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Der kleine Prinz: Man sieht nur mit dem Herzen gut

von Feb 7, 2022Impulsgeschichten

Die märchenartige Erzählung „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944) begeistert seit seinem Erscheinen 1943 Generationen von Lesern. Bis heute wurde das Buch weltweit über 140 Millionen Mal verkauft und in über 480 Sprachen und Dialekte übersetzt. Damit ist es nach der Bibel das am zweitmeisten übersetzte literarische Werk. Eine der schönsten Werke der Weltliteratur lässt sich in der Kürze nacherzählen…

 

Ein Pilot muss in der Sahara mit seinem Flugzeug notlanden. Er hat Proviant für acht Tage. Nach der ersten Nacht in der Wüste wird er vom kleinen Prinzen geweckt. Der kleine Prinz wünscht sich, ein Schaf gemalt zu bekommen. Entnervt davon, dass es ihm nicht gelingen will, zeichnet der Pilot am Ende eine Kiste, in der sich das Schaf befände. Überraschend ist der kleine Prinz damit völlig zufrieden und öffnet dem Piloten die Tür zu seiner Geschichte. So erfährt der Pilot, dass der kleine Prinz von einem winzigen Planeten stammt, auf dem eine einzige Blume wächst. Er hatte sie lieb, hegte und pflegte sie, beschützte sie vor Wind und Getier. Doch er vermochte weder ihre seltsamen Gebärden und leeren Worte noch seine Gefühle für sie zu enträtseln. So floh er vor ihr und begab sich von einem Planeten zum anderen, um auf seiner Reise Lebenserfahrungen und Freunde zu finden.

Dabei traf er einen nach Macht hungrigen König, einen eitlen Narzissten, einen Säufer, der das Vergessen

sucht, einen nach Reichtum und Besitz Strebenden, einen emsigen Laternenanzünder, der sinnlose Anweisungen befolgt, und einen rationalen Wissenschaftler, der dicke Bücher schreibt. Der kleine Prinz enttarnte alle ihre oberflächlichen Ziele mit seinen kindlich offenen Fragen nach dem Warum. Sie alle haben den Bezug zu sich selbst, ihrer Kindheit, zu anderen und zu ihrem Umfeld vergessen. So betrachten sie die Welt nicht mehr mit der Fantasie und den Augen eines Kindes. Sie urteilen nur noch nach dem Augenschein. Äußerliches machen sie zum Maß der Dinge. Ihr Streben nach Vergänglichem hat sie in einen Teufelskreis der Einsamkeit geführt. Das Streben nach Lernen und Selbsterkenntnis, persönliche Anschauung und Selbsterfahrung sind ihnen fremd geworden. Daher findet der kleine Prinz bei ihnen nicht die Erkenntnis, die er sucht.

So zieht er weiter, kommt auf die Erde und stößt dort bald auf einen Garten mit 5.000 schöner Rosen. Er dachte immer, es gäbe nur eine Blume im ganzen Universum und sie sei etwas ganz besonderes. Jetzt wusste er, dass seine Blume nur eine Rose war, wie es viele andere auf der Erde auch gab. Er fühlte sich von ihr belogen, da sie immer behauptet hatte, sie wäre einzigartig. So bricht der kleine Prinz zusammen und weint bitterlich. Da erscheint der Fuchs und wird ihm ein Freund. Als Freund macht er dem kleinen Prinzen seine ganze Lebensweisheit zum Geschenk und lehrt ihn das Geheimnis von Beziehung und Verbundenheit.

Durch den Fuchs erkennt der kleine Prinz nun, dass seine Rose ihn gar nicht belogen hat.

Seine Rose ist nicht wie alle anderen Rosen. Sie ist wie keine andere im ganzen Universum. Weil nur sie es ist, um die sich der kleine Prinz mit ganzer Hingabe gekümmert hatte, haben alle anderen Rosen für ihn keine tiefe Bedeutung. Die eine aber hat sich der kleine Prinz vertraut gemacht. Und der Fuchs weiß: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Der unsichtbare Geist ist das verborgene Wesen der Dinge, das man nur mit dem Herzen sehen kann. Es wird durch Liebe, Freundschaft und Zuwendung zueinander geschaffen. Darum muss man alle Sinne bemühen, will man mit dem Herzen sehen und das Wesentliche entdecken. Der weise Fuchs mahnt: Und vergesse nie, dass du zeitlebens für das verantwortlich bist, was du dir vertraut gemacht hast. Der kleine Prinz begreift die Lehre und entscheidet, auf seinen Planeten zur geliebten Rose zurückzukehren.

