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Meine Krankenschwester und ich: Loriot Dialog im Patientenzimmer

von Feb 15, 2014Impulsgeschichten

Wir möchten Sie zur Reflexion eines Loriot Dialogs einladen. Oder genauer: zum Schmunzeln über einen Dialog im Stile von Loriot. Dazu haben wir einen Dialog aus dem Patientenzimmer für Sie, der in Anlehnung an eine wahre Begebenheit* mit einem Augenzwinkern zeigt, was mit achtsamer Patienten zentrierter Kommunikation eben gerade nicht gemeint ist…

Loriot Dialog im Patientenzimmer

Krankenschwester: Jetzt nehmen wir unsere Tablette – und dann werden wir schön schlafen.
Patient: Warum nehmen wir denn die Tablette?

Krankenschwester: Das sagte ich doch eben – damit wir schön schlafen!
Patient: Ja, ist das denn erlaubt?

Krankenschwester: Was soll daran nicht erlaubt sein?
Patient: Ja, dass Sie jetzt ins Bett gehen!

Krankenschwester: Ich gehe doch jetzt nicht ins Bett. Ich habe Nachtdienst!
Patient: Um Gottes Willen, dann können Sie doch keine Schlaftablette nehmen!

Krankenschwester: Wie kommen Sie denn darauf, dass ich eine Tablette nehmen will?
Patient: Nein, nicht die Ganze, aber die Hälfte, und dann wollten wir schön schlafen!

Krankenschwester: Sagen Sie, ist Ihnen nicht gut? Haben Sie Fieber?
Patient: Mir ist gut. Sie sind gekommen und haben gesagt, wir wollten unsere Tablette nehmen. Ich hätte Ihnen ja auch die Hälfte abgegeben. Aber Sie haben ja Nachtdienst!

Krankenschwester: Das haben Sie vollkommen falsch verstanden!
Patient: Haben Sie denn keinen Nachtdienst?

Krankenschwester: Natürlich habe ich Nachtdienst. Deshalb bringe ich ja die Tablette!
Patient: Kriegen Sie das nicht ein bisschen durcheinander?

Krankenschwester: Ich kriege nichts durcheinander. Wir nehmen die Tablette. Dann machen wir das Licht aus.
Patient: Nein, bitte nicht, Schwester. 1. haben Sie Nachtdienst, 2. kann jemand reinkommen!

Krankenschwester: Ich glaube, wir müssen doch mal Fieber messen!
Patient: Ja, Sie zuerst!

Krankenschwester: Wieso ich?
Patient: Ja, also zuerst messen Sie Fieber und dann ich!

Krankenschwester: Warum denn ich?
Patient: Weil ich weiß, dass ich keins habe!

Krankenschwester: Dann wollen wir mal den Puls fühlen!
Patient: Gegenseitig?

Krankenschwester: Wenn Sie nicht vernünftig werden, müssen wir den Professor rufen!
Patient: Ich rufe nicht mit.

Krankenschwester: Nehmen Sie jetzt die Tablette oder nicht?
Patient: Wollen Sie nichts mehr abhaben?

Krankenschwester: Ich will, dass Sie jetzt die Tablette nehmen. Sich schön ausstrecken und zudecken. Und dann lange und tief schlafen. Und nun wünsche ich Ihnen eine recht gute Nacht!
Patient: Danke Schwester, das ist wirklich sehr lieb von Ihnen!

Krankenschwester: Ist doch selbstverständlich – wo wir doch morgen operiert werden…

 

Ein Loriot Dialog ist nicht Patienten zentriert 

Ein Loriot Dialog ist genau genommen das Gegenteil von einem Dialog. Weil dem anderen nicht zugehört und nicht wahrhaftig auf ihn eingegangen wird. Dialog – wie Martin Buber ihn definiert – setzt aber die Begegnung eines Ich und Du voraus. Aus der kann dann ein Wir werden.

Eine zugewandte Patienten zentrierte Kommunikation auf Augenhöhe ist wichtiger Teil einer als gut empfundenen Behandlung. Sie schafft Vertrauen beim Patienten, gut verstanden zu werden und hat so Einfluss auf das Urteil des Patienten über die Behandlung in der Klinik. TV Arztserien schüren hier zusätzlich Erwartungen auf Seiten der Patienten. Nicht immer gelingt im Alltag eine gute Kommunikation. Doch wenn es uns gelingt, Loriot Dialoge wahrzunehmen und über uns selbst zu schmunzeln und zu lachen, wenn uns etwas nicht so gut gelungen ist, dann gehen wir schon zu unserem Verhalten in Distanz. Lassen los. Können es verändern. Können uns öffnen dafür, wie wir in Zukunft richtig gute Gespräche mit Patienten führen, die echte Verbindung herstellen.

Es ist professionelle Verantwortung, in welcher Haltung ich in meiner Rolle dem anderen  begegne. Sehe ich ihn als Kranken mit seinen Sorgen, Ängsten und Bedürfnissen oder als ein Fall mit Krankenakte? Meine Haltung werde ich dem Patienten nonverbal unbewusst kommunizieren. Meinen Fokus auf den Menschen sollte ich schon vor dem Patientenzimmer ausrichten, nochmal meinen Stress abschütteln und mir das Ziel des Kontaktes klar machen. Um beim Eintritt in den Raum dem Anderen ganz im Moment zu begegnen. Mit einer offenen Frage starten, lässt Raum für die lebendigen Bedürfnisse des anderen. Weiß ich, wo der andere steht, kann ich ihn dort abholen und führen. Und wenn ein Gespräch zu führen ist, bei dem ich schlechte Nachrichten zu übermitteln habe, dann wird es mir leichter fallen, dem Patienten den notwendigen Schutzraum aufzubauen. 

* in Anlegung an Wolfgang Rompa

 


 

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