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Lerneinheit negative Gefühle aushalten – Vom Sinn und auflösen

von Sep 27, 2020Blogs

Negative Gefühle, Emotionen, Empfindungen [1] sind unangenehm und schwierig auszuhalten, aber eigentlich ja gar nicht negativ. Es sei denn, sie stecken im Körper fest und müssen sich erst wieder lösen. Wie lassen sie sich aushalten lernen? Was zeigen sie uns?Wie lassen sie sich verstehen? Wie lassen sie sich auflösen? Und: Sind negative Gefühle überhaupt real? Ist ihnen zu trauen?

Emotionale Vorgänge

Eine intellektuelle Beschäftigung mit emotionalen Vorgängen soll der Reflexion Struktur geben. Mit der Erkenntnis, dass negative Gefühle in unserem Kopf entstehen, kommen wir zur Frage: Wenn sie ihren berechtigten Sinn haben – wofür sind negative bzw. unangenehme Gefühle gut? Gehen wir davon aus, dass Gefühle Reaktionen sind, die sind wie sie sind, können wir sie eigentlich gar nicht als negative Gefühle etikettieren, sondern eher – da sie sich schwer aushalten lassen – als unangenehme Gefühle bezeichnen. Die antiken Denker sprachen von Schmerz im Gegensatz zur Lust.  Denn ein schmerzvolles oder unangenehmes Gefühl baut eine innere Spannung auf, die wir loswerden wollen. Deshalb lassen wir uns von ihm zur Handlung leiten. D.h. ein negatives Gefühl folgt  stets der Motivation, von etwas weg zu führen. Bevor wir uns seinem Sinn weiter widmen, erst noch eine Klärung der Begriffe.

Positive und negative Emotionen: Lust und Schmerz

Emotionen spielen sich im Körper ab. Präsent und Motor des menschlichen Tuns. Zur Aktivierung des Organismus schicken sie chemische Moleküle in die Blutbahn und neuronale bzw. elektrochemische Impulse über die Nervenbahnen in die Muskeln und Organe. Tief im Hirnstamm (z.B. Hypothalamus, Amygdala) aktivieren sie neuronale Programme von Reiz und Reaktion und aktivieren den Organismus blitzschnell für eine Aktion (z.B. Erhöhung der Blutzufuhr der Beinarterien für die Fluchtreaktion). So sind Emotionen zeitlich kurze, intensive energetische Erregungen bzw. Muster des Energieverbrauchs. Stimulierend und mobilisierend, manchmal aber hemmend für das Denken, Fühlen und Verhalten (wie z.B. bei Schreck, in der Trauer oder Depression). Sie werden durch äußere Reize ausgelöst und streben sodann nach körperlichem Ausdruck, ohne dass uns dies bewusst sein muss.

90 Sekunden Regel

Emotionen sind kaum zu kontrollieren und willkürlich nachzuahmen. Einige emotionale Reaktionen sind gut zu bemerken. Wie z.B. Gesichtsausdruck und -farbe, feuchte oder kalte Hände. Freude, Trauer, Furcht, Ärger, Scham, Überraschung, Stolz steht einem buchstäblich ins Gesicht geschrieben.[2] Andere Reaktionen bleiben dem Betrachter verborgen wie z.B. die Ausschüttung von Cortisol oder Neurotransmittern (wie Noradrenalin, Serotonin, Dopamin). Der Mensch erlebt die Emotion biologisch: Wir kriegen Gänsehaut, finden es zum Kotzen, etwas liegt uns im Magen. Jede emotionale Energie braucht nur einen kurzen Augenblick, maximal 90 Sekunden, um in den Körper zu gelangen, über den Blutkreislauf durch ihn hindurch und aus ihm heraus zu fließen. Wer länger als 90 Sekunden wütend bleibt, hängt Gedanken weiter an, die ihn in der Wut halten. Man spricht dann davon, dass die Wut im Körper feststeckt.

Die Sprache des Körpers ist eine Ressource im Zugang zur Wirklichkeit – der Körper weiß alles und behält sich vieles unbewusst. Sich dagegen zu wehren, kostet Kraft und schafft Verstrickung. Joan Rosenberg empfiehlt im TED Talk über die Kraft und Weisheit unangenehmer Gefühle  die “biochemische Welle” 90 Sekunden bewusst auszuhalten. Das führt nicht dazu, sich in Emotionen zu verlieren. Im Gegenteil: Werden sie angenommen, flauen sie schnell wieder ab. Ob angenehm oder unangenehm – Emotionen bewusst zu durchleben, heißt lebendig und präsent zu sein. Sich der Gegenwart wesensgerecht wahrhaftig zuzuwenden, löst die Emotionen auf: Wenn ein Kleinkind weinen muss, weint es. Es ist ihm nicht peinlich. Es schreit, schluchzt, ist laut, wenn ihm danach ist – und es beruhigt sich dadurch schnell. Kinder hören genau sofort auf zu weinen, wenn etwas ihre Aufmerksamkeit auf neue Abenteuer lenkt.