In den letzten 7 Tage auf der Erde begegnet er so dem Bruchpiloten und macht ihn sich zum Freund. Am Ende lässt er sich von der Giftschlange beißen, um zu seinem Planeten zurückzukehren. Er sinkt wie leblos zusammen und lässt seine sterbliche Hülle für die weite Reise auf der Erde zurück. Der Pilot ist traurig, doch er weiß ja vom kleinen Prinzen um den Sinn: Es sieht nur so aus, als sei der Kleine tot – die tiefe Wahrheit ist das nicht. Ihre Verbindung im Herzen lebt auf ewig fort. Das ist das Wesentliche des Lebens.

 

Bedeutungsebenen

Der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry war selbst Pilot. Kurz nachdem der kleine Prinz fertiggestellt und in Amerika veröffentlicht war, kam er beim Abschluss seines Flugzeugs im 2. Weltkrieg ums Leben. Als hätte er seinen nahen Tod erahnt oder gar ersehnt? In den Figuren des Piloten und des kleinen Prinzen – als das kleine Ich in seinem Herzen – sind viele autobiografische Züge angelegt. Etwa sein Absturz durch den er seinerzeit mit seinem Co-Piloten 5 Tage fast ohne Wasser der Wüste ausgesetzt war. Das Werk ist nicht weniger als die literarische Lebensreise des Autors selbst, in dem er seine Psychologie und Philosophie des Lebens künstlerisch verdichtet. Dabei geht es ihm um den Sinn des Lebens und das Geheimnis von Beziehung, Freundschaft und Liebe.

Der Text mischt Reales und Surreales und bildet so zwei Ebenen der Wirklichkeit ab: die materielle und die geistige. Gegenstände, Taten, Zahlen und Farben weisen doppelte Bedeutung auf. Die Rose etwa symbolisiert die Sphäre des unergründlichen Weiblichen. Autobiografisch dürfte sie wohl für die Eine stehen, die er sich vertraut gemacht hat, die er aber verlassen hat. All die unzähligen hübschen Frauen, die er nach ihr traf, haben ihm alle nichts bedeutet. All das erkennt er zum Ende seines kurzen Lebens. Und romantisch verschlüsselt er seine wieder gewonnene Sehnsucht nach der echten Liebe und dem harmonischen Urzustand seiner inneren zutiefst vertrauten Heimat.

Zugleich beinhaltet das Werk Kritik an der Oberflächlichkeit der Gesellschaft, in der technisierte Menschen nur auf sich selbst, allein auf Äußeres fixiert und Zwischenmenschliches und (unsichtbare) Werte verdrängt sind. Wo nichts mehr einzigartig ist, staunen lässt, Bedeutung erhält. Dabei ist die Fähigkeit, Anderem Bedeutung für das eigene Leben zu geben, tief im Menschen angelegt. Die Gesellschaft aber hat alle Tiefe aus dem Blick verloren und hat sich so immer mehr von sich selbst entfernt. Betriebsam, entwurzelt, ohne zu erkennen, was ihr fehlt.

Offenheit, Fantasie und Lernerfahrung

Der Planet des kleinen Prinzen wird zum Symbol innerer Heimat und für den Lebensabschnitt der verlorenen Kindheit. Ein Raum voller lebendiger Gefühle, die das Leben ausmachen, der am Beginn der Reise noch im Zwielicht zwischen Bewusst- und Unbewusstsein liegt. Der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenensein ist einschneidend. In dieser Zeit nimmt das Bewusstsein zu, was für Verwirrungen, Distanz und Selbstabgrenzung sorgt. Eine Zeit, in der man sich anders und unverstanden fühlt und auf der Suche nach Orientierung ist. Der kleine Prinz verlässt in dieser Lebensphase auf der Suche nach Abenteuer, Lebenssinn und Erkenntnis die Komfortzone seiner kleinen Welt. Er wagt sich hinaus in das große unbekannte Universum.

Ein Kind stellt noch Fragen, erweckt sein Umfeld zum Leben und schafft so Bedeutung. Es knüpft unentwegt Verbindungen zwischen sich und der Welt. Mit der schöpferischen Kraft der Fantasie gestaltet es so seine Welt und schafft in ihr Einzigartigkeit und Sinn. Wenn man dem Kind diese Kraft nimmt, dann verliert der Mensch die Fährte zu sich selbst. Er fragt dann nicht mehr, was ihn zum Menschen macht, versäumt es die Welt zu betrachten und sich an ihrer Einmaligkeit zu erfreuen. Diese Kraft der Kindheit wird in ihm verschüttet wie bei all den Menschen, die der kleine Prinz auf seiner interplanetaren Reise traf. Die Kindheit muss wieder geborgen werden, wie beim Piloten, um wieder zu sich selbst zu finden. Woraus sonst will der Mensch zu Weisheit gelangen, wenn nicht aus seiner eigenen Tiefe?

