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Lerneinheit Gewohnheiten – Von der Sisyphus Falle

von Dez 23, 2017Blogs

Gibt es nicht für alles eine Zeit? Eine Zeit der Gewohnheit und eine Zeit der Entwicklung? Wie entkommen wir der Sisyphus Falle und durchlaufen die vier Kompetenzstufen des Lernens?

Zeiten der Routine und Zeiten der Entwicklung

Rhythmuswechsel

Ein Wechsel im Rhythmus zwischen dem Tempo der Routine und der Entschleunigung tut gut. Gut, um zu uns selbst zu kommen. Die Zeit des Jahreswechsels wird dazu in unserer Kultur gerne als Zeit des Rückblicks, der Reflexion und zum Klären der eigenen Ziele im Leben genutzt. Im Rückblick auf gute Vorsätze stellen wir aber hin und wieder eine mangelnde Selbstdisziplin fest. In der Tat standen der Umsetzung guter Vorsätze oft alte Gewohnheiten entgegen. Wir empfinden dann einen Mangel oder ein schlechtes Gewissen oder gar Versagen. Trotzdem bekommen wir es nicht hin, besser auf unsere Routinen zu achten.

Wechseln der Gewohnheiten

Gerade das Auswechseln undienlicher Routinen ist wichtig, wenn es um das Verändern geht. Darum, neue Wege einzuschlagen, den Energiesparmodus zu verlassen. Wir brauchen andere Gewohnheiten, um andere Ergebnisse zu erreichen. Wenn uns bestimmte Verhaltens- und Denkmuster hindern und wir wissen, was uns besser täte – oder zumindest, welche Gewohnheiten wir loslassen wollen – dann ist ein wichtiger Schritt des Weges getan.

Viele Wege führen nach Rom. Ein Ziel lässt sich auf vielen Wegen realisieren. Die Gewohnheit an sich bekommt ihre Bedeutung aus ihrem Ergebnis. Auf dem Weg dahin ist die Freude am Tun selbst bedeutsam. Gewohnheiten geben Identität, Sie zeigen, was uns ausmacht. Zum Problem werden sie, wenn sie sich zum Selbstzweck verselbständigen. Wenn wir in den Routinen – die uns früher einmal hilfreich waren – wie in einer Dauerschleife hängen bleiben. Es gilt wach zu bleiben. Wir Menschen wissen seit alters her, wie wir in die Tiefe des Lebens kommen: Wenn wir uns der Sterblichkeit bewusst sind und uns den Tod vergegenwärtigen. Auf genau diesen Kontext weist der alte Mythos von Sisyphus.

Der Sisyphus Falle entgehen

Sisyphus steht für eine sinnentleerte Existenz. Er ist von den Göttern bestraft worden. Weil er mit Arglist mehrfach den Tod außer Kraft gesetzt hat, um dem Sterben zu entgehen. Die Strafe der Götter ist konsequent: tagein, tagaus ist er fortan zu einer immer gleichen Programm verdammt. Nämlich dazu, einen Felsblock einen steilen Hang hinauf zu rollen. Jedes Mal entgleitet ihm der Fels kurz vor dem Gipfel und er startet von vorne. Eine Dauerschleife. Ohne Sicht auf ein Ende, ohne Sinn, ohne Ziel. Eine Aufgabe, die trotz aller Mühen nicht weiterbringt. Eine Sisyphusarbeit eben.

Alte Gewohnheiten sind sehr starke Muster. Sie sparen uns Kraft und Energie, weil Sie keine bewusste Entscheidung fordern. Dinge laufen immer gleich, geschehen wie von alleine. So leuchtet es ein, dass wir uns gerne treiben lassen und den Gewohnheiten verfallen. Oft ohne uns dessen bewusst zu sein. Je mehr wir im Energiesparmodus laufen, je mehr Raum Gewohnheiten einnehmen, umso mehr drohen wir, in die Sisyphus Falle zu tappen. Unser Leben verflacht und verkommt zu einer Abfolge immer gleicher Stunden und Tage. Wir funktionieren. Aber wir leben nicht mehr bewusst. Wenn der Stress zunimmt, landen wir in einem Hamsterrad, das schneller und schneller dreht.

Um dem zu entgehen, braucht es laufend den Rhythmuswechsel im Leben:

  • Zeiten, in denen wir voll und ganz den Moment erleben.
  • Zeiten der Reflexion (um uns inneres Erleben bewusst machen, Wertungen, Interpretationen und emotionales Verhalten).
  • Zeiten der Distanznahme (mit einem Blick von außen auf das Tun schauen).