Positive und negative Gefühle: Wahrgenommene Emotionen

Auf die Frage „Wie geht es Dir?“ kommt oft ein „gut“ oder „nicht so gut“. Selten werden Gefühle ausgedrückt. Dabei haben Gefühle wichtige Botschaften für uns. Gefühle sind mentale Erfahrungen nicht zu unterdrückender Emotionen. Sie folgen der Emotion und etikettiere sie über den Verstand im Bewusstsein. Wir erkennen erst, dass wir ein Gefühl haben, wenn wir ein Bewusstsein haben, die Emotion in unserem Körper zu spüren.  Wenn wir also Veränderungen in Körper und Gehirn bewusst fühlen – wie Herz (Blutdruck, Puls), Kreislauf, Atmung, Weite der Pupillen, Schweiß.[3] Gefühle machen Lebensenergien also erst bewusst. Damasio beschreibt Gefühle als ein mentales Abbild unserer Wahrnehmung der Realität. Wie alle Kognitionen beruhen auch Gefühle auf Unterscheidungen. Sie helfen uns so, Entscheidungen (mit Hilfe des Körpers) zu treffen.

Es kann schmerzhaft sein, sich den Gefühlen zu stellen und die Verantwortung für sie an sich zu nehmen. Sobald wir Gefühle in uns hochkommen lassen, sie beschauen, durchleben, ohne ihnen anzuhaften, haben wir Zugang zu einer enormen Kraft: Ein anderer kann schmerzliche oder angenehme Gefühle in uns auslösen, aber er kann sie nie verursachen. Es ist unser Denken darüber, das Wut, Schmerz, Ärger oder Freude etc. verursacht. Emotionen sind dem Organismus nützlich. Und so gilt es, Gefühle aushalten zu lernen. Nach innen zu gehen, den Reiz wahrzunehmen.  Erst der Prozess des Fühlens macht bewusst auf das Problem aufmerksam, mit dessen Lösung die Emotionen bereits begonnen haben. Das Wahrnehmen der Gefühle schafft einen Raum zwischen Reiz und Reaktion für die Vernunft. Wir können situationsgerecht reagieren – ohne über die Gefühle zu grübeln und ihnen anzuhaften.

“Ah interessant” Übung (nach Gunther Schmidt)

1. Höre auf, deine Gefühle zu rationalisieren und über sie zu grübeln.
2. Leiste ihrem Wachsen keinen Widerstand. Erlaube ihnen sich in deiner Aura zu verbreiten.
3. Übe dich in der Haltung “Mögen noch mehr Gefühle auftauchen.”
4. Nimm sie ganz an und ermögliche ihnen so, sich dabei vollständig aufzulösen.

 

Positive und negative Stimmungen/ Empfindungen

Damasio unterscheidet neben Emotionen und Gefühlen zudem Stimmungen bzw. Empfindungen wie Ruhe, Aufregung, Lethargie, Harmonie, Dissonanz, Unbehagen u.a. Kleinste Details der Körperhaltung, Geschwindigkeit oder Muster der Bewegung, minimale Variation in der Häufigkeit und dem Tempo von Augenbewegungen, Kontraktionen der Muskeln im Gesicht, Tonfall, Sprachrhythmus und Modulation zeigen den energetischen Zustand des Organismus.[4]

Emotionen setzen – abhängig von Situation und Grundstimmung –  Schalter und Filter im Denken, Fühlen und Verhalten. Sie lassen uns die Welt z.B. in einer Haltung oder Logik von Angst, Wut, Hass, Freude, Liebe, Trauer etc. sehen. Daran können wir immer wieder aktiv durch (Re-) Fokussierung arbeiten. Sowohl die eigene Grundstimmung (unabhängig von Zeit und Raum) als auch die gegenwärtige sinnliche intuitive Empfindungen, sowohl Verstimmungen als auch verschleppte Emotionen, wirken hier zurück. Denn Erfahrungen werden stets geistig durch Gedanken (psychisch/ mental) und körperlich durch Emotionen (physisch/ somatisch) verknüpft. Doch während kognitive Erinnerungen im Laufe der Zeit verblassen und sich wandeln, transportieren sich Körpererinnerungen unbewusst durch Emotionen weiter.

Ein aktueller Reiz löst eine Emotion aus der Vergangenheit aus, überträgt diese auf das Jetzt und aktiviert unbewusste Muster. So interagieren Gegenwart und Vergangenheit fortlaufend, auch transgenerativ. Wer sich durch verdrängte Emotionen nicht bewusst dieser Vergangenheit erinnert, reproduziert sie auf diese Weise weiter. Es gibt jedoch die Chance sie anzunehmen, zu besehen, und in einer anderen Haltung neu zu bewerten.

In der Gegenüberstellung von Emotion, Gefühl, Empfindung zeigen sich die Unterschiede:

 