Der Sinn des Lebens

Das Ziel seiner Lernreise ist tiefe Lebenserfahrung. Auf der Erde wird ihm durch den Fuchs die zweite Wirklichkeitsebene bewusst: Die Sphäre des Geistes, die Seele der Dinge, die Verbindung zwischen den Menschen schafft. Durch Beziehung werden Dinge und Wesen einzigartig und einander unverwechselbar bedeutsam. Nach dem Erkenntnissprung auf seinem Weg kann er nicht mehr als der zurückkehren, als der er auf Reisen gegangen ist. Er erkennt die Vergänglichkeit alles Äußeren und das Bleibende der Innerlichkeit. Jetzt besitzt er die Kraft, wieder zutiefst glücklich zu sein wie ein Kind.

Dass verbale Sprache eine Quelle für Missverständnisse ist, sagt der Fuchs dem kleinen Prinzen. In der Kommunikation miteinander ist das gesprochene Wort untergeordnet gegenüber dem, was auf der unsichtbaren Ebene mitschwingt. Da kommt es auch auf Gestik und Mimik, Körperhaltung, Äußeres wie Frisur und Kleidung, Geruch, Stimme, Stimmung, Umfeld und örtliche Gegebenheiten an. Tiefe Bedeutung lässt sich kaum mit Worten erfassen, sondern nur mit dem Herzen wahrnehmen. Der kleine Prinz erkennt, wie wörtlich er die „belanglosen Worte“ seiner Rose genommen hat, statt sie mit allen Sinnen zu betrachten und ihren Duft einzuatmen, der den ganzen Planeten erfüllte. Worte sind unvollkommen. Taten sagen mehr als Worte über das Wesentliche. Jetzt nimmt der kleine Prinz wahr, wie die Rose für ihn erblühte, duftete und ihm all ihre Zuneigung schenkte.

Beziehung und Bedeutsamkeit füreinander

Sich einander vertraut zu machen, ist ein Prozess, der Geduld erfordert. Verbindung, auf die man sich eingelassen hat, hinterlässt Bedeutung und einen bleibenden Sinn. Darauf kommt es im Leben an: Tiefe Beziehungen zu knüpfen. So entkommt der Mensch seiner Einsamkeit und der Bedeutungsleere. Wer die Zeit investiert, sich einem anderen vertraut zu machen, lernt ihn erst tiefer kennen. Es ist der Weg des Verstehens, der Erkenntnis, des Vertrauens. Denn man versteht nur die Dinge, für die man sich Zeit nimmt, seine Gewohnheiten teilt und mit denen man sich vertraut macht. So lernt man auch gegenseitige Gefühle zu verstehen und begreift, das Wesen von Verbundenheit, Freundschaft und Liebe. Durch Zuwendung schafft man Vertrautheit. Die Fremdheit weicht. Und dies hebt jeden Einzelnen aus der Masse hervor.

Werte im Leben werden miteinander geschaffen, gepflegt und weitergegeben. Durch Vorleben, Zuwendung und wiederholte Erfahrung. Mit Offenheit für den Anderen und Geduld im Prozess, in dem sich jeder dem anderen offenbart. So wird man achtsamer für sich selbst und andere und lernt auch sein eigenes Wesen tiefer kennen. Am Ende geht man eine Bindung ein, in der jeder für jeden verantwortlich wird. Der Fuchs sagt es: „Du bist ewig für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ Und der kleine Prinz weiß, dass seine Rose sich alleine mit ihren vier Dornen, ohne ihn, nicht gegen das Universum schützen kann.

Gerade da, wo Menschen ihren Alltag miteinander teilen, geht es letztlich darum, miteinander in Verbindung zu kommen, sich einander vertraut zu machen. Auch in professionellen Beziehungen – wie zwischen Führung und Mitarbeiter oder unter Kollegen. Menschen sind soziale Wesen, die einander als Spiegel brauchen und Feedback benötigen, um sich selbst weiter entwickeln zu können. V.a. wenn Menschen unterschiedlich sind und es zulassen, einander mit Offenheit und Neugierde zu begegnen, kann größte Inspiration entstehen. Könnte es. Zugleich mangelt es bis heute oft an einem fruchtbaren Umfeld, in dem gegenseitiges Vertrauen und Verantwortung ganz natürlich wachsen und gedeihen können. Vielleicht weil wir uns nicht mit offenem Herzen die Zeit und Geduld füreinander nehmen, um uns wirklich so als Menschen zu begegnen, wie Kinder es tun

Der kleine Prinz 2022

 


 

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