Im Zusammenspiel ergeben sich neue kreative Impulse, die uns zur weiteren Entwicklung anregen.

 

Die vier Kompetenzstufen des Lernens

Um undienliche Gewohnheiten zu überwinden, sind nach dem Modell der Kompetenzstufen eines Schülers von Abraham Maslow, dem Entwicklungspsychologen Noel Burch, die vier Stufen des Lernen zu durchlaufen:

  • Unbewusste Inkompetenz. Wir sind zufrieden und wissen nicht, was wir nicht wissen. Wir halten uns selbst für kompetent. Wenn wir unsere Defizite nicht (v.a. in der Interaktion mit anderen) erkennen, sehen wir keine Notwendigkeit und entwickeln keine Motivation, uns weiter zu entwickeln und lernen zu wollen.
  • Bewusste Inkompetenz. Der zentrale erste Schritt ist getan. Wir erkennen nun einen Mangel und merken zugleich, dass uns die Fähigkeiten fehlen. Die Phase wird als unangenehm erfahren, und doch ist sie der Start von etwas Neuem. Es entstehen Gedanken von Versagen. Gefühle von Frust, von Enttäuschung, Resignation, Ärger und Unzufriedenheit. Wir entscheiden uns deshalb, Kompetenzen zu erwerben und das Neue zu trainieren.
  • Bewusste Kompetenz. Wir haben durch Übung, Training und Wiederholung nun Kompetenz erlangt. Wenn wir bewusst darauf achten, gelingt das Umsetzen neuer „Gewohnheiten“. Wir brauchen zwar noch Konzentration und Anstrengung. Aber wenn wir wollen, klappt es.
  • Unbewusste Kompetenz. Das Neue ist unzählige Male wiederholt und trainiert worden, um die alte Routinen zu überwinden. So ist es zu einer neuen Gewohnheit geworden. Wir denken kaum noch darüber nach. Es braucht nur wenig bis gar keine Aufmerksamkeit mehr. Es geschieht unwillkürlich wie von allein.

Muster im Denken und Verhalten

Gerade wenn wir Dinge verändern wollen: Je klarer wir die Verbindung des Weges (die Strategie, die Art und Weise des wie) mit dem Ziel empfinden, umso motivierter können wir uns darauf ausrichten. Das zumindest raten die Motivationspsychologen. Wenn wir z. B. etwas für unseren durchtrainierten Körper tun wollen, verabreden wir uns regelmäßig fest mit einer Laufgruppe. Aber Achtung: Muster im Verhalten werden nicht einfach so ausgetauscht. Sie bleiben im Routineprogramm vorhanden und können nur durch neue Muster überlagert werden. Wenn wir die alten Muster loswerden wollen, sind neue Muster des Verhaltens konsequent zu trainieren, um sich so stabil zu verankern. Es braucht viel Übung und Dutzende Wiederholungen, bis sich neue Gewohnheiten im Unterbewusstsein verankern und alte Routinen auf Ebene des Verhaltens überlagern.

Wie aber können Denkmuster oder Grundhaltung verändern werden? Das geht in die Tiefe der Persönlichkeit, an die Werte oder Glaubenssätze. Wie lassen sich neue Denkweisen augenblicklich abrufen? Wie merke ich, dass ich auf dem Weg bin? Das ist das Terrain der Arbeit mit inneren Bildern. Man könnte einen Spruch oder einen symbolischen Gegenstand so im Raum platzieren, dass er immer wieder vor Augen ist. Ein anderes effektives Instrument ist der positive Tagesrückblick. Am besten verknüpft mit dem guten alten Tagebuch schreiben. So sorgen wir für die Umsetzung unserer Vorsätze. Die Arbeit mit sich selbst lohnt immer. Und irgendwann ist die Trainingszeit vorüber und die neuen Gewohnheit, neues Denken und Fühlen, sind in Fleisch und Blut übergegangen. Der Mensch erlebt sich als selbstbestimmt, statt gegen sich und den inneren Schweinehund zu arbeiten…

Mehr zu den zwei Arbeitsmodi des Gehirns, den Routine- und den Lernmodus, finden Sie bei der Impulsgeschichte über die Afrikanischen Dörfer und Hühner.

 


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