Emotion Gefühl Empfindung
Auslöser
  • Äußeren Reiz
  • Subjektiver Gedanken
  • Wahrnehmungen mit unseren 6 bzw. 7 Sinnen
Intensität & Dauer
  • blitzschnelle kraftvolle Reaktion (An-/ Entspannung)
  • (Ur-) Instinkt: drängt oft im Affekt nach körperlichem Ausdruck (bis zum Verlust der Selbstkontrolle)
  • blitzschneller, intensiver Impuls (90 Sekunden Welle)
  • spontane körperliche Regungen mittlerer Intensität und Dauer, die bewusst kognitiv erfahren und verknüpft werden
  • Reflexion: ohne etwas gedacht bzw. bewusst reflektiert zu haben, ist kein Fühlen möglich
  • feinfühlig, in Intensität flüchtig bis zu lang andauernder Stimmung
  • Intuition: bewusst als sinnliche ahnende Wahrnehmung registriert, tieferes Bewusstsein
  • paradox: Man kann nur wahrnehmen, was man für möglich hält
Bewusstseinsnähe
  • unwillkürlich, unbewusst
  • bringt über Reiz-Reaktions-Schema direkt unterbewusst ins Handeln
  • meist unwillkürlich, durch Gebrauch des Verstandes beeinflussbar
  • in Achtsamkeit werden Gedanke und seine gefühlte Wirkung bewusst
  • Tief- und Feinfühligkeit (Herzensqualität): den Emotionen auf den Grund gehen, und sie so mit der Vernunft aktiv in hohe Energie verwandeln
Körper- Wahrnehmung
  • vitale Kraft, die tief vom Steiß- bis Kreuzbein im Becken aufsteigt und über das Nervensystem die Muskulatur anspannt
  • im Magen angekommen richtet sie sich in eine Emotion aus (Bauchgefühl)
  • im entspannten Kontakt mit sich im Hier und Jetzt als Resonanz wahrnehmbar (ohne anzuhaften)
  • Gefühle schaffen Erfahrungen, die im Gehirn bewertet und gespeichert werden
  • mit den 7 Sinnen, v.a. der Haut (z.B. Trost durch körperl. Nähe/ Berührung)
  • Energetischer Ursprung ist im weiten Brustraum als Schwingung des offenen Herzens.
Körperlicher Ausdruck
  • Emotionen (v.a. universelle wie Wut, Angst, Freude, Trauer, Ekel, Überraschung) sind unverfügbar & zeigen sich insb. in der Mimik
  • Gefühle verfeinern Mimik, verändern Leuchten der Augen und Weite des Blicks
  • Weinen, Erröten, Herzrasen stammen von Signal aus dem Hirn
  • Herzenswärme strahlt im ganzen Körper & über ihn hinaus aus
  • ohne Kontakt zu Körper & Empfindungen keine internale Entscheidung (somatische Marker)

 

Negative Gefühle und ihren Sinn verstehen

Die Bedeutung der Reflexion für die eigene Entwicklung zeigt sich an keiner Stelle so deutlich, wie in der Konfrontation mit negativen Gefühlen: Nicht davonlaufen, nicht verdrängen, nicht gegen sie ankämpfen und uns auch nicht mit ihnen identifizieren. All das bindet und verstrickt uns nur mit dem Gefühl. Sondern mit ihm und dem Schmerz gehen und es als das betrachten, was es ist. Dann kann das unangenehme Gefühl zu einem weisen Hinweiser und Rauchmelder im Leben werden, mit denen sich die Bedürfnisse melden. Wenn das Gefühl gesehen und anerkannt wird, also seinen Zweck erfüllt, dann kann es sich auch – wie bei einem getrösteten Kind – gleich wieder auflösen. Mit zunehmendem Bewusstsein im Reflexionsprozess wird offenbar, wie stark negative Gefühle mit dem eigenen urteilenden Denken verknüpft sind.

Krafträuber sind weniger die negativen Emotionen selbst als unser Denken dazu, durch das wir den Gefühlen anhaften. Nicht jeder hat ein Gegenüber, das in die Empathie zu den negativen Gefühlen geht. Aber jeder kann sich darin üben, sein Herz offen zu halten und sich in Selbstempathie zu begegnen. Nur solange wir in der Haltung der Liebe und Verbindung bleiben, sind wir in unserer ganzen Kraft. Dann erfüllen Gefühle den Zweck, Veränderung von innen anzustoßen und Dinge aus einer anderen Distanz wahrzunehmen. Wenn wir aber in die mentale Kraft des Egos gehen, dessen Anliegen es ist, ohne Wenn und Aber den eigenen Selbstwert zu schützen, dann sind wir in einer niedrigen Energie des Kampfs und der Verteidigung. Obwohl die emotionale Welle in 90 Sekunden vorbei ist, bleiben wir im Gefühl der narzistischen Verletzung feststecken.

Paradoxie

Indem man seine Gefühle verarbeitet, lernt man mit seinem Unbewussten umzugehen – auch wenn es erst einmal schmerzt. Wenn ein schmerzhaftes Gefühl aufkommt, spannt man sich an, so dass man es weniger fühlt. Negativen Gefühlen können wir uns daher nur in entspanntem Zustand stellen. Erkennt man nicht, warum man etwas fühlt oder nicht fühlt, ist man sich eines Teils seiner selbst nicht bewusst. Trotzdem ist er da und beeinflusst permanent. Die Intuition speist sich aus vorborgenem Wissen und emotional abgespeicherter Erfahrung. Ob wir sie verstehen oder nicht, sie erscheint als Eingebung zur rechten Zeit und am rechten Ort scheinbar aus dem Nichts. Wir lassen uns dann davon fremdsteuern. Wollen wir nicht leugnen, was wir fühlen, dann müssen wir zunächst in unseren Körper gehen. Dazu hilft z.B. Bewegung. Wir lauschen dann in uns, welche Erinnerungen in uns aufkommen.

