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Salutogenese: Verstehen, Bewältigen, Sinn finden

von Dez 15, 2014Impulsgeschichten

Die Salutogenese nach Antonovsky erforschte, was Menschen resilient und gesund hält. Dabei ist Stimmigkeit bzw. Kohärenz – durch Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit und Sinnhaftigkeit – zentral.

Kohärenz: Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit, Sinnhaftigkeit

Im Jahre 1970 führte der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky eine Untersuchung durch, die eigentlich die Adaption von Frauen verschiedener ethnischer Gruppen in Israel an das Klimakterium beinhalten sollte. Aus dieser Untersuchung heraus wurde die Lehre der Salutogenese geboren. In der Gruppe der untersuchten Frauen waren Frauen, die 1914-1923 in Mitteleuropa geboren worden waren und die somit 1939 zwischen 16 und 25 Jahren gewesen waren. Antonovsky hatte eher zufällig eine simple Ja/ Nein Frage zum Aufenthalt in einem Konzentrationslager (KZ) gestellt. Wie die Ergebnisse zeigten, verfügten 29 Prozent der Frauen, die ein KZ überlebt hatten, über eine gute psychische Gesundheit. Antonovsky beschreibt: „Den absolut unvorstellbaren Horror des Lagers durchgestanden zu haben, anschließend jahrelang eine deplatzierte Person gewesen zu sein und sich dann ein neues Leben in einem Land neu aufgebaut zu haben… und dennoch in einem angemessenen Gesundheitszustand zu sein! Dies war für mich die dramatische Erfahrung, die mich bewusst auf den Weg brachte, das zu formulieren, was ich später als das salutogenetisches Modell bezeichnet habe […].“*

Antonovskys Modell der Salutogenese

Diese Erfahrung brachte Antonovsky dazu sich auf Gesundheit zu konzentrieren und zu erforschen, was dazu führt, dass Menschen sich auf der positiven Seite des Kontinuums von Gesundheit und Krankheit befinden. Nach Antonovsky befähigt ein starkes Gefühl von Stimmigkeit bzwKohärenz einen Menschen dazu, sich an die Umstände anzupassen und seine Ressourcen optimal auszuschöpfen. Antonovsky definiert Kohärenz über das Zusammenwirken folgender drei Komponenten:
  1. Verstehbar: Ein Mensch, der seine Umwelt als kognitiv verstehbar einschätzt, erlebt sie als geordnet, konsistent, erklärbar. Menschen, die Begründung finden, gehen davon aus, dass auch künftig überraschend eintretende Ereignisse eingeordnet und erklärt werden können.
  2. Bewältigbar: Wie ein Mensch davon ausgeht, dass er selbst oder sein soziales Umfeld die Gegebenheiten bewältigen und verändern kann.
  3. Sinnhaft: Den Sinnbezug in der Einordnung in einen größeren Kontext sieht Antonovsky als entscheidend für die Stärke des Kohärenz. Menschen mit einem hohen Kohärenzgefühl haben Bereiche in ihrem Leben, in die zu investieren, ihnen wichtig ist.
Neben der Bedeutung, die diese Koärenz für die Gesundheit des Einzelnen hat, geben sie auch allgemeine Perspektiven an die Hand, um Kohärenzgefühl und Vertrauen bei der Gestaltung von Wandel zu stärken:
  • Sind die Ziele und das Vorgehen verstehbar, erklärbar und vorhersehbar?
Gerade im Wandel ist die Verstehbarkeit zentral. Dabei spielen nicht nur das Was, sondern auch das Wie eine große Rolle. Das Wissen über das Vorgehen gibt genauso Orientierung wie die Hintergründe und Ziele der Veränderung.
  • Sind Gestaltungsspielraum und Ressourcen vorhanden, um das Vorhaben zu bewältigen?
Auch die Frage der Bewältigbarkeit beinhaltet verschiedenes: Sind Gestaltungsspielraum und Einflussmöglichkeiten, Kompetenzen und Möglichkeiten, diese weiterzuentwickeln, vorhanden.
  • Lohnt es sich für den Einzelnen die Anstrengungen in Kauf zu nehmen. Macht es Sinn?
Die stärkste Komponente ist der Sinn. Sind Sinnhaftigkeit und Bedeutsamkeit der Veränderung greifbar und anschlussfähig, dann lassen sich auch widrige Umstände besser ertragen. Dahinter steht ein Ansatz, sich mit seinen Gefühlen im Positiven wie im Negativen zu verbinden, ohne sich von Ihnen abhängig zu machen oder sich von ihnen zerstören zu lassen. Ohne das Kranke ist das Gesunde nicht zu erkennen, ohne das Dunkle nicht das Helle, ohne den Schmerz nicht die Glückseligkeit, ohne die Tiefen nicht die Höhen, ohne das Yin nicht das Yan. Wie im Wertequadrat nach Schulz von Thun ist das eine stets bereits im anderen enthalten. Wir entscheiden, worauf wir unseren Fokus richten. Die Frage nach Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit und Sinnhaftigkeit zeigt uns einen Weg auf, Gefühle lebendig zu halten und mit ihnen aus dem Stress in einen inneren Frieden zu kommen.

[*] Vgl. Antonovsky, Aaron (1997): Salutogenese. Zur Entmystifizierung von Gesundheit, dgvt-Verlag, Tübingen, S. 15

 


 

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