wert und Gegenwert nach Schulz von Thun ist das eine stets bereits im anderen enthalten.

Die Frage nach Verstehbar-, Bewältigbar- und Sinnhaftigkeit zeigt uns einen Weg auf, Gefühle lebendig zu halten und mit ihnen aus dem Stress in einen inneren Frieden zu kommen.

[*] Vgl. Antonovsky, Aaron (1997): Salutogenese. Zur Entmystifizierung von Gesundheit, dgvt-Verlag, Tübingen, S. 15

 


 

Inspiration teilen

Die digitale Zeit verändert unsere Welt. In der vernetzten Welt wird Wissen blitzschnell in z.T. höchster Qualität virtuell geteilt. Einfach nur ins Web gestellt. Es kann so in kürzester Zeit in immer neuen Kontexten neu verknüpft werden. Immer neue Inspiration, sich stetig fort- und weiterbilden, sind in der digitalen Zeit wichtig. Es gilt, der Reflexion und dem Abgleich der eigenen Sinne mit Anderen Raum zu geben. Dazu leisten auch wir bewusst einen Beitrag. Berater des  21. Jhd. verkaufen kein Wissen an sich. Sie verknüpfen Wissen mit Lösungen in der Praxis. Zum Nutzen des Kunden. Es ist ein transparentes und offenes Arbeiten an und für die Organisation in der realen Welt. Von Mensch zu Mensch.

Wir freuen uns, wenn es uns gefällt und Sie uns weiterempfehlen! Verpassen Sie keinen neuen Beitrag mehr und abonnieren Sie unseren Newsletter. So erhalten Sie automatisch viermal im Jahr unsere Veröffentlichungen des letzten Quartals auf einen Blick.