Dahinter stecken Geschichten mit emotionaler Beteiligung, über die wir wieder Zugang zu unseren Gefühlen bekommen können. Solange wir im Kopf sind, denken und phantasieren, fühlen wir nicht, was in uns passiert. Eine Flucht in die Gedanken kann als ein unbewusster Selbstschutz vor der Macht der Emotionen sein. Das geht soweit dass einige Menschen sich als völlig rational beschreiben und bestreiten, tiefe Gefühle zu erleben. Sie haben vor lauter Selbstschutz den Kontakt zu sich verloren. Gefühle, die aber im Unbewussten verborgen bleiben, können sich nicht auflösen. Der Mensch wird – aus Selbstschutz seines Egos – zu ihrem Spielball.

Schauen wir uns einige markante Vertreter von der Liste unangenehmer Gefühle genauer an.´

 

1. Furcht und Angst (bis zur Panik)

Furcht richtet sich direkt auf eine aktuelle reale situative Bedrohung und die Frage nach der geeigneten Reaktion. Furchtauslösende Reize führen sofort zum Schreck und antizipieren, was bevorsteht.

Angst bezieht sich dagegen auf die Unverfügbarkeit der Zukunft an sich und ist damit ein rein mentales Konstrukt. Es macht Angst, dass uns Situationen oder Entwicklungen nicht vertraut und angenehm sind und wir uns ihnen nicht gewachsen fühlen. So ist jede Entwicklung mit Angst verbunden bis hin zum Urbild der Angst: die Angst vor dem Tod.[5] Das Leben ist unverfügbar. Angst begleitet jeden Weg der Veränderung. Es geht nicht ohne die Angst, nur mit ihr. Alle unangenehmen Gefühle gründen so letztlich in einer diffusen Angst. Angst verdeutlicht, “das ist nicht sicher und kalkulierbar” oder “hier ist Gefahr” und mahnt zur Vorsicht und dem Heraustreten aus und Vermeiden der Situation. So ist sie ein wichtiger Ratgeber (“von weg”) – aber kein weiser Anführer wie Gefühle in der stärkenden Energie der Liebe – wie etwa der Mut zur begründeten Hoffnung (“hin zu”).

Mut und Coping-Gefühl

Mut relativiert die Angst. Furcht und Angst (bis hin zu Panik) setzen uns unter Spannung. In Furcht und Angst fehlen Gelassenheit, Sicherheit, Vertrauen, Selbstvertrauen. Da braucht es dann Mut und die Kraft des Willens, trotzdem zu handeln. Soeren Kierkegaard hat die Metapher des “Sprungs in den Glauben” verwendet, die zeigt, dass das Neue durch einen Sprung ins Unbekannte eintritt – ohne festen Boden unter den Füßen zu haben und ohne zu wissen, was uns nach der Landung erwartet.[6] Entwicklung geschieht bewusst oder unbewusst nur durch Entwicklungssprünge. Der freie Mensch hat die Wahl, statt der Angst zu folgen und z.B. die Flucht zu ergreifen oder in Schockstarre zu verfallen, sich in seiner Angst zu begegnen, sich ihr zu stellen und durch sie hindurchzugehen, um neue Erfahrungen zu machen.

Nehmen wir z.B. den Besuch beim Zahnarzt. Wer zum Zahnarzt geht und befürchtet auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle zu verlieren – den schmerzt es schon bevor es überhaupt wehtut. Die Angst vor dem Schmerz ist ein großer Anteil vom Schmerz – weshalb das Annehmen von Schmerz ihn zugleich erleichtert. Auch medizinische Fakten helfen da wenig. Es heißt, dass Zahnärzte auf dem Behandlungsstuhl die schwierigsten aller Patienten sind. Mit dem Gang zum Zahnarzt muss die Schwellenangst überwunden werden. Dazu braucht es Mut. Ist die Prozedur dann aber überstanden, bleibt ein gutes (Coping-) Gefühl: Aus dem befürchteten Kontrollverlust außerhalb der Komfortzone wird ein Gefühl von Stolz und Glück. Neurobiologisch wird dabei das Adrenalin, das uns in den Stressmodus versetzt, durch die körpereigene Glückdroge Dopamin ersetzt und die Synapsen öffnen sich wieder.

Von Angst und Mut (nach Michael Depner)

Das sicherste Mittel, den Mut zu verlieren ist es, Angst zu vermeiden.
Das beste Mittel, die Angst zu verlieren ist es, Mut zu haben.

 

Angst ist also ein normales Alltagsphänomen und ein wichtiger Protagonist des “Inneren Team“. Doch kann sie auch krankhafte Züge entwickeln. In der Psychotherapie machen Angst- und Panikstörungen einen großen Teil der Patienten aus. Gerade traumatisierte Menschen leiden unter immensen Ängsten. Sie flüchten geradezu aus ihrem Körper: versteifen in ihren Bewegungen und in ihrer Körperhaltung, können Gefühle kaum ausdrücken, können Emotionen schlecht regulieren und erinnern sich schlecht. In der Therapie zeigen Ansätze an der emotionalen Ebene gute Wirkung, um an das Unbewältigte im Unbewussten zu kommen. Die Angsttherapie setzt dann meist an der verletzten Selbstbeziehung an. Bei auch bei traumatologischen Verletzungen und Erkrankungen in der Somatik spielt die Angst eine zentrale Rolle.

Mediziner, die dem Patienten durch Fakten Kompetenz, Sicherheit und Vertrauen vermitteln wollen, um ihm die Angst zu nehmen, erreichen oft ihr Ziel nicht. Indem sie sich auf eine funktionale Ebene zurückziehen und sich nicht erst Zeit und Raum nehmen, eine menschliche Verbindung herstellen und sich empathisch mit den Ängsten des Patienten auseinander setzen, ermutigen sie wenig zum Vertrauenssprung. Wie er sich gesehen fühlte, vergisst der Patient nicht – gerade in seiner existenziellen Grenzsituation.

Das kleine Kind in dir pflegen

Sehr kleine Kinder drücken Ihre Emotion unbewusst ganz natürlich aus. Wer sein Mitgefühl übergeht und sein Baby – wie in früheren Erziehungsratgebern – nachts durchschreien lässt, wird nach ein paar Nächten erreicht haben, dass es nicht mehr schreit. Das Kleine hat seine Überlebensangst, seine Schmerzen, seinen Hunger abgespalten und gelernt, sich von seinen Gefühlen und Bedürfnissen zu trennen. Wenn wir aber eine Gesellschaft von bindungs-, liebes und friedensfähigen Menschen stärken wollen, dann nehmen wir unser Baby tröstend in den Arm, bis es still und friedlich ist wie wir selbst. So lernen wir die Kunst der Beziehung in der Regulation von Nähe und Distanz. Wir erkennen – wie Gerald Hüther es ausdrücken würde – einander als Subjekte mit eigenen Bedürfnissen und verleihen uns so menschliche Würde, statt uns wie Objekte zu behandeln.

Rollenbeschreibung – Die Angst [7]

Schauen Sie sich die jäh aufsteigende Unruhe genau an. Welches Bedürfnis bei Ihnen will sie schützen? Welche Fragen stellen? Sie verabschiedet sich nur ungern und kommt immer wieder hoch.

 

2. Hass, Ärger, Zorn und Wut

Hass, Ärger, Zorn und Wut sind je eine Kraft wie Feuer. Ob diese konstruktiv oder destruktiv wirkt, liegt nicht in ihrem Wesen, sondern wie sie gelenkt wird. Sie überkommt uns als Abwehrreaktion, wenn die eigenen Grenzen deutlich überschritten wurden und sorgt aggressiv für Distanzierung und klare Grenzziehung. Die Kraft zeigt, dass da etwas verteidigt werden will. Sie treibt dazu an, für sich oder die Sache einzustehen und bringt unmittelbar ins Handeln. Hier geht es schließlich um nicht weniger als um den Schutz des Selbstwertes und der Werte.

Nicht die Wut an sich ist also problematisch. Wird sie aber nicht liebevoll angenommen und entschlüsselt, sondern verdrängt, unterdrückt und ins Unbewusste abgespalten, dann wirkt sie dort weiter. Es wird nun Energie darauf verwendet, sie dauernd aus dem Bewusstsein auszublenden. Das kostet Kraft, blockiert Energie und es richtet sich nach innen, so dass Symptome auf körperlicher Ebene entstehen können. Auch kann sich die Grundstimmung ändern und sekundär öfters Gefühle von Stress, Überforderung, Unruhe und Unzufriedenheit etc. auftauchen, bzw. auf kognitiver Ebene Konzentrationsstörungen, Erinnerungslücken, Selbstzweifel und Selbstkritik. Dann sind irgendwann die Schritte zurück nötig, um auf dem Boden der Gegenwart alte Themen aufzulösen. Weil sie sonst immer weiter wirken bis es zur Explosion kommt, dem katharsischen Ausdruck unbewusst angestauter, unterdrückter Emotionen.

Von Vermischung und Vergiftung

Der Wutausbruch richtet sich gegen das nun zur Verfügung stehende Gegenüber, das gerade unsere empfindlichen Knöpfe gedrückt hat und so alle angestaute Energie abbekommt. Die Attacke wirkt sich schnell destruktiv und verletzend aus. Der Spannungsabbau entlastet dann zwar temporär. Problem ist: Wird nur der Auslöser und nicht die primären Ursachen gesehen, entsteht keine Lösungsenergie und der konstruktive Impuls der Veränderung bleibt aus. Facht man Ärger weiter durch zornige Gedanken und Taten an, so nistet er sich im Hirn ein („Wut frisst Hirn”) und vergiftet uns. Wer vom Zorn befallen wird, soll ihn nicht umsonst nach einer indianischen Weisheit so rasch wie möglich wieder abzuschütteln – spätestens aber vor dem Einbruch der Nacht. Wird Ärger geheilt, kann daraus etwas Gutes erwachsen. 

Alte Gefühle auflösen und loslassen

Gerade Hass zeigt an, dass noch alte Verletzungen präsent sind. Das Ausblenden aus dem Bewusstsein – als wären die Verletzungen nie geschehen, hilft nicht. Die primären Ursachen von Hass, Wut und Co. müssen anerkannt werden. Kann man es aber schaffen, akuten Ärger, Zorn und Wut konstruktiv einzusetzen? Die starken Reiz-Reaktions-Muster zu unterbrechen und vor der Reaktion einen Moment der Reflexion zu schaffen? Da viele Menschen gelernt haben, dass es ungehörig ist, Aggressionen zu zeigen, haben sie verlernt, Ärger und Enttäuschung angemessen auszudrücken. Herunter geschluckter Ärger richtet sich auf Dauer jedoch gegen sich selbst und den eigenen Selbstwert, für den man nicht eintritt.[8]

Um Ärger loszulassen hilft nur eins: die körperliche Anspannung (zusammengekniffene Lippen, Muskelverspannungen, erhöhten Blutdruck, Entzündungen, Haut- oder Verdauungsprobleme etc.) wahrzunehmen und bewusst zu entspannen. Sich der eigenen Bedürfnisse klar zu werden und sie auszudrücken. Schleichend spannen sich sonst Stimmung und Tonfall an. Ärger wird geschluckt, bis man sich nicht mehr beherrschen kann. Dann kommt nur noch eine Kleinigkeit dazu und man bricht wie ein Vulkan aus. Das mag uns kurzfristig entlasten, hinterlässt aber Spuren und wir bereuen, was wir gesagt oder getan haben. Machen wir uns also besser zur Gewohnheit, bis 10 (besser bis 90!) zu zählen – dann schaffen wir Abstand, sind dem Ärger weniger ausgeliefert und haben die Explosionsgefahr stark reduziert. Mit Abstand bekommen wir wieder Macht über unsere Reaktion und widmen uns dem Thema reflektierter.

Rollenbeschreibung – Der Zorn

Er packt Sie mit voller Wucht rücklings. Und hat Sie bereits im Griff? Welche Beleidigungen brummeln Sie ihm zu, bevor sich das Unglück anbahnt?

 

3. Traurigkeit, Trauer und Schmerz

Auch Traurigkeit will gewürdigt – und durch ein Gegenüber getröstet werden. Trauer ist ein Begleitgefühl von Entscheidungen und Wendepunkten. Trauer als Phänomen im Übergang – wie beim Verlust eines geliebten Menschen oder beim Verlust von Illusionen (Ent-Täuschungen) – ist ein normaler und gesunder Vorgang der Lösung. Problematisch wird es nur, wenn Trauer zum dauerhaften Lebensgefühl und keine Freude und Fröhlichkeit mehr empfunden wird.

Wer blockiert in der Trauer festhängt, hat seinen Fokus in der Vergangenheit, beweint und bedauert statisch den vergangenen Schmerz und Verlust. Das steigert die Trauer und führt zu einer deprimierten Stimmung. Depression verhindert, dass wir uns unserer Bedürfnisse bewusst werden und Schritte dahin ergreifen können. Wir hängen in den Gedanken fest. Gegenüber der Apathie ist die Trauer energetisch höher, da dem Trauernden Gefühle noch zugänglich sind. Wenn ein Verstockter zu weinen beginnt, wurde ein Schritt aus der Trostlosigkeit erzielt, ein erster Schritt, den Schmerz anzunehmen und zu integrieren. Wer traurig ist und weinen muss, soll das so natürlich wie ein kleines Kind tun. Dem ist nicht peinlich, Gefühle zu zeigen, zu schreien, schluchzen, laut zu sein, wenn ihm danach ist. So beruhigt es sich schnell wieder. Wie Kinder aufhören zu weinen? Irgend etwas lenkt ihre Aufmerksamkeit um. 

 

Trauer als Begleitprozess des Loslassen

Traurigkeit bis hin zu starker Frustration hilft beim Ablösungen: Im Modus der Trauer können Menschen sich ein Nest bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist hat eine dünne Haut. Manches Leid bricht wie eine schlecht verheilte Wunde wieder auf. Nur wer die Trauer zulässt und die Tränen ausweint, kann die Trauer ausspülen und seine Wunden heilen. Doch oft legen sich die Menschen lieber einen Panzer zu, bekommen Magenkrämpfe, Atemnot, Kopf- und Herzschmerzen, Schulter- und Rückenprobleme oder entwickeln Süchte, nur um die Traurigkeit nicht zu fühlen. 

Adressieren wir den Schmerz mit Schuldzuweisungen, bleiben wir ein Teil des Unfriedens. Um Feindbilder zu verwandeln braucht es nach Marshall Rosenberg „Verzweiflungsarbeit“ mit dem Schmerz und den eigenen unerfüllten Bedürfnissen. Es gibt keinen Schmerz, der letztlich gegen die höhere Kraft der Liebe bestehen könnte. In Liebe geborgen können wir unsere Bedürfnisse klären und an unserem Schmerz auch wachsen und einfühlend auch in die Menschen sein, die unsere Bedürfnisse nicht erfüllen. Das ist die Basis gesunder Veränderung.

Rollenbeschreibung – Die Traurigkeit

Die graue konturenlose Gestalt begleitet jeden immer wieder ein Stück des Weges. Sie holt den Flüchtigen ein, der ihr nicht zuhören will und sich Mantras zuspricht wie „Ein Indianer kennt keinen Schmerz”. Nur damit sie die amorphe Gestalt nicht fühlen müssen. Dabei will sie nur tröstend in die Arme genommen werden. Sich ausruhen und neue Kraft sammeln. Damit nicht Mutlosigkeit die Macht übernimmt, sondern die Hoffnung.

Aus: Inge Wuthe – Märchen von der traurigen Traurigkeit

 

4. Sozial erlernte Emotionen wie Scham, Schuld, Eifersucht, Geiz und Gier

Im Gegensatz zu den Basis-Emotionen wie Angst, Ärger, Trauer und Freude sind sozial erlernte Emotionen nicht in uns angelegt und im limbischen System verarbeitet. Sozial erlernte Emotionen entwickeln sich beim gesunden Menschen mit seiner Moral. Dann lernt er Scham, Verlegenheit, Eifersucht und Schuld zu empfinden. Dazu braucht es die menschliche Reife, über sich selbst und andere zu reflektieren. Sozial erlernte Emotionen haben eine regulierende soziale Funktion: Natürliche Scham und die Sorge vor Gesichtsverlust setzen dem Denken und Handeln Tabus, bewahren den Mensch vor unethischem Verhalten und grenzenloser Entfesselung. Das verhindert, dass Menschen sich antisozial verhalten oder sich selbst unwillentlich bloßstellen. Traditionelle Dominanzsysteme nutzen diese und arbeiten bewusst mit Belohnung, Bestrafung, Beschämung. Das aber führt gesellschaftlich in einen Teufelskreis der Gewalt.

Ein Mensch, der präsent mit seinen Bedürfnissen verbunden ist, spürt Schuld und Scham nicht. Schuld und Scham sind immer sekundäre Denk- und Reflexionsprozesse, die nach innen oder auf andere gerichtete Verurteilungen beinhalten. In ihrem impulsiven Ausdruck können Schuld und Scham destruktiv wirken. Hat ein Gesichtsverlust oder eine tiefe Demütigung den Selbstwert schwer verletzt, ist mit Kurzschlussaffekten bis hin zu Selbstmord, Traumata, Entgrenzung zu rechnen. Obwohl kulturell gängig, darf daher im Streit nie verfolgt werden, den anderen zu beschämen oder zu beschuldigen. Dies würdigt herab, verletzt tief, unterbricht Beziehungen, grenzt aus. Oft wird Scham mit sozialer Schande, Gesichts-, Ehr- und Statusverlust verbunden. Die unantastbare Menschenwürde wurde von und vor anderen entehrt. Minderwertigkeitsgefühl und Opferhaltung breiten sich aus bis die Scham gewandelt wird.

Annehmen, Vergeben und Heilen

Aber auch Herunterschlucken, Verdrängen und Vergessen ins Unbewusste und die Dissoziation von Emotionen löst keine Krisen, sozialen Konflikte, Traumata und vermeidet nicht die Weiterübertragung. Im Gegenteil. Oft wachsen dann Hass und Verbitterung. Scham zeigt, dass wir von außen auf uns blicken können und uns dabei auf das Äußere fixieren (was die anderen denken könnten). Wir erkennen auf moralischer Ebene, dass wir Fehler machen und leiten daraus ab, dies zu vermeiden. Wer sich schuldig fühlt, leugnet seine Menschenwürde. Die Schuld braucht Raum zum Heilen.

Rollenbeschreibung – Die Scham

Die riechende, schäumende warme Flüssigkeit ist nicht zurück zu halten. Sie fließt unaufhörlich aus den Poren und ergießt sich auf den Boden um uns herum, der sich leider nur nicht auftut, dass man in ihm versinken könnte.

Eifersucht ist ein Mangelempfinden, das aus dem Bewerten, sich Messen und Vergleichen resultiert. Man muss auf der verzweifelten Suche nach Anerkennung schon von Narzissmus und Überlegenheitsdenken lassen, um in der Überwindung ein Gespür für die Menschenwürde zu bekommen. Hinter Geiz und Gier bis zu krankhaftem Ehrgeiz stecken Begehren, Getriebensein bis hin zum Suchtverhalten. Bei Überwindung entsteht erst ein Gefühl für Gelassenheit und das Glück des Mit-Teilen Könnens.

 

Dienlicher Umgang mit unangenehmen Gefühlen: Weitere Beiträge

Körper, Gefühle, Gedanken und Verhalten – aber auch Träume als bildhafte Darstellungen seelischer Zustände – sind mit ihren Botschaften Quellen der Selbsterkenntnis. Gerade auch alle unangenehme Gefühle weisen darauf, was in uns präsent ist. Vitalkräfte und Gefühle, die auf unerfüllte Bedürfnisse hinwirken, sind wichtige Signalgeber für die Entwicklung und Wiederherstellung eines gesunden Selbstwertgefühls. Erst einmal ist zu erkennen, dass Gefühle und Empfindungen eng mit dem urteilenden Denken des Egos verknüpft sind. Kommen wir weg vom Denken, können wir uns mit den gerade lebendigen Bedürfnissen verbinden. Dann können wir vielleicht den Schmerz besehen und es aushalten, dass auch ganz alte Wunden wieder an die Oberfläche des Bewusstseins kommen, statt und von Negativität und Pessimismus davon tragen zu lassen. Scheitern, Zweifel, Trotz und Wille gehören zu einer freien, selbstverantworteten Entwicklung dazu. So sind Emotionen die Basis jeden Selbstmanagements.

Zwei Wölfe wohnen ach in meiner Brust“: Unangenehme Gefühle können so ein Weckruf werden, uns auf unser Denken und Fühlen aufmerksam zu machen. Sie sind keine Dämonen, die wir bekämpfen oder vermeiden müssen. Nehmen wir sie an, fügen sie sich mit ihren Kompetenzen in unser inneres Team ein. Wir werden lebendiger in der Verbindung mit uns selbst, vitaler. Wir lernen positive und negative Gefühle viel differenzierter wahrzunehmen und auszudrücken. Und das ist es, was am Ende gesunde Authentizität ausmacht. Oder wie es Marshall Rosenberg ausdrückte: Wir lachen all unser Lachen und weinen all unsere Tränen. Wir können so durch manches Tal der Tränen gehen, statt Dinge weiter zu verdrängen. So reißen wir die Burg ab, die wir um unser Herz gebaut haben und öffnen uns wieder für die Liebe, die Heilung schenkt. Gelingt diese Veränderung der Haltung findet Veränderung auf tiefer Ebene statt.

Das ist Menschlichkeit.

Je feiner wir Emotionen, Gefühle und Empfindungen bewusst wahrnehmen und sie in der Haltung der Liebe in unser Herz nehmen, umso stärker werden sie uns vertrauenswürdige Signalweiser auf der Reise, uns Selbst in unserer ganzen Tiefe als Person Schicht für Schicht zu entdecken. Wir verbinden Bauch, Kopf und Herz.

 

[1] Gefühle, Emotionen, Empfindungen sind in der Literatur uneinheitlich definiert. Die hier verwendetenBegriffe lehnt sich an Damasio, Antonio R. (2004): Descartes’ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn.

  • In der Psychologie sind Motive/ Bedürfnisse die Treiber der Handlung. Emotionen werden auf Gefühle verkürzt und eher als Begleiterscheinungen der Bedürfnisse gesehen.
  • In der Biologie sind die Emotionen mit ihrer biologischen Funktion die Handlungstreiber. Der Mensch ist auf soziale Gemeinschaft zum Überleben angewiesen. Das Erkennen der Absichten des anderen, erfordert Dechiffrierung emotionaler Signale.
  • In der Hirnforschung kam es um 1994 zu einem Paradigmenwechsel durch die Neurobiologen Antonio Damasio und Joseph Le Doux. Es kam zur emotionalen Wende. Frühe Protagonisten wie Gerhard Roth und Luc Ciompi ordneten dem Unbewussten großen Raum in  Entscheidungen zu. Damasio erkannte bei Hirnverletzten, dass Entscheiden ohne Emotionen nicht möglich ist.

[2] Sechs Emotionen Angst/ Furcht, Trauer/ Traurigkeit, Ärger/ Wut, Ekel, Überraschung und Freude/ Glück lassen sich kulturunabhängige in der Mimik identifizieren. Vgl. Ekman, Paul (1982): Emotion in the Human Face; Damasio, Antonio R. (2002): Ich fühle, also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins, Ullstein Taschenbuchverlag (List), München.

[3] Die an Gefühle gekoppelten unwillkürlichen Körperreaktionen sind es, die durch so g. Lügendetektoren gemessen werden. Auch wenn sie von Gefühlen sprechen, nehmen Menschen mit mangelndem Körperbewusstsein Gefühle selten wahr. Eher sind es Gedanken.

[4] Emotionen, Gefühle, Empfindungen bilden sich in der nonverbalen Kommunikation als emotionale Rahmung der verbalen Kommunikation ab. Vgl. Damasio, Antonio R. (2002): Ich fühle, also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins, Ullstein Taschenbuch Verlag (List), München. 

Körperarbeit

Zugleich lassen sich Köperempfindungen bewusst verändern, und damit gezielt Einfluss auf das ganze System nehmen. Hier etwa ein TED-Talk von Amy Cuddy, wie die Körpersprache uns beeinflusst.

[5] Nach dem französischen Philosophen Michel de Montaigne (1533-1592) braucht es tiefe Reflexion, um sich auf geistiger Ebene über seinen Körper zu erhöhen und so die Angst vor dem Sterben zu überwinden. Er hat darum die Überzeugung geprägt: “Philosophieren heißt, sterben lernen.”

[6] Von Soren Kierkegaard stammt die Metapher des Sprungs in den Glauben. Um die Angst zu überwinden hilft nicht der Verstand. Kierkegaard ist der Denker des Paradoxen. Kierkegaard sagte einst: Wo Leben ist, ist Widerspruch und Paradoxie.

[7] Schon in der Antike waren Allegorien etabliert, um Abstrakta als personifizierte Körperlichkeit abzubilden und zu ästhetisieren.

[8] Zu bemerken ist auch, dass Menschen nicht alles mit sich machen lassen wollen und sich für sich einsetzen. Doch scheuen sie oft die direkte Konfrontation. Dann reden sie etwa – aus der Sorge um sich selbst – hinter dem Rücken schlecht.


Mit unseren Blogs geben wir Ihnen Mini-Schulungen an die Hand

Immer neue Inspiration, Fort- und Weiterbildung sind im digitalen Zeitalter v. a. für s. g.  Wissensarbeiter wichtig. Es gilt, der persönlichen Reflexion und dem Abgleich mit Wahrnehmung immer wieder Raum zu geben. Die digitale Transformation verändert und vernetzt unsere Welt. Wissen wird blitzschnell in z.T. höchster Qualität virtuell geteilt. Einfach nur ins Web gestellt. Es kann so in kürzester Zeit in immer neuen Kontexten neu verknüpft werden. Dazu leisten auch wir bewusst einen Beitrag. Berater des 21. Jhd. verkaufen kein Wissen an sich. Sie verknüpfen es mit praktischen Lösungen. Zum Nutzen des Kundens. Damit die Lösungskompetenz nachhaltig in der Organisation verankert wird, ist uns dabei die offene Umsetzung mit den Leistungsträgern in der Organisation wichtig. Es ist ein Arbeiten an und für die Organisation in der realen Welt. Von Mensch zu Mensch, Face to Face